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HOCHMOOR: Das Naturschutzgebiet Hudelmoos braucht Wasser

Der Kanton Thurgau will die Geschichte des Naturschutzgebietes Hudelmoos bei Zihlschlacht wieder in Erinnerung rufen. Zwei neue Broschüren beleuchten den Torfabbau und die deshalb nötigen Regenerierungsmassnahmen.
Larissa Flammer
Amphibien freuen sich über den nassen Untergrund. (Bilder: Larissa Flammer)

Amphibien freuen sich über den nassen Untergrund. (Bilder: Larissa Flammer)

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Für ein Hochmoorgebiet hat es im Hudelmoos eigentlich fast zu wenig Niederschlag. Das Naturschutzgebiet zwischen Amriswil und Bischofszell geniesst den Status als Hoch- und Flachmoor sowie Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Doch es kämpft neben dem knappen Niederschlag auch mit der Geschichte. Im Gebiet auf der Kantonsgrenze zu St. Gallen wurde nämlich bis etwa 1950 im grossen Stil Torf abgebaut. Dabei wurde der grösste Teil des Hochmoors zerstört und das Wasser abgeleitet. «Deshalb müssen wir heute schauen, dass möglichst jeder Tropfen Wasser hierbleibt», sagt Raimund Hipp, ehemaliger Leiter der Fachstelle Natur und Landschaft beim Kanton Thurgau. Gemeinsam mit Präsidenten der umliegenden Gemeinden und mehreren Vertretern des Kantons informierte er im Hudelmoos über die Geschichte und die Zukunft.

Reservatspfleger führt ­Exkursionen durch

Vor allem während der beiden Weltkriege und in der Krisenzeit dazwischen haben die Bewohner der umliegenden Siedlungen im Hudelmoos intensiv Torf gestochen. Das Material – im Thurgauer Dialekt «Toorpe» genannt – hat einen doppelt so hohen Brennwert wie Holz. Hans Koch hat den Torfabbau noch miterlebt. «Gestochen hat jeweils nur das Familienoberhaupt», erzählt der Zihlschlachter. Doch alle hätten mitgeholfen – selbst die Kinder seien über Mittag von der Schule ins Hudelmoos gelaufen. Das junge Moor am Rand, das noch nicht so fest war, musste man in Formen pressen. Koch erzählt: «Die Mischung haben wir Kinder mit den Füssen gestampft.»

Das kantonale Amt für Raumentwicklung hat nun eine Broschüre über den Torfabbau im Hudelmoos erstellt, mit der die Geschichte bekannt gemacht werden soll. Vor Ort informieren zudem vier neue Tafeln die Spaziergänger und für Exkursionen hat Reservatspfleger Stephan Steger sogar alte Gerätschaften gesammelt. Die Broschüre gibt auch Auskunft darüber, wer damals wo Torf abbauen durfte. Organisiert wurde das von den Mooskorporationen der Siedlungen. Diese gebe es zum Teil heute noch und sie arbeiten mit, um das Hudelmoos wieder zu regenerieren, wie Steger erzählt.

Holzpalisaden stauen das Wasser

Während die Torfschicht im Moor vor dem Abbau sechs Meter dick war, beträgt sie heute noch maximal 1,5 Meter. Die Torfbildung dauert sehr lange – für einen Meter festen Torf braucht es rund 1000 Jahre. Das Material entsteht aus Pflanzenresten, die sich im Wasserüberschuss nicht vollständig zersetzen können. Hauptsächlich sind es Torfmoose. Um den Boden also wieder feucht zu machen, muss das Wasser bleiben. «Mit Holzpalisaden verhindern wir das Abfliessen», erklärt Reservatspfleger Steger. Vor gut zehn Jahren hat er die erste Palisade gesetzt. Ein paar Jahre lang beo-bachtet er jeweils, wie sich das Moor entwickelt. «Zu viel Wasser darf es auch nicht haben.»

Ein weiteres Ziel ist es, den Fichtenbestand zu reduzieren. Dieser verhindert den Sonneneinfall und verbraucht sehr viel Wasser. Doch statt im Naturschutzgebiet mit Motorsägen anzurücken, werden die Fichten quasi in nassem Untergrund ertränkt, bis sie absterben. Hochmoore sind extrem nährstoffarm und sauer. Zu den Pflegemassnahmen gehört deshalb auch der Schutz vor Nährstoffeintrag.

Das Hudelmoos steht seit gut 40 Jahren unter Schutz. Eine zweite neue Broschüre des Kantons zeigt neben den Regenerierungsmassnahmen auch auf, wie das Hochmoor entstanden ist. «Aus einer Pfütze zwischen zwei Gletscher-Endmoränen», wie es Raimund Hipp ausdrückt.

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