HISTORIE: Wie weiter, wenn die Gründer gehen?

Die Thurgauer Museumsgesellschaft hat an der diesjährigen Fachtagung ein Thema ­aufgegriffen, das immer mehr zu reden gibt: Interessierte und Betroffene diskutierten die Nachfolgefrage in Museen.

Larissa Flammer
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Viele Museen im Thurgau müssen sich zurzeit mit der Nachfolgefrage beschäftigen. Oft werden Museen von einer Gründergeneration aufgebaut, die altershalber früher oder später abtritt. Das sei von Institution zu Institution ein sehr individueller Prozess, sagt Ursula Steinhauser vom Verein «Museen im Thurgau – Museumsgesellschaft». Die Orga­nisation widmete dem Thema «Nachfolgefrage» die jährliche Fachtagung, die vor kurzem in der Sittermühle Bischofszell stattfand. «Das Thema wurde an den Vorstand herangetragen, es ist im Moment sehr aktuell im Thurgau», sagt Steinhauser.

Neben der Nachfolgefrage war auch der Wissenstransfer ein Thema der Fachtagung. Aktuelles Beispiel dazu ist das Saurer- Museum Arbon. «Dort überlegen sich die Mitarbeiter, die all die Maschinen noch bedienen können, wie sie ihr Wissen der nächsten Generation vermitteln können», sagt Steinhauser. Eliane Huber stellte an der Tagung ihre Masterarbeit vor, in welcher sie untersuchte, welches Medium sich für den Wissenstransfer eignet. Laut Steinhauser sind schriftliche Dokumentationen, ein Tonband, Videos oder ein persön­liches Gespräch möglich. Im Saurer-Museum werden Videos aufgenommen. «Dort gibt es bereits gute schriftliche Dokumentationen. In Videos werden zusätzlich alle Maschinen gezeigt und erklärt», sagt Steinhauser. Ein sensibles Thema sei auch das Weitergeben der Anekdoten von Zeitzeugen. «Die Geschichten, die mit den Objekten einhergehen, sind fast das Wichtigste.»

Der Thurgau hat eine «unglaubliche Vielfalt» an Museen, wie die Museumsgesellschaft schreibt. Steinhauser spricht von fast 100 musealen Institutionen, wobei regionale, lokale und private Sammlungen dazugezählt werden. Die Nachfolgefrage sei nicht immer ganz einfach. «Teilweise klappt es erst im zweiten Anlauf.» Oft wird nach der Gründergeneration der Weg in die Professionalisierung angestrebt. Mit Geldern, welche die Stiftungen und Trägerschaften generieren, sei es manchmal möglich, eine Museumsleitung anzustellen. «Man findet Nachfolger», ist Steinhauser überzeugt.

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch