HOCH HINAUS: Alpenbüsi im Arm – Bergluft im Buch

Die Bücher von Daniela Schwegler erzählen von Frauen, die in den Bergen leben. Für ihr neuestes Buch über Bergbäuerinnen hat sich die Thurgauer Bestsellerautorin wieder in die Alpen gewagt. Dabei musste sie auch mal leiden.

Martin Rechsteiner
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Daniela Schwegler mit zwei ihrer bisher erschienen Bücher und Kater Arvo. (Bild: Ralf Ribi)

Daniela Schwegler mit zwei ihrer bisher erschienen Bücher und Kater Arvo. (Bild: Ralf Ribi)

Martin Rechsteiner

martin.rechsteiner@

thurgauerzeitung.ch

Daniela Schwegler ist eine Bestsellerautorin. Über 10000-mal haben sich ihre letzten beiden Werke verkauft. Inzwischen ist die Thurgauerin bekannt, auch über die Landesgrenzen hinaus. Ihre Buchlesungen führten sie bis nach Finnland. Vor kurzem hat sie ihr neues Buch «Landluft» veröffentlicht. Dort porträtiert sie zwölf Bergbäuerinnen.

Ein Leben für das Schreiben

«Die einzige Konstante in meinem Leben ist das Schreiben», sagt Daniela Schwegler. Ganze 14-mal ist die nomadisch Veranlagte seit ihrem 20. Lebensjahr umgezogen. «Jobwechsel, Studium, Liebe, es gab viele Gründe», sagt die 47-Jährige. Im Sommerkleid sitzt sie auf der Terrasse ihres Wohnhauses im St. Galler Rheintal. Wenn Schwegler aufs Thema Schreiben zu sprechen kommt, erhellen sich ihre Gesichtszüge, ihre grosse Leidenschaft verbirgt sie nicht. «Der Beruf der Autorin ist ein grosses Geschenk für mich.»

Geschrieben hatte Schwegler schon immer. «Damals habe ich die Kantonsschule abgebrochen und bin im Journalismus gelandet.» Die junge Frau entschied sich aber doch noch, die Matura nachzuholen und schrieb sich später für ein Jurastudium in Zürich ein. Nebenher war sie als Journalistin tätig. Daran änderte auch ihr Juraabschluss nichts. Im Gegenteil. Schwegler konzen-trierte sich gleich wieder voll aufs Schreiben. Und dabei blieb es. Weshalb sich Daniela Schwegler vorgenommen hat, Bücher über Frauen in den Bergen zu schreiben, kann sie nicht genau sagen. «Aber Älpler, Hüttenwarte, Bergbauern... alle drei Berufe sind eher von Männern dominiert», sagt sie. Es sei interessant zu sehen, wer die wenigen Frauen seien, die ihr Leben auf den Alpen verbringen.

Auf diese Idee sei Schwegler gekommen, als sie, damals als Journalistin für den «Beobachter», einmal einen Senn porträtierte. Das gab die Initialzündung. Für ihr erstes Buch besuchte sie Älplerinnen für mehrere Tage, sprach mit den Frauen und begleitete sie bei der Arbeit. Dasselbe tat sie nun wieder für ihr Buch «Landluft». Schwegler und die Bergbäuerinnen lebten die Tage abgeschieden und teilweise auf engstem Raum. «Das schafft Offenheit und Vertrauen.» So habe eine von ihnen einmal gesagt: «Das ist unglaublich, so viel habe ich noch nie jemandem über mich erzählt. Nicht einmal meinem Mann.»

«Früh aufstehen ist nicht mein Ding»

So kommen berührende Geschichten und überraschende Schicksale zu Tage. Im neuen Werk gibt es etwa die 18 Jahre junge Bäuerin, die voller Elan den Hof ihrer Eltern übernehmen will, oder die erfolgreiche Frauenärztin, die das Luxusleben satt hatte und heute lieber Rinder züchtet. Für die wackeren Bergbäuerinnen hat Schwegler viel Bewunderung übrig. «Ich bin beeindruckt. Ihr Leben ist extrem hart.» Einige von ihnen leben ohne Strom oder ohne fliessendes Wasser, von beheizten Räumen ganz zu schweigen. «Als ich bei einer der Frauen auf Besuch war, sass ich da und wäre an meinem Laptop fast erfroren», sagt sie und lacht. Zudem sei für die Bäuerinnen am Morgen schon um halb vier Tagwache. «So früh aufzustehen ist gar nicht mein Ding.»

Eine ihrer schönsten Erinnerungen an die Besuche in den Bergen hat Schwegler gleich mit nach Hause genommen: Kater Arvo. «Auf der Walliser Alpage d’Emaney im Raum Martigny kam er direkt auf mich zugerannt, das war Liebe auf den ersten Blick.» Die Älplerfamilie schenkte ihr das Tier daraufhin.

Noch ein Werk geplant

Seit zwei Jahren lebt Schwegler mit ihrem Partner in Widnau. Hier will sie sich den nächsten Werken widmen. «Ich werde mich wieder Frauen in den Bergen an die Fersen heften», verrät sie.

Ursprünglich kommt Schwegler aus dem Thurgau. Ihre Familie lebt in Moos-Istighofen. «Ich bin zwar gerne in den Alpen unterwegs, aber auch die Thurgauer Landschaft hat ihre Reize», sagt sie. Ob sie wieder einmal zurück zieht weiss sie nicht. «Jetzt bleibe ich erst mal im St. Galler Rheintal. Gezügelt habe ich in meinem Leben ja schon mehr als genug.»

Hinweis

Daniela Schweglers Buch «Landluft. Bergbäuerinnen im Porträt» erschien am 6. Juli.