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HERDERN: Strom aus dem Stall

Die Bioenergie Herdern AG feierte gestern den Spatenstich der Biogasanlage. Den Rohstoff für die Ökoenergie liefern die Landwirtschaftsbetriebe von Schloss Herdern und des Massnahmenzentrums Kalchrain.
Mathias Frei
Beim Spatenstich: VR-Präsident Martin Huber, die VR-Mitglieder Marcel Stofer und Armin Strom sowie Projektleiter Toni Nauer.

Beim Spatenstich: VR-Präsident Martin Huber, die VR-Mitglieder Marcel Stofer und Armin Strom sowie Projektleiter Toni Nauer.

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Gülle und Mist sind definitiv kein Mist, sondern zum Beispiel Rohstoff für die Produktion von Biogas. Schloss Herdern geht voraussichtlich ab Anfang 2018 unter die Energieproduzenten. Dafür ist mit der EKT im vergangenen Jahr die gemeinsame Bioenergie Herdern AG gegründet worden. Gestern nun ist der Spatenstich erfolgt für die Biogasanlage hinter dem Laufstall von Schloss Herdern.

Zwischen 70 und 80 Kühe stehen in eben diesem Stall. Auf dem Landwirtschaftsbetrieb von Schloss Herdern kommen übers Jahr 400 bis 500 Schweine dazu. In den Betrieben des Massnahmenzentrums Kalchrain wiederum stehen knapp 70 Rinder und 200 Schweine. All diese Tiere liefern pro Jahr 12000 Tonnen Gülle und Mist. Die Biogasanlage, die um den Jahreswechsel 2017/18 in Betrieb gehen soll, wird daraus jährlich 780000 Kilowattstunden Strom produzieren. Damit können rund 165 Haushalte versorgt werden. Zusätzlich kann die Abwärme aus der Biogasproduktion genutzt werden. Die Heizwärme wird dem Wärmeverbund von Schloss Herdern zugeführt, an dem auch Privatliegenschaften in nächster Nähe hängen. So lassen sich jährlich weitere 66000 Liter Heizöl einsparen.

Partnerschaft mit dem EKT «in den Schoss gefallen»

Beim gestrigen Spatenstich schneite es – Mitte April. Martin Huber wertet es als Zeichen, dass es Strom und Wärme braucht, um der Kälte beizukommen. Huber ist Präsident des Trägervereins Schloss Herdern und führt auch die neue Bioenergie Herdern AG an. Nicht weniger freut es ihn, dass man nun, da national eine wichtige energiepolitische Abstimmung ansteht, auch im Lokalen vorwärtsmachen kann. Schloss Herdern als sozial und zugleich wirtschaftlich funktionierende Institution drücke sich nicht vor der Verantwortung. «Wir verbrauchen Energie und haben Biomasse, also produzieren wir Energie.» Die Partnerschaft mit dem EKT sei Schloss Herdern in den Schoss gefallen, sagt Huber und spricht von einem zeitgemässen Modell der Zusammenarbeit. Dass es nun seit den ersten Projektideen im Jahr 2012 bis heute gedauert hat, führt Huber auf das Gesamtenergiekonzept von Schloss Herdern zurück. Nebst dem Neubau der Biogasanlage sollen heuer auch die Holzschnitzelheizung saniert und der bestehende Wärmeverbund erweitert werden. Zwei Projekte liefen in der Planung also nebeneinander.

Die Baukosten kommen auf 3,5 Millionen Franken zu stehen. Die neue AG hat ein Kapital von 980000 Franken. Davon kommen 480000 Franken vom EKT. Mit 500000 Franken ist Schloss Herdern beteiligt, inbegriffen ein kantonaler Beitrag von 150000 Franken namens des Massnahmenzentrums Kalchrain. Die restlichen gut 2,5 Millionen Franken für den Bau werden auf dem Kapitalmarkt beschafft.

Vergorene Gülle kommt auf die Felder

Wie EKT-Projektleiter Toni Nauer erklärt, werde die Biogasproduktion zwar keine Geldkuh, aber auf jeden Fall wirtschaftlich betrieben. Die Zusage für die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) sei schon vor längerer Zeit erfolgt. Weil sich in der Umgebung keine Gasleitung zur Einspeisung befindet, wird das Biogas direkt verstromt. Nebst der Biogasanlage wird auch eine zwei Kilometer lange Rohrleitung über den Berghof, wo der Schweinebetrieb vom «Kalchrain» ist, zum Massnahmenzentrum gebaut. So kommt der Rohstoff in die Anlage. Zudem kann die ausgegorene Gülle wieder zurückgepumpt werden. Weil auf der ganzen Strecke Gülle-Hydranten installiert sind, kann die vergorene Gülle, die in diesem Zustand nicht mehr stinkt, auf den Feldern ausgebracht werden, ohne dass es Traktorentransporte braucht.

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