Hilfe soll keine Grenzen kennen

Der Landkreis Konstanz übte mit dem Kanton Thurgau das Szenario eines anhaltenden Stromausfalls. Der abtretende Regierungsrat Graf-Schelling nutzte den Abschluss der Katastrophenübung, um sich in Konstanz zu verabschieden.

Silvan Meile
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KREUZLINGEN. «Wenn es zu einer Katastrophe kommt, sind wir eine Schicksalsgemeinschaft», sagt Frank Hämmerle, Landrat des Landkreises Konstanz. Zusammen mit dem Thurgauer Regierungsrat Claudius Graf-Schelling stellte er gestern den Abschlussbericht einer im November grossangelegten gemeinsamen Katastrophenübung von Landkreis und Kanton vor. «Wenn es dunkel wird am Bodensee», lautet der Arbeitstitel. Ein Stromausfall in ganz Europa war das Szenario der Übung. «Ein ernsthafter und langanhaltender Stromausfall trifft die Achillesferse unserer Gesellschaft», sagt Hämmerle. Umso wichtiger sei es, einen solchen Ernstfall zu proben.

Eine Solaranlage aufs Dach

150 Personen waren an der Übung beteiligt. Sie vertraten Blaulichtorganisationen, die Verwaltung beider Länder und die Energiewirtschaft. «Wir verfügen in der Ereignisbewältigung über erfahrene, gut ausgebildete und gut ausgerüstete Einsatzorganisationen», stellt Regierungsrat Graf-Schelling fest. Es gelte der Grundsatz, in Krisen Köpfe und Kompetenzen zu kennen. Deshalb sei der Kontakt auch ein wichtiger Aspekt einer solchen Übung. «Es ist egal, was für eine Katastrophe auf uns zukommt. Es sind die entsprechenden Leute, die sie bewältigen müssen», brachte es Landrat Hämmerle auf den Punkt.

Die Erkenntnis, den Brand gelöscht zu haben, gebe es bei einer so komplexen Übung nicht, sagt Hämmerle. Doch sie habe viel aufgezeigt: Ohne Strom läuft nichts mehr, die Wasserversorgung oder Telefonie, der Verkehr erlahmt oder etwa gar das Krematorium steht still. Mit dem Stromausfall steige etwa auch die Kriminalität an, so Hämmerle. Stromaggregate und Kraftstoff werden zum begehrtesten Gut, das es zu bewachen gilt. «Wir werden mit vielem fertig», sagt Hämmerle. «Gott soll uns aber vor diesem Szenario, das auch rasch die Wirtschaft lahmlegt, behüten.» Seine persönliche Erkenntnis sei, dass er sich eine Solaranlage aufs Dach und eine Batterie in den Keller einbauen lasse.

Als Freund verabschiedet

Stabschef Urs Alig, Chef des Thurgauer Amtes für Bevölkerungsschutz, hat anlässlich der eintägigen Übung 18 Anträge an den Regierungsrat gestellt. Eine davon war beispielsweise die Frage, wie die Geldversorgung der Bevölkerung aufrechterhalten wird. Das war auch für Regierungsrat Graf-Schelling eine interessante Erfahrung.

Der abtretende Regierungsrat Graf-Schelling nutzte den Abschluss der Übung, um sich vom Konstanzer Landrat zu verabschieden. Ende Mai tritt er zurück. In seinen 15 Jahren als Regierungsrat hätten sich die beiden nicht nur kennengelernt, es sei eine Freundschaft entstanden. Dass man gemeinsam und erfolgreich das Bewältigen einer Katastrophe übte, habe verdeutlicht, dass zwischen dem Landkreis Konstanz und dem Kanton Thurgau tatsächlich keine nennenswerte Probleme bestünden.