Hooligans mit Velohelm

Südsicht

Olaf Kühne
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Hooligans seien keine Fans, war am Wochenende wieder allerorten zu hören. Mit Verlaub: Wer am Samstagabend quer durch die ganze Deutschschweiz reist, um sich ein Spiel des FC St. Gallen anzutun, hat das Prädikat «Fussballfan» mehr als verdient. So ganz wohl schien es den 300 Baslern, die am Samstag mit ihrem Sonderzug in Guntershausen einen kleinen Zwischenstopp einlegten, beim Gedanken an die bevorstehenden 90 Minuten Bratwurst-ohne-Senf-Fussball offenbar nicht gewesen zu sein.

Als erlebnisorienierte Fussballfreunde stand ihnen der Sinn nach etwas Spass. Doch um in «Lupos Bahnhöfli» die richtige Fasnacht, also die Beizenfasnacht, kennen zu lernen, waren die Basler leider zu spät dran. Ersatz boten 50 St. Galler. Zwar nicht so sexy wie die Beizenfasnacht, dafür genau so erlebnishungrig wie die Rot-Blauen, warteten die Grün-Weissen im Hinterthurgau auf ihre Freunde. Oder Feinde? Egal! Die Logik eines Hooligans muss ein normaler Mensch nicht verstehen. So oder so gaben sich die Testosteronopfer aufs Maul. Nicht zu heftig und nicht zu lang. So richtig weh tun wollte man sich dann doch nicht, und die Polizei war auch schon unterwegs. Sieger der kurzen Keilerei waren dem Vernehmen nach die Basler. Klar. Wer just beim Guntershauser Ortsteil Kleinbasel die Notbremse zieht, weiss seinen Heimvorteil zu nutzen.

Dass die Fussballfreunde mit ihrem Intermezzo nicht nur Begeisterungsstürme auslösten, ist indes auch verständlich. Dabei wäre die Sache recht einfach gewesen. Bot doch der Hinterthurgau am Wochenende reichlich Gelegenheit, um sich auszutoben. In Münchwilen eröffnete der erste Pumptrack des Kantons. Für Laien: Das ist so eine Art überdimensionale Carrera-Rennbahn für Velos. Darauf lässt sich herrlich überschüssige Energie abbauen. Zugegeben, Velofahren ist einiges anstrengender als ein bisschen auf der Wiese rumfuchteln. Dafür muss aber auch die Polizei nicht ausrücken. Jedenfalls liegen diesbezüglich keine Meldungen über das erste Wochenende des Pumptracks vor. Doch verschreien wir’s nicht. Der Sommer kommt erst. Und Pubertierende können sich bekanntlich nicht nur darum streiten, wer nun dem cooleren Fussballclub anhängt.

Olaf Kühne

olaf.kuehne

@thurgauerzeitung.ch