Hilfseinsatz mitten in Frauenfeld

Nach einem Erdbeben werden auf dem Marktplatz in Frauenfeld zahlreiche Opfer versorgt – zumindest theoretisch. Eine Wanderausstellung der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen gibt bis am 6. Juli einen Einblick in die Arbeit des Vereins.

Rahel Haag
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Patrick Hafner zeigt Andrea Isenegger ein Muac. Das Bändchen wird um den Oberarm gelegt und dient als Schnelltest bei Mangelernährung. (Bild: Nana do Carmo)

Patrick Hafner zeigt Andrea Isenegger ein Muac. Das Bändchen wird um den Oberarm gelegt und dient als Schnelltest bei Mangelernährung. (Bild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. Auf dem Marktplatz in Frauenfeld bietet sich in diesen Tagen ein aussergewöhnliches Bild. Auf dem kleinen Kiesplatz beim Brunnen und dem grossen Schachspielfeld stehen zwei Container und ein Zelt der Hilfsorganisation Médecins sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF). Im sogenannten Hauptquartier werden die Besucher mit einem Kittel und einem Stethoskop ausgerüstet. Anschliessend ziehen sie aus vier Szenarien blind eine Karte und sehen, wo ihr fiktiver Einsatz stattfindet.

Choleraepidemie bekämpfen

Die vier Einsatzorte sind Haiti, Dadaab in Kenia, Massakory im Tschad oder Albertsee in der Demokratischen Republik Kongo. «In allen vier Gebieten sind oder waren wir aktiv», sagt Patrick Hafner. Der 39-Jährige ist selber regelmässig an Einsätzen beteiligt und führt die Besucher in Frauenfeld durch die Ausstellung. Die Themen der einzelnen Stationen sind: die Versorgung von Verletzten nach einem Erdbeben, die Betreuung eines Flüchtlingslagers, die Behandlung von mangelernährten Kindern und die Bekämpfung einer Choleraepidemie.

Entscheidungen fällen

An den Posten erfahren die Besucher Fakten zu den einzelnen Einsätzen, können gleichzeitig aber selber aktiv werden. So geht es nach dem Erdbeben in Haiti beispielsweise darum zu entscheiden, welche Opfer zuerst versorgt werden. «Das ist für die Ärzte und Helfer Alltag», sagt Hafner. Die Entscheidung ist nicht leicht. Behandelt man zuerst den Mann mit dem gebrochenen Unterarm, den mit der Kopfverletzung oder die schwangere Frau, die Krämpfe hat? Es gebe auch immer wieder Situationen, in denen man den Opfern nicht mehr helfen könne. «Es ist psychisch belastend, wenn man sich abends fragt, ob man die richtige Entscheidung getroffen hat.»

Gelegenheit, Fragen zu stellen

Die Ausstellung soll nicht nur zeigen, wie die Arbeit von MSF aussieht, sondern zudem Gelegenheit bieten, Fragen zu stellen und mit Vorurteilen aufzuräumen. «Viele denken, dass wir bei unseren Einsätzen nur mit Ärzten unserer Organisation zusammenarbeiten. Dem ist aber nicht so», sagt Hafner. Die lokale Bevölkerung werde stark eingebunden. «Nach dem Erdbeben in Haiti stammten 464 von insgesamt 480 Helfern aus Haiti.»

Die Wanderausstellung gastiert vom 26. Juni bis 6. Juli auf dem Marktplatz in Frauenfeld. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 10 bis 18.30 Uhr und am Samstag von 9.30 bis 18 Uhr. Informationen unter: www.face-it.ch.