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Hochbetrieb in der Lohnmosterei

Jedes Jahr im Herbst hat Edi Bosshard alle Hände voll zu tun. An einem Spitzentag presst er aus Äpfeln und Birnen 11 000 Liter Most.
Christoph Heer
Edi Bosshard betreibt mit Rosmarie Zahner die Lohnmosterei in Münchwilen. (Bild: Christoph Heer)

Edi Bosshard betreibt mit Rosmarie Zahner die Lohnmosterei in Münchwilen. (Bild: Christoph Heer)

Das blaue Band läuft und dreht sich um die etlichen verschieden grossen Rollen. Dazwischen eingeklemmt die Maische – die zerkleinerten Äpfel und Birnen –, wovon bis zu 75 Prozent als Saft ausgepresst wird.

Rund hundert Kunden kommen in diesem Jahr in die Münchwiler Lohnmosterei. Sie werden von Edi Bosshard und Rosmarie Zahner freundlich begrüsst. Soweit möglich, nehmen sich die zwei auch Zeit, den Interessierten ihre Presse zu erklären und einem Laien das spannende Handwerk des Mostens näher zu bringen.

Es ist ein Handwerk, welches von Jahr zu Jahr weniger betrieben wird. «Das Geschäft ist klar rückläufig», sagt auch Edi Bosshard. Der Landmaschinenmechaniker weiss, wovon er spricht, betreibt er seine Mosti doch schon seit 1986, seit er sie von seinem Vater übernommen hat. Während etwa 15 Tagen wird gemostet und an ebenso vielen Tagen pasteurisiert.

«Da gehen nicht nur meine Ferientage drauf, es braucht auch noch unbezahlte Stunden, damit ich mit dem Mosten fertig werde», sagt Bosshard augenzwinkernd. Seine Siebbandpresse ist 21jährig und fit wie ein Turnschuh, ganz im Gegensatz dazu sein Schopf, der zu klein und regendurchlässig ist.

Für Neubau entschieden

So haben sich Edi Bosshard und Rosmarie Zahner entscheiden müssen. «Aufhören mit Mosten oder einen Neubau errichten. Wir entschieden uns für den Neubau, welcher im November mit dem Abbruch des jetzigen Gebäudes startet», erklärt der 60jährige Bosshard, der von seinen Kunden mit 90 Prozent Äpfeln beliefert wird. «Nur ein ganz kleiner Teil sind jeweils Birnen, aber die Mischung bestimmt einzig und allein der Kunde.»

Woher Edi Bosshard sein Flair für das altehrwürdige Handwerk hat, ist klar. «Ich wuchs damit auf, und losgelassen hat es mich nie. Wobei ich nach der Saison jeweils froh bin, wenn es wieder vorbei ist, denn es sind jeden Herbst sehr intensive Wochen.»

Seine Kundschaft stammt aus dem Gebiet Turbenthal, Wil, Fischingen und Affeltrangen – und viele sind langjährige Freunde, die froh sind, hat sich Bosshard für die Weiterführung seiner Mosterei entschieden.

Mosti Wallenwil nach 70 Jahren vor dem Aus

Seit 1947 ist die alte Mostpresse in Wallenwil im Einsatz und hat seither weit über eine Million Liter Süssmost gepresst. Daraus würde ein bis heute durchschnittlicher Jahresertrag von etwa 15 000 Litern resultieren. «Bloss sind diese Zeiten längst passé», weiss Walter Heer. Als langjähriger Kassier der Mostereikorporation und einstiger Moster blickt er auf vergangene Jahre zurück, als Herbst für Herbst noch tage-, gar wochenlang gemostet wurde. «Das ist vorbei. Heute wird noch an höchstens fünf Tagen gemostet, wenn die letzten vier bis fünf verbliebenen Kunden ihr Obst bringen. Auch dieses Jahr kommen wir wohl nicht mal mehr auf 4000 Liter.» Das grosse Handicap dieser Mosti ist die Unmöglichkeit des Pasteurisierens vom frisch gepressten Saft; will heissen, wer hier mostet, muss anderweitig schauen, wo er den Saft zu lange haltendem Süssmost verarbeiten lassen will. Dafür wird hier bis heute so günstig wie nirgends gemostet, wohl auch deshalb steht die alte Mosti vor dem Ende, denn rentieren tut dieses Geschäft schon lange nicht mehr.

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