HISTORIE: Namenforschung bringt alte Geschichten zutage

Siedlungsnamen waren im Kanton lange ein heisses Eisen. Jetzt sind die neuen Bezeichnungen neben den alten aus dem Thurgauer Namenbuch digital festgehalten. Viele Benennungen haben interessante Ursprünge.

Larissa Flammer
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Der Name des Frauenfelder Burstelparks stammt von der Bezeichnung «burgstal» ab, was «bei der Burgstelle» bedeutet. (Bilder: Larissa Flammer)

Der Name des Frauenfelder Burstelparks stammt von der Bezeichnung «burgstal» ab, was «bei der Burgstelle» bedeutet. (Bilder: Larissa Flammer)

Die Thurgauer haben in den vergangenen zehn Jahren intensiv über Flur- und Siedlungsnamen diskutiert. Viele wehrten sich gegen extrem mundartliche Bezeichnungen, die auf Landkarten und Wegweisern auftauchten. Der Name Roopel anstelle von Rotbühl wurde zum Sinnbild ­dieser Diskussion. Eine Arbeitsgruppe hat sich auch aufgrund verschiedener Berichte und Leserbriefe in der «Thurgauer Zeitung» daraufhin mit den Siedlungsnamen auseinandergesetzt und bis 2012 wieder in die gewohnte schriftdeutsche Form umgeändert. Doch dadurch ergab sich ein neues Problem, wie Kantonsgeometer Christian Dettwiler gestern vor den Medien sagte: «Die offiziellen Bezeichnungen stimmten nicht mehr mit den alten Namen aus dem Thurgauer Namenbuch zusammen.» Damit die alten Flurnamen und die historischen Quellen nicht verloren gehen, wurden im Thurgis, dem geografischen Informationssystem des Kantons, jetzt sowohl die alten wie auch die neuen Namen erfasst. Zudem liefert die Plattform zu jedem Flurnamen einen Abschnitt zu dessen Herkunft und der Bedeutung.

Der Burstelpark hat drei Namen

Martin H. Graf, Redaktor beim Schweizerischen Idiotikon, hat das Thurgauer Namenbuch mitverfasst. Er vermutet, dass sich Politiker im Thurgau mit der Diskussion um die Flurnamen etwas profilieren wollten. Graf sagte aber auch: «Schön, dass jetzt alles bereinigt wurde.» Der Experte ist im Thurgau aufgewachsen und hat in Frauenfeld die Kanti besucht. Unweit von dieser liegt der Burstelpark, der im Namenbuch drei verschiedene Bezeichnungen trägt. Graf erklärte gestern den Medien die Geschichten hinter den Namen. «Burstel» stamme von «burgstal», was «bei der Burgstelle» bedeute. Die ­Befestigungsanlage Holderberg habe dort die Stadtmauer gesichert. Das Holdertor ist in Frauenfeld heute noch ein Begriff. «Der Weg in die Stadt führte damals durch den heutigen Park», erklärte Graf. Der zweite Flurname des Parks lautet «Chisgrueb». Gemäss Graf hat man dort Baumaterial für die Mauern von Schloss Frauenfeld ausgehoben. Der dritte Name «Ramschpärgers Güetli» stammt vom Familiennamen Ramsperger. «Dieser war und ist im Thurgau sehr verbreitet», sagte Graf. Der Burstelpark war also eine Zeit lang auch ein kleines Grundstück im Besitz einer Familie Ramsperger.

Flurnamen ändern nicht häufig. Kantonsgeometer Dettwiler sagte: «Es werden pro Jahr wohl ein paar wenige Anträge kommen.» Das könne geschehen, wenn ein Name landläufig bekannter ist als der offizielle Name. «Ein erfundenes Beispiel wäre, wenn die Frauenfelder Allmend in Open-Air-Gelände umbenannt wird.» Das wäre dann der erste englische Name im Thurgau, wie Dettwiler anfügte.

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch