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Himmlische Ruhe in Sirnach

SIRNACH. Die Sirnacher Kirchen verzichten auf den nächtlichen Stundenschlag ihrer Glocken. Die Reformierten beschlossen diesen Schritt an der Kirchgemeindeversammlung, die Katholiken ziehen nach. Eine Anwohnerin freut sich besonders.
Olaf Kühne
Vor drei Jahren begrüssten die Sirnacher ihre aus der Reparatur zurückgekehrte Bürgerglocke mit einem Volksfest. Künftig muss der Sechs-Tonnen-Koloss im Turm der St. Remigius-Kirche nachts schweigen. (Archivbild: Nana do Carmo)

Vor drei Jahren begrüssten die Sirnacher ihre aus der Reparatur zurückgekehrte Bürgerglocke mit einem Volksfest. Künftig muss der Sechs-Tonnen-Koloss im Turm der St. Remigius-Kirche nachts schweigen. (Archivbild: Nana do Carmo)

Eineinhalb Jahre lang hat Patricia Truninger geweibelt, nun hat sie ihr Ziel erreicht: Sie kann endlich ruhig schlafen. Als unmittelbare Nachbarin der evangelisch-reformierten Kirche an der Hochwachtstrasse fragte sich die Sirnacherin schon lange, weshalb die Kirchenglocken eigentlich während der ganzen Nacht läuten müssen – zumal die katholische Kirche auch nicht weit entfernt ihre Botschaft verkündet und lautstark die Uhrzeit mitteilt. Im Februar vergangenen Jahres wandte sich Truninger deshalb an den Sirnacher Gemeinderat. «Antrag auf Nachtruhe für die Kirchenglocken beider Kirchen», titelte sie ihr Schreiben. Darin führte sie aus, dass aufgrund der regen Bautätigkeit im Bezirk und des geänderten Regimes am Flughafen der Lärm so oder so laufend zunehme. Die Lebensqualität sinke, und der «lärmintensive Zweikampf zwischen katholischen und protestantischen Christen mittels Kirchenglocken» trage das seinige dazu bei. Truninger bat deshalb die Behörde, das Thema an ihrer periodischen Sitzung mit den beiden Kirchgemeinden auf die Traktandenliste zu setzen und ihr Anliegen «wohlwollend zu prüfen».

Nicht am runden Tisch

Letzten Herbst dann lud die Gemeindekanzlei zum runden Tisch. Patricia Truninger war in der Zwischenzeit von der Antragstellerin zur «Beschwerdeführerin» mutiert. Sie blieb dem runden Tisch fern. «Diese Titulierung passte mir gar nicht», sagt sie. «Ich wollte nicht als Querulantin oder als Sündenbock dastehen.» Dabei habe es sich um einen reinen Formalismus gehandelt, erklärt Gemeindeschreiber Peter Rüesch. «Wir als Politische Gemeinde können den Kirchgemeinden nicht einfach vorschreiben, wann ihre Glocken zu läuten haben.» Man habe sich deshalb in einem ersten Schritt in einer Vermittlerfunktion gesehen. «Wäre keine Einigung zustande gekommen, hätten wir ein sogenanntes Lärmschutzverfahren einleiten müssen», sagt Rüesch. Ein solches sei aber äusserst langwierig und noch dazu «nicht zum Nulltarif zu bekommen». Entsprechend froh ist Rüesch, dass nun eine unkompliziertere Lösung gefunden wurde: Die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Sirnach beschloss an ihrer Versammlung im Mai, künftig nachts nach zehn und vor sechs Uhr auf den Stundenschlag ihrer Glocken zu verzichten. Der Zeitpunkt der Umsetzung ist indes noch offen. «Wir können nicht einfach einen Knopf drücken», erklärt Kirchenpräsidentin Yvonne Koller auf Anfrage unserer Zeitung. «Wir müssen das Geläut neu programmieren lassen und dafür eine spezialisierte Firma beauftragen.» Dies verursache nicht zuletzt beachtliche Kosten, welche die Kirchgemeinde tragen werde. Das Thema sei denn auch emotional diskutiert worden an der Kirchgemeindeversammlung, der Entscheid fiel mit Gegenstimmen. «Für viele Menschen sind Kirchenglocken ein Teil unserer Kultur», ist Yvonne Koller überzeugt. Sie betont deshalb auch, dass das Läuten «aus liturgischem Anlass sowie an Feiertagen» von der neuen Regelung ausgenommen bleibe, so beispielsweise für die weihnachtliche Mitternachtsmesse oder an Silvester und am Nationalfeiertag.

Entscheid schon getroffen

Bereits am damaligen runden Tisch versprach Alex Frei, Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Sirnach und CVP-Kantonsrat, nicht zurückzustehen, sollten die Reformierten nachts ihre Glocken stilllegen. Er habe bis jetzt zwar keine Kenntnis vom jüngsten evangelischen Entscheid. «Im Sinne eines allgemeinen Ruhebedürfnisses haben wir das so beschlossen», sagt er. Anders als bei den Protestanten werde das in seiner Kirchgemeinde zwar von der Vorsteherschaft entschieden. Seine Kirchbürger habe er aber an der letzten Kirchgemeindeversammlung bereits entsprechend informiert. Einzig einen konkreten Zeitpunkt kann auch Frei aufgrund der ausstehenden offiziellen Information durch die reformierte Kirchgemeinde noch nicht nennen. Patricia Truninger wird wohl trotzdem jetzt schon ein wenig ruhiger schlafen.

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