Hinterm Bahnhof ist ausparkiert

Ab morgen ist der P+R-Parkplatz Bahnhof Nord gesperrt. Für Pendler fallen damit ersatzlos rund 170 Abstellplätze weg. Die SBB verweisen derweil auf P+R-Anlagen in umliegenden Bahnhöfen.

Mathias Frei
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Schilder auf dem P+R-Parkplatz Bahnhof Nord weisen auf die Schliessung hin. (Bild: Reto Martin)

Schilder auf dem P+R-Parkplatz Bahnhof Nord weisen auf die Schliessung hin. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. «Kundinnen und Kunden werden gebeten, ab November auf folgende Anlagen auszuweichen: Islikon, Rickenbach-Attikon, Müllheim-Wigoltingen.» So heisst es in einer Medienmitteilung der SBB zur Schliessung des P+R-Parkplatzes Bahnhof Nord in Frauenfeld. Ab morgen ist dieser Parkplatz geschlossen. Es fallen rund 170 Parkplätze weg. Die SBB haben das Gelände verkauft. Es soll eine Überbauung mit 82 Wohnungen und Gewerberäumen entstehen.

Dass es sich die SBB mit diesem Hinweis zu einfach machen, verneint SBB-Mediensprecher Reto Schaerli. «Es ist uns bewusst, dass der Parkplatz in Frauenfeld vermisst wird», sagt Schaerli. Man habe aber frühzeitig die Besitzer von Jahres-Parkkarten informiert und entsprechend auch den Verkauf gestoppt. Auch Monats-Parkkarten seien nicht mehr verkauft worden.

Gute ÖV-Anbindung, wenig P+R

«Je wichtiger ein Bahnhof für die SBB ist, desto weniger notwendig ist ein P+R-Angebot», sagt Schaerli. Denn je grösser ein Bahnhof sei, desto besser sei auch die ÖV-Anbindung. Die SBB wollten deshalb bei grösseren Bahnhöfen vermehrt nur noch Kurzzeit-Parkplätze in Bahnhofsnähe anbieten.

Derartige Kurzzeit-Parkplätze gibt es in Frauenfeld direkt am Gleis 1. Wie Schaerli erklärt, herrscht ab morgen bei diesen Auto-Abstellplätzen ein neues Parkregime. Es werden 15 Parkplätze zur Verfügung stehen. Die ersten 30 Minuten werden hier 50 Rappen kosten, für die maximal mögliche Parkdauer von einer Stunde zahlt man einen Franken. Derzeit stehen an diesem Standort sieben Kurzzeit-Parkplätze (maximal 20 Minuten, gratis) sowie 12 Langzeit-Parkplätze (erste Stunde drei Franken, ein Tag zehn Franken) zur Verfügung. Die vermieteten 16 Parkfelder bleiben. Sie werden SBB-intern und von Gewerbetreibenden am Bahnhofplatz genutzt. Mit der Schliessung des Parkplatzes Bahnhof Nord wird zudem der Mobility-Standort ans Gleis 1 verlegt. Es stehen in Vollbesetzung des Car-Sharing-Angebots weiterhin fünf Fahrzeuge zur Verfügung.

Für Tagesparkierer in Frauenfeld verweisen die SBB auf die Anlagen auf dem Oberen und Unteren Mätteli. Dort stehen einmal rund 170 und einmal knapp 120 Parkplätze zur Verfügung. Stadtingenieur Thomas Müller fügt der Parkplatz-Auflistung der SBB noch den Parkplatz im Dreieck zwischen Gaswerk- und Industriestrasse hinzu.

«Genug» ist relativ

Grundsätzlich gebe es genügend Parkplätze in Bahnhofsnähe, sagt Müller. «Natürlich ist der Begriff <genug> immer relativ.» Denn die beiden Mätteli-Parkplätze seien schon jetzt zu 50 bis 60 Prozent ausgelastet. Beim Thema der bahnhofsnahen Parkplätze wohnten zwei Seelen in seiner Brust, sagt er. Einerseits würden zentrale Parkieranlagen Mehrverkehr mit sich bringen. Andererseits sei eine Verknappung der Parkplätze nicht von der Hand zu weisen. Zwar sei 2012 der Parkplatz auf dem Unteren Mätteli aufgegangen. Unter dem Strich gingen aber mit der Schliessung des SBB-Parkplatzes Parkplätze verloren.

Am Montagmorgen gilt es für Pendler erstmals ernst. Müller erwartet, dass es dann rund um den Bahnhof ein wenig Suchverkehr gibt wegen der Parkplatzsuche. «Aber in ein, zwei Wochen werden sich wohl alle an die neue Situation gewöhnt haben», sagt der Stadtingenieur. Mehr Bedenken äussert Müller betreffend Parkplatz-Abbau am Gleis 1. Denn bei Zugankünften könnte es durch Abholer eng werden.