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Heute steht der Rebberg im Zentrum

Mit Hans Uhlmann als Präsident begann seinerzeit der Aufstieg der Schweizerischen Volkspartei. Dabei wollte Uhlmann gar nie Parteipräsident werden. Man musste ihn fast schon dazu nötigen. «Ich fand, das Amt sei eine Nummer zu gross für mich», erinnert sich der heute 81-Jährige.
Richard Clavadetscher
Auch heute noch fleissig: Hans Uhlmann liefert Wein vom eigenen Rebberg aus. (Bild: Reto Martin)

Auch heute noch fleissig: Hans Uhlmann liefert Wein vom eigenen Rebberg aus. (Bild: Reto Martin)

«Nein, seit meinem Rücktritt im Jahr 1999 war ich nie mehr während einer Session im Bundeshaus.» Dies die Antwort von Hans Uhlmann auf die Frage, ob er denn nicht wie so viele andere Entzugserscheinungen habe und diese jeweils mit einem Bundeshausbesuch während der Session etwas mildere.

Vor 1999 jedoch ging Hans Uhlmann in besagtem Bundeshaus aus und ein: Er war von 1983 bis 1987 Nationalrat. Und von 1987 bis 1999 vertrat er den Thurgau in Bern als Ständerat. Nicht nur dies, Uhlmann war von 1988 an während acht Jahren auch Präsident der Schweizerischen Volkspartei, der SVP Schweiz.

Genug zu tun auf dem Hof

Sich von all dem zu lösen, habe ihm keine Mühe gemacht, blickt der heute 81-Jährige zurück. Erstens habe er als Landwirt auf dem Hof in Bonau auch danach noch zu tun gehabt, zweitens habe das Rentnerdasein auch seine schönen Seiten, und er geniesse diese. Das mit dem Rentnerdasein ist allerdings so eine Sache: Bis wir Hans Uhlmann endlich einmal am Telefon hatten, brauchte es mehrere Versuche. Er sei halt gerade unterwegs, sagte Ehefrau Trudi jeweils. Und auch am Tage unseres Gesprächs hatte Uhlmann noch zu tun: Er musste Wein ausliefern – Wein vom eigenen Rebberg in Amlikon.

35 Jahre in der Politik

Wie auch immer, das Leben nach der Politik scheint dem Mann gut zu bekommen: Uhlmann wirkt 20 Jahre jünger. Er steht kerzengerade da. Das Haupthaar ist zwar etwas grau geworden, aber es ist nach wie vor dicht. Und im Gespräch ist Uhlmann präsent wie eh und je, muss er nie um Formulierungen ringen, erinnert er sich spielend und aufs Jahr genau.

Natürlich unterhält man sich über vergangene Zeiten. Schliesslich war Hans Uhlmann 35 Jahre in der Politik. Er begann als Ortsvorsteher, war Mitglied des Kantonsparlaments, Präsident der SVP des Kantons Thurgau auch, bevor er die eidgenössische Bühne betrat.

«Eigentlich wollte ich gar nie in die Politik», erinnert sich Uhlmann schmunzelnd. Er sei eben eher der Richtertyp. Als Richter – Uhlmann war von 1976 bis 1992 auch Oberrichter – schaue man eine Sache vorurteilsfrei an und entscheide dann. Das entspreche seinem Naturell. In der Politik laufe es bekanntlich anders. «Als Nationalrat und zuvor schon im Kantonsparlament habe ich deshalb ein Stück weit gelitten.» Im Ständerat fühlte sich Uhlmann dann wohler: kleineres Gremium, weniger Leerlauf, keine endlosen Debatten.

Hans Uhlmann wollte nicht nur nicht in die Politik, er wollte vor allem nie Präsident der SVP Schweiz werden: «Ich fand, das sei eine Nummer zu gross für mich. Ich war ja auch erst vier Jahre im eidgenössischen Parlament, als man mich als SVP-Präsident wollte.»

Doch der Druck der Partei wurde stärker und stärker. «Nur Uhlmann ist (noch) gegen Uhlmann» titelte damals das St. Galler Tagblatt. Und als dann schliesslich Bundesrat Leon Schlumpf höchstpersönlich in Uhlmanns Stube sass, um ihn umzustimmen, gab Uhlmann den Widerstand auf und stellte sich der Herausforderung.

Eine Herausforderung war es nämlich allemal: Als Uhlmann das Präsidium übernahm, stand die SVP bei aus heutiger Sicht mickrigen elf Prozent Wähleranteil; in Bundesbern wurde damals diskutiert, ob eine Partei mit so wenig Wähleranteil überhaupt Anrecht auf einen Bundesratssitz habe.

Über 80 Gründungen

Uhlmann machte sich dann an die Aufholjagd: «Ich war an über 80 Parteigründungen zugegen», erinnert er sich. Noch heute bekomme er Einladungen zu deren Jubiläumsanlässen. Am Anfang sei es eher harzig gelaufen, doch dann sei Schwung in die Sache gekommen. «Vor allem der EWR-Abstimmungskampf wirkte unterstützend.» Dies aber war die Domäne von Christoph Blocher. «Mit ihm habe ich viele Jahre lang politisiert – und wir hatten nicht immer nur eitel Freude aneinander», schmunzelt Uhlmann heute.

Als Uhlmann 1996 den Stab an Ueli Maurer übergab, lag die SVP bei 14,9 Prozent Wähleranteil. Was danach kam, ist bekannt.

Mit seinen Nachfolgern im Präsidentenamt kann es Uhlmann übrigens bis heute gut – und sie es ganz offensichtlich auch mit ihm. Der beste Beweis dafür ist wohl das Fest zum 80. Geburtstag Uhlmanns: Sowohl Ueli Maurer als auch Toni Brunner, dessen Nachfolger im Präsidentenamt, beehrten den Jubilar mit einem Besuch zu vorgerückter Stunde.

Stolz wegen Brunner

Nicht nur von Ueli Maurer, auch von Toni Brunner hält Hans Uhlmann viel, und er erlaubt sich hier gar, «ein bisschen stolz» zu sein – ein Gefühl, das ihm sonst abgehe: «Ich war es, der Toni Brunner ermuntert hat, sich auf die Nationalratswahlliste setzen zu lassen.» An Brunner gefalle ihm bis heute, dass er bei seinen öffentlichen Aussagen nie verletzend sei. Hier nämlich hat Uhlmann ab und zu etwas Vorbehalte bei den Exponenten seiner Partei: «Man könnte das eine oder andere auch etwas anders sagen.»

Interesse ist geblieben

Auch mit 81 Jahren ist Hans Uhlmann immer noch politisch interessiert. «Ich kenne natürlich die Dossiers nicht mehr, aber ich lese Zeitung, schaue mir im Fernsehen die entsprechenden Sendungen an, und ich nutze das Internet.»

Deshalb hat er auch eine dezidierte Meinung zur Zukunft der Schweiz: Er wünscht ihr, dass sie auch in Zukunft ein unabhängiges und demokratisches Land sei, der ruhende Pol in Europa und ein Hort der Sicherheit, der Stabilität und des Wohlstandes.

Zudem ist er überzeugt: «Was die Personenfreizügigkeit betrifft, werden wir mit der EU eine Lösung finden.»

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