Holzkamin: Erbauer zügelt nicht

Der Erbauer des Holzkaminhauses in Schlattingen wohnt nach der Versteigerung immer noch im Haus – spätestens bis 5. Juli, sagt der neue Besitzer. Bis dann habe die Gemeinde Seuzach eine Ersatzwohnung für ihn.

Caspar Hesse
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Will Schadenersatz: Der Erbauer des Hauses. (Bilder: Caspar Hesse)

Will Schadenersatz: Der Erbauer des Hauses. (Bilder: Caspar Hesse)

SCHLATTINGEN. Der 48jährige Schweizer, der noch immer im Holzhaus bei der Bahnunterführung an der Zelglistrasse in Schlattingen wohnt, hat mittlerweile 300 000 Franken Schulden angehäuft, rund 250 000 Franken schuldet er der Bank, 50 000 Franken muss er Handwerkern zahlen. Doch mit der Versteigerung des Hauses, das er selber gebaut hat, ist für ihn die Geschichte noch nicht vorbei.

Seit fünf Jahren sei er nun mit diesem Haus beschäftigt, wobei er die letzten zwei Jahre den Rohbau nur bewohnt habe, ohne weiterbauen zu können. Die Bank hatte den Vertrag gekündigt. Der 48-Jährige will das nicht auf sich sitzenlassen, denn er habe seine Zinsen immer rechtzeitig bezahlt. Von anderen Bankangestellten habe er gehört, dass ein Haus normalerweise in zwei Jahren fertig gebaut werden sollte. Er hätte wesentlich mehr Zeit gebraucht. Das liege aber daran, dass er daneben zu 100 Prozent arbeitstätig sei und ein Grossteil an Eigenleistung ausgemacht worden sei, da er relativ wenig Kapital habe einbringen können. Ein Termin für die Fertigstellung sei aber nie vertraglich fixiert worden. Die Bank hätte also wissen müssen, dass er länger brauche.

Entschädigung für seine Arbeit

Für die Bank sei die Lösung sicher auch nicht ideal, sagt der Schweizer. Mit dem Versteigerungserlös habe sie einen Verlust eingefahren, seine eigenen Schulden werde er wohl nie zurückzahlen können, und das Haus stand nun einige Zeit leer, ohne dass weitergebaut wurde. Und auf sein Pensionskassengeld, das er hineingesteckt habe, wolle er auch nicht einfach verzichten. Die Bank solle auch seine Arbeitsleistung entschädigen.

Der Erbauer sieht ein, dass er wohl wird ausziehen müssen, da jetzt ein anderer Mann das Haus ersteigert hat. Er bekomme aber mit seinen Schulden keine Wohnung. Und so bleibt er vorderhand im Haus. An seinem früheren Wohnort Seuzach, wo er sich nie abgemeldet hatte, suchen die Behörden nun nach einer Wohnung für ihn, sagt der Mann. Bestätigen will das die Gemeinde nicht, da sie sich generell nicht zu laufenden Verfahren äussere.

Am 5. Juli kommt die Polizei

Der neue Besitzer hat dem Erbauer eine Frist bis 5. Juli gesetzt, danach werde das Haus polizeilich geräumt. Er habe mit der Gemeinde Seuzach in Kontakt gestanden. Diese habe ihm versichert, dass sie bis dahin für den Erbauer eine Wohnung oder allenfalls eine Notunterkunft gefunden haben werde.

Dass er mit dem Bau des Kamins einen Fehler gemacht habe, sieht der Erbauer ein, aber er habe eben gefroren. Und Baumaterial sei nicht mehr geliefert worden. So habe er den oberen Teil des Kamins aus Holz gebaut. Das habe eine gewisse Zeit auch funktioniert, bis es draussen immer kälter geworden sei. Dann habe er zu viel eingefeuert.

Das Dach hat der neue Besitzer nach dem Brand bereits repariert.

Das Dach hat der neue Besitzer nach dem Brand bereits repariert.