Hoffnung für das Paradies

SCHLATT. Eine heisse Zelle wird vermutlich nicht im Weiler Paradies gebaut. Das war eine Botschaft, die am Mittwochabend die Bürger in Schlatt erreichte. Die Thurgauer Gemeinde könnte trotzdem weiterhin von den Nagra-Plänen betroffen sein.

Gudrun Enders
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Regierungsrat Jakob Stark und die anderen offiziellen Vertreter informierten am Mittwochabend in Schlatt die Bürger über die Nagra-Pläne. (Bild: Nana do Carmo)

Regierungsrat Jakob Stark und die anderen offiziellen Vertreter informierten am Mittwochabend in Schlatt die Bürger über die Nagra-Pläne. (Bild: Nana do Carmo)

Das Paradies ist fast aus dem Schneider, die Gemeinde Schlatt ist es nicht. Vor fast einem Jahr traf es die Thurgauer Gemeinde überraschend, als die Nagra verkündete, sie könnte sich einen Zugang zum Endlager Zürich Nordost samt heisser Zelle unter anderem im Paradies vorstellen. «Dieser Standort kommt kaum noch in Frage», sagte Regierungsrat Jakob Stark am Mittwochabend klipp und klar. Allerdings ist noch kein Standort offiziell von der Atomabfall-Genossenschaft Nagra aus dem Rennen genommen worden.

Nagra-Vorschläge abgelehnt

Von vorne: Kanton und Gemeinde luden die betroffenen Bürger zu einer Infoveranstaltung am Mittwochabend ein. Ungefähr 200 Interessierte wollten sich aus erster Hand informieren und kamen ins Gemeindehaus. Michael Aebersold vom Bundesamt für Energie zeigte auf, wie das Verfahren läuft. Die betroffenen Gemeinden vertreten ihre Interessen in Regionalkonferenzen. Die für Zürich Nordost zuständige Regionalkonferenz lehnte inzwischen alle vier von der Nagra vorgeschlagenen Zugänge zum Tiefenlager ab. Diese Neuigkeit kam von Präsident Jürg Grau. Zudem verabschiedete seine Regionalkonferenz eine Liste mit Killer-Kriterien, die mögliche Standorte gleich ausschliesst. Vor allem dem Grundwasserschutz schenkte die Regionalkonferenz grössere Bedeutung als die Nagra zuvor.

Markus Fritschi von der Nagra- Geschäftsleitung zeigte danach Karten, die all die Gebiete nach den Vorgaben der Regionalkonferenzen ausschloss. Schliesslich blieben nur noch einige Flecken übrig, die die Nagra für einen Zugang zum Endlager nutzen könnte. Die Gemeinde Schlatt ist weiterhin betroffen, wenn auch am Rande. Welches Areal neu ins Gespräch kommen könnte, zeigte der Schlatter Gemeindeammann Kurt Engel auf, nämlich an einer kleinen Nase Richtung Dickihof sowie beim Wildensbuch. Wer die lokalen Begebenheiten nicht kennt, hat vielleicht schon den weitum sichtbaren Aussichtsturm registriert, der dort steht.

Publikum zeigte sich kritisch

Vor allem kritische Voten kamen aus dem Saal. SVP-Nationalrat Markus Haussmann äusserte seine Sorge, dass zunehmend Unliebsames aufs Land hinaus verschoben werde. Mehr oder weniger deutlich wurde auf die negativen Schlagzeilen vom vergangenen Herbst angespielt, als ein internes Nagra-Papier nur noch zwei Endlager-Standorte forcierte und an die Medien geriet. Regierungsrat Stark zeigte sich kämpferisch: «Wir werden uns nicht gefallen lassen, wenn Zürich Nordost einseitig forciert wird.»