Höllentrip nach acht Monaten Arbeit

Sie sitzen, wo alsbald ihr Publikum Platz nehmen wird, die 14 Schauspielerinnen und Schauspieler. Samstagnachmittag, letzter Tag der intensiven Probewoche im Theater im Eisenwerk. Am nächsten Freitag ist Premiere von «Durchzug», der neuen Produktion des Jungen Theaters Thurgau (JTTG).

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Ein Bild aus der Probewoche: Bei «Durchzug» wirken 14 Jugendliche mit. (Bild: Donato Caspari)

Ein Bild aus der Probewoche: Bei «Durchzug» wirken 14 Jugendliche mit. (Bild: Donato Caspari)

Sie sitzen, wo alsbald ihr Publikum Platz nehmen wird, die 14 Schauspielerinnen und Schauspieler. Samstagnachmittag, letzter Tag der intensiven Probewoche im Theater im Eisenwerk. Am nächsten Freitag ist Premiere von «Durchzug», der neuen Produktion des Jungen Theaters Thurgau (JTTG). Aber nun zuerst noch Feedback-Runde zum eben gespielten Durchlauf.

«Nach gestern war heute energetisch einfach… Scheisse.» Ira Werner spricht Klartext mit den Jugendlichen, die zwischen 13 und 19 Jahre alt sind. Ohne Spritzigkeit sei das Stück okay. Aber: «Wir wollen ein geiles Stück», sagt Werner, die mit Katrin Sauter für die Inszenierung verantwortlich zeichnet. «Spielt mit euren Figuren, gebt ihnen Farbe!» Da und dort ein Nicken der jungen Theaterlaien. Die Jugendlichen wirken müde, am Montag geht nach den Frühlingsferien wieder die Schule los. Es war eine anstrengende Woche. Täglich von zehn Uhr morgens bis in den Abend.

«Zauberer von Oz» am Anfang

Nebst Theaterproduktionen für Jugendliche zwischen 13 und 20 bietet das JTTG auch Werkstätten an. 2006 wurde das JTTG ins Leben gerufen. «Durchzug» ist die sechste Produktion. Vergangenen August startete sie. Die Co-Leiterinnen Sauter und Werner stellten den 14 Jugendlichen drei Stückideen vor. Die Wahl fiel auf die Geschichte «Zauberer von Oz» – «weil das an Stoff und Spielideen am ergiebigsten ist», sagt Sauter. Ein Thema des daraus entstandenen Stücks (geschrieben und inszeniert von Sauter und Werner) ist die Anerkennung für sich selber, die eigenen Wünsche zu leben.

In der wöchentliche Probe bis Dezember wurden kleine Situationen erarbeitet, wurde improvisiert. Im neuen Jahr kamen Probewochenenden dazu und zum Schluss eine ganze Woche. Theaterpädagogin Sauter hat schon einige Jugendproduktionen gemacht. «Bei Jugendlichen muss man total flexibel sein», sagt sie. Und transparente Kommunikation sei wichtig. Um der Ernsthaftigkeit willen müsse man ihnen klarmachen: «Ihr seid diejenigen, die auf der Bühne stehen», ergänzt Werner. Zum Beispiel was die Motivation für das Texte-Lernen betrifft. Die Altersspanne von 13 bis 19 Jahren wiederum habe keine Probleme bereitet.

Und jetzt noch Luftigkeit

Sauter und Werner wissen, dass bei diesem samstäglichen Durchlauf noch einiges schiefgelaufen ist, vor allem in Sachen Technik. «Dabei sind die Spielerinnen und Spieler stark angewiesen auf die richtigen Einsätze von Licht, Musik oder Projektionen. Das Problem wird aber nicht in den Griff zu kriegen sein. Und bis zur Premiere gibt es ja nochmals drei Durchläufe. «Die brauchen wir auch, um die Luftigkeit reinzukriegen», sagt Sauter. Anja Tobler, Berufsschauspielerin und gemeinsame Freundin von Werner und Sauter, hat sich den samstäglichen Durchlauf ebenfalls angeschaut. Ihr höchst anerkennendes Urteil: «Ein kranker Höllentrip.» Das will was heissen.

Premiere: Fr 24. April, 20 Uhr Theater im Eisenwerk, Frauenfeld Weitere Vorstellungen: So 26. April, Fr 1., Sa 2., So 3., Do 7., Fr 8. und Sa 9. Mai, jeweils 20 Uhr, sonntags 17 Uhr