Herrn und Frau Casino sei Dank

FRAUENFELD. Unter ihnen entwickelte sich das Casino Frauenfeld zu einem national bekannten Veranstaltungssaal. Am Dienstag verabschiedete eine illustre Gästeschar im Rathaus das Pächterehepaar Marta und Richi Weber nach 28 Betriebsjahren.

Mathias Frei
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Für einmal im Mittelpunkt: Marta und Richi Weber am Dienstagabend an ihrer Verabschiedung im Grossen Bürgersaal. (Bild: Reto Martin)

Für einmal im Mittelpunkt: Marta und Richi Weber am Dienstagabend an ihrer Verabschiedung im Grossen Bürgersaal. (Bild: Reto Martin)

Es geht nicht um einen Regierungsrat, der abtritt. Obwohl man aufgrund der Gästeliste am Dienstag im Rathaus darauf schliessen könnte. Ständeräte, alt Stadtammänner, Grössen der lokalen und kantonalen Politik, Wirtschaft und Kultur: Alle sind gekommen – für Marta und Richi Weber. Weggefährten der 28 Casino-Jahre wie Rechtsanwalt Robert Fürer und der ehemalige Präsidialamtschef Hans Brunschweiler blicken zurück. Und Webers schauen vorwärts. «Wir gehen nicht in Pension, wir waren nie bei Stadt oder Kanton angestellt», sagt Richi Weber. Sie waren 28 Jahre lang Casinopächter, nicht von der Stadt beschäftigte Geschäftsführer. Jetzt erfolgt der Wechsel vom Pächter zur stadtinternen Bereichsleitung. Webers mussten immer selber schauen, dass die Kasse stimmte.

Von 7 Uhr bis 3 Uhr nachts

Am Dienstagmorgen im Casino: das zweite Daheim von Marta und Richi Weber. An Veranstaltungstagen das erste Daheim, von 7 Uhr morgens bis 3 Uhr nachts. «Wir lieben das Casino», sagt Richi Weber, und in seinen Augen blitzt das «feu sacré» auf. Sie hätten also auch noch zwei, drei Jahre im Casino angehängt. Anderseits sei für sie verständlich, dass die Stadt den Organisationswechsel jetzt vollziehe. Denn in einem Jahr wird der Haus- und Bühnenmeister des Casinos pensioniert. Mit den gestaffelten Abgängen geht am wenigsten Know-how verloren.

Aber eben: Webers gehen nicht in Pension. Richi Weber ist zwar seit drei Jahren im AHV-Alter, seine Ehefrau erst 61 Jahre alt. Gleichwohl wird er weiter als Berater in der Gastronomie tätig bleiben. Zudem werden Webers noch bis Mitte 2016 Veranstaltungen im Casino betreuen – auf Wunsch der Kunden.

800 000 Gäste in all den Jahren

Sowieso hinterlassen sie der Stadt nicht einfach einen leeren Saal. Auf die kommenden Jahre sind schon 160 Veranstaltungen gebucht – etwa so viele Events gehen pro Jahr über die Casinobühne. Bei rund 30 000 Gästen jährlich konnten sie in den vergangenen 28 Jahren über 800 000 Besucher empfangen.

Dahinter stecken ein Maschinenschlosser und eine Kauffrau. 1987 unterzeichneten sie mit der damaligen Casino AG einen Mietvertrag über zehn Jahre. Webers Vorgänger gab das Casino 1985 auf. Der Ruf der Lokalität war nicht optimal. Die lokalen Wirte wollten sich nicht die Finger verbrennen als Casinopächter. Und dann kam der Frauenfelder Gastronom und Bierbrauer Martin Wartmann auf Richi Weber zu, legte ihm das Casino ans Herz. Weber erstellte einen Businessplan – der bis heute funktioniert. Von Anfang an legte Weber nebst dem Casinobetrieb von der Programmierung bis zur Gastronomie einen Fokus auf den Bereich Catering. «Damals, als noch niemand wusste, was Catering bedeutet», wie Richi Weber sagt. Zuletzt machte das Casino 40 Prozent des Weber'schen Lebensunterhalts aus, die Cateringaufträge 60 Prozent.

Webers blieben Pächter, auch als die Stadt 2004 die Casino AG übernahm. Richi Weber hat eine immense Erfahrung als Gastronom und Eventmanager. Seit 1981 sind Webers verheiratet, haben zwei erwachsene Töchter. Marta war aber stets nicht nur Ehefrau, sondern auch Geschäftspartnerin. Von Anfang an arbeiteten sie zusammen, beide waren Event- und Gastro-Allrounder, beide waren immer über alles informiert. «Das war für die Veranstalter und Künstlermanager angenehm, weil wir so rund um die Uhr für sie da sein konnten», sagt Richi Weber.

Nach der Lehre und Wanderjahren in Südafrika ging er in die Gastronomie, gründete 1976 die Landhaus AG, die zu Bestzeiten sieben Betriebe umfasste – vom Dancing-Landhaus in Schaffhausen, über gehobene Gastronomie im Schloss Herblingen bis zum Café Altstadt in Frauenfeld.

Langweile kam nie auf

1986 verkaufte Weber die AG. Ein Casino liess sich familiärer führen, die Kontakte zu Künstlern und ihren Managern blieben. Das Ehepaar Weber pflegte diese Beziehungen über all die Jahre. Die Früchte davon waren die vielen international bekannten Künstler im Casino. Daneben amtete Weber bei verschiedenen Grossveranstaltungen als Caterer oder als OK-Mitglied Food & Beverage. An der Weltgymnaestrada in Dornbirn gingen unter Webers Führung 150 000 Essen raus. Richi Weber will aber keinen Event besonders hervorheben. «Uns war nie langweilig», sagt Weber, zufrieden wirkt er dabei, aber immer noch mit dem Schnauf eines Machers.

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