Historisches Museum macht aktiv

Das Historische Museum Thurgau will sich in den kommenden zwei Jahren schrittweise ein neues Vermittlungskonzept verpassen. Im Fokus steht dabei die aktive Mitwirkung des Museumsbesuchers. Das nennt sich Edutainment.

Mathias Frei
Merken
Drucken
Teilen
Der neue Rundgang für Erwachsene: Alexander Leumann reicht Ritterhelme herum. (Bilder: Mathias Frei)

Der neue Rundgang für Erwachsene: Alexander Leumann reicht Ritterhelme herum. (Bilder: Mathias Frei)

FRAUENFELD. «Wir wurden motiviert, genauer hinzuschauen», sagt eine Frau. Dann prostet sie den anderen in ihrer Postenlauf-Gruppe beim Apéro vor dem Schloss zu. Eine vergnügte Geburtstagsgesellschaft ist an diesem Freitagabend in den Genuss eines neuen interaktiven Rundgangs durch das Historische Museum Thurgau gekommen. In kleinen Gruppen erkunden die Besucher das Museum. Ein betreuter Wettbewerbs-Postenlauf zum Sehen, aber vor allem auch zum Berühren und Mitmachen bildet den Rahmen des stündigen Programms.

Erfolgreicher neuer Rundgang

Gabriele Keck, Direktorin des Historischen Museums Thurgau, wertet diesen Testlauf als Erfolg. Gemeinsam Inhalte erarbeiten und zugleich die gesellschaftliche Komponente an einer solchen Veranstaltung nicht vernachlässigen: Darauf zielte Keck ab. Eine hochwertig betreute Führung halte sie zwar nach wie vor für sehr wichtig. Denn keine Technik könne die Begeisterung eines Menschen ersetzen, der Geschichte erzähle, sagt Keck. Aber: je grösser die Gruppe, desto mehr hängen während einer Führung ab. Und rein räumlich sind grosse Führungen im Schloss Frauenfeld auch gar nicht möglich.

Deshalb setzt Keck zusammen mit dem museumsinternen Kulturvermittler Alexander Leumann darauf, den einzelnen Museumsbesucher zu aktivieren. Er soll die Möglichkeit erhalten, etwas machen zu können. Keck spricht von zielgruppengerechter, differenzierter Vermittlung. Was zwar mit einem grossen Aufwand verbunden ist. Aber die bestehenden Zielgruppen können besser abgeholt oder neue generiert werden.

Grosse Zielgruppe: Weiblich, 50+

Das Historische Museum des Kantons kommt zwar jeweils auf stattliche 13 000 Besucher jährlich. Aber mehr können es immer sein. Auch bei der Ausweitung der Zielgruppen ist noch Potenzial vorhanden. Der aktuell prototypische Museumsbesucher ist weiblich und 50 Jahre alt oder älter.

In Zukunft will das Historische Museum einerseits Kinder und Jugendliche ansprechen. «Frühzeitige Kundenbindung», meint Museumsdirektorin Keck dazu. Dementsprechend sollen aber auch die erwachsenen Besucher im neuen Vermittlungskonzept nicht zu kurz kommen.

Von Audioguide bis Theater

Am Anfang steht nun der neue Postenlauf für Erwachsene, der auf die Gruppengrösse angepasst werden kann und sich gut eignet als Kulturblock beim runden Geburtstag oder vor dem Firmen-Weihnachtsessen. Ab Herbst 2014 soll es zudem einen Audioguide geben. Schon ab der Erzählnacht diesen Herbst werden Kids als Zeitdetektive forschen können– ein Angebot, das auch eine Adaption für Schulklassen erfahren soll. Nächsten Spätwinter kooperiert das Amt für Volksschule im Rahmen des Leseförderungsprojekts «Geschichtendock» mit dem Historischen Museum. Das Spinnen von Geschichten anhand historischer Objekte wird danach für Schüler institutionalisiert. Zudem ist für 2015 eine Zusammenarbeit mit dem Jungen Theater Thurgau im Gespräch. Eine szenische Führung soll Jung und Alt ansprechen.

Gabriele Keck setzt ein Tablet ein, um die berühmte Kreuzlinger Mitra zu erläutern.

Gabriele Keck setzt ein Tablet ein, um die berühmte Kreuzlinger Mitra zu erläutern.