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HISTORISCHE VERKEHRSWEGE: Spuren im Unterholz

Der Thurgau nimmt historische Verkehrswege von nationaler Bedeutung in den Richtplan auf. Folgen hat das nur, wenn eine Gemeinde einen Weg verlegt oder ein Bauer Kunden für seinen Hofladen sucht.
Thomas Wunderlin
Kantonsarchäologe Hansjörg Brem zeigt beim Kaabrüggli in Tägerschen den Verlauf des historischen Verkehrswegs. (Bild: PD/Markus Zahnd)

Kantonsarchäologe Hansjörg Brem zeigt beim Kaabrüggli in Tägerschen den Verlauf des historischen Verkehrswegs. (Bild: PD/Markus Zahnd)

Zwischen der Fliegenegg und dem Waldhof ist es wie meistens, nämlich falsch. Der Schwabenweg verläuft hier bei Tägerschen nicht auf dem historischen Pilgerweg. Der Trampelpfad der historischen Pilger zog sich über die leichten Anhöhen, die den Kaabach mit einem Abstand von hundert Metern gegen Nordosten säumen. Die heutigen Jakobspilger wandern stattdessen auf einem asphaltierten Feldweg dem Bach entlang. Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit wäre man hier kaum vorwärts gekommen. «Es ist klar weshalb», sagt Hansjörg Brem, «hier war Sumpf.» Der Thurgauer Kantonsarchäologe schätzt, dass der Schwabenweg nur auf 20 bis 30 Prozent exakt den historischen Wegen folgt.

Am Mittwoch informierte er im Gelände bei Tägerschen über die Aufnahme der historischen Verkehrswege in den kantonalen Richtplan. Der Thurgau setzt damit eine Verordnung des Bundes von 2010 um. «Man kann uns keinen vorauseilenden Gehorsam vorwerfen», kommentiert Brem mit schelmischem Lächeln. Gegen diesen Teil des Richtplans hat sich bislang kein Widerstand erhoben – im Gegensatz zu den geplanten Windparkzonen und den reduzierten Baugebieten.

Das Amt für Archäologie hatte in den Jahren 1987 bis 2000 das Inventar historischer Verkehrswege vom frei schaffenden Historiker Thomas Specker erstellen lassen. Nicht darin aufgenommen wurden jene Abschnitte, wo die heutigen Strassen auf den alten Wegen verlaufen. Wenige Dutzend Abschnitte, denen der Bund nationale Bedeutung beimisst, müssen nun in den Richtplan übertragen werden. In der Karte sind sie mit kurzen roten Strichen markiert. Brem führte die Medienvertreter zu einem dieser geschützten Wege, zum rund 600 Meter langen so genannten Kaabrüggli bei Tägerschen, das auch vom Schwabenweg genützt wird. Ein Teil des geschützten Wegs ist nicht zugänglich, da er zugewachsen ist.

Wege mit viel Substanz müssen erhalten werden

Bisher mussten die historischen Verkehrswege nur «nach Möglichkeit» ins Wanderwegnetz integriert werden. Neu gilt laut Brem, dass Wege «mit viel Substanz» erhalten werden müssen. Von Substanz ist aber im Flachland oft wenig geblieben. Anders ist es in der Tremola auf der Südseite des Gotthardpasses, die Brem als «nationale Ikone» bezeichnet. Im Thurgau gibt es kaum etwas, das in diese Kategorie fällt. Eine Ausnahme ist die alte Thurbrücke bei Bischofszell. Sie steht aber ohnehin als Bauwerk unter Denkmalschutz.

Ob die Aufnahme der historischen Verkehrswege in den Richtplan überhaupt konkrete Folgen hat, kann Brem nicht sagen. Wenn eine neue Stromleitung gebaut würde, würde wohl kein Mast auf einen roten Strich plaziert werden dürfen. Beim Ausbau eines Wegs würde eine Gemeinde vielleicht eine andere Streckenführung als über den historischen Weg wählen. Der Schutz ist auf jeden Fall relativ. Im konkreten Fall würde eine Güterabwägung vorgenommen.

Simone Benguerel, Leiterin der Abteilung Grabungen im Amt für Archäologie, weist auf eine andere Möglichkeit hin: Führt ein heute ungenutzter historischer Weg an einem Hof vorbei, könnte sich der Bauer dafür einsetzen, dass der Pilgerweg darauf verlegt wird. Er könnte so Kunden für seinen Hofladen oder seine Herberge gewinnen.

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