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Holziger Protest gegen Bern

Bundesrätin Doris Leuthard habe ein Brett vor dem Kopf, wenn es um die gerechte Fluglärmverteilung geht. Das sagen erboste Fluglärmgegner und starten eine Aktion.
Christof Lampart
Regierungsrätin Carmen Haag unterstützt die Protestaktion von Vereinspräsident Josef Imhof. (Bild: Christof Lampart)

Regierungsrätin Carmen Haag unterstützt die Protestaktion von Vereinspräsident Josef Imhof. (Bild: Christof Lampart)

Bundesrätin Doris Leuthard wird mit Holz eingedeckt. Die Mitglieder des Vereins Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau werden ihr und Christian Hegner, Direktor des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL), konzertiert rund 400 Holzbretter aus Hinterthurgauer Wäldern schicken. Zusammen mit einem Protestschreiben, das den Titel trägt: «Ihr Brett vor dem Kopf macht uns Bauchweh! Und wütend!» In diesem nimmt der Bürgerprotest Stellung gegen das sogenannte SIL-Objektblatt 2, das den Süden von Zürich bei der Verteilung des Fluglärms nahezu ausnimmt (unsere Zeitung berichtete).

Der Frust sitzt tief bei Josef Imhof. Der Präsident des Bürgerprotests machte am Donnerstagabend an der Jahresversammlung keinen Hehl daraus. Die Publikation des Objektblattes habe die Bewegung nach elfjährigem Kampf «fast wieder auf Feld eins zurückgeworfen», sagte Imhof. Tatsächlich wird im SIL-Objektblatt 2, das voraussichtlich im Januar 2017 Gültigkeit erlangt, klar, dass der Süden von Zürich, die Goldküste, bezüglich Verteilung des Fluglärms fast komplett ausgespart wird. Zwar werde in Zukunft auch über die Piste 16 nach «Süden geradeaus» – der bevorzugten Variante der Flugsicherung Skyguide – gestartet. Aber dies nur bei Bise und Nebel. Hinzu komme, dass die Flüge in rund einem Jahr nach dem Start über den «Süden geradeaus» schon bald nach Osten abschwenkten und dann über den Hinterthurgau geführt würden.

«Der Süden wird einmal mehr auf Kosten der anderen geschont», echauffierte sich Imhof vor rund 100 Mitgliedern im Aadorfer Gemeinde- und Kulturzentrum. Dies geschehe nicht nur entgegen der Proteste von mehr als 130 Gemeinden aus dem Norden, Osten und Westen von Zürich, sondern auch entgegen ausdrücklicher Inputs von Skyguide und Flughafen.

Dass diese Variante mit Sicherheitsrisiken behaftet ist, bestätigte der Gemeindepräsident von Bachenbülach, Franz Bieger. «Starts Richtung Süden geradeaus sind sicherer, als wenn das Flugzeug nach dem Start abdreht und sich dadurch Start- und Durchstartrouten kreuzen», sagte Bieger. Er muss es wissen, war er doch Swissair-Flugkapitän und Fluginstruktor. Die Argumentation des Zürcher Südens, dieser sei dichter besiedelt als der Osten und deshalb der Fluglärm viel mehr Leute belästige, sei unsinnig. «Wenn sie über ein zehnmal weniger dicht besiedeltes Gebiet zwanzigmal mehr Starts durchführen, dann ist die Lärmbelästigung eindeutig höher.»

Pistenverlängerung befürchtet

Bieger ist überzeugt, dass die vom Bund bevorzugte Variante dazu dient, die Verlängerung der Piste 28 durchzudrücken. Doch die Nachfrageprognosen, die dem SIL 2 zugrunde lägen, seien «abenteuerlich». Denn eine Pistenverlängerung dürfte für die nächsten 10 bis 15 Jahre aus Wirtschafts- und Sicherheitsüberlegungen eigentlich «kein Thema sein», sagte Bieger. Der Flughafen Zürich sei auf jährlich 370 000 Flugbewegungen ausgelegt. Doch diese Zahl sei seit dem Grounding der Swissair nie mehr auch nur annähernd erreicht worden. Und nun solle er laut Prognose bis 2030 um 40 Prozent wachsen? «Das ist kompletter Gugus», sagte Bieger. «Moderne Flieger befördern 20 Prozent mehr Passagiere als jene von vor zehn Jahren. Das ergibt dann gesamthaft weniger und nicht mehr Flugbewegungen.»

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