HERDERN: Ausgezeichnet vielfältig

Lehrerin und Heilpädagogin Christine Stalder gewinnt in der Ukraine die Europameisterschaften im Modernen Vierkampf. Für ihren Sport hat sie mit Mitte dreissig noch Kraulen und Fechten gelernt.

Stefan Hilzinger
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Christine Stalder an der Siegerehrung an den Fünfkampf-Europameisterschaften in Charkiw (Ukraine). (Bild: PD)

Christine Stalder an der Siegerehrung an den Fünfkampf-Europameisterschaften in Charkiw (Ukraine). (Bild: PD)

Stefan Hilzinger

stefan.hilzinger@thurgauerzeitung.ch

Eigentlich gehört Reiten auch dazu. «Doch da die Pferde im Modernen Fünfkampf zugelost werden, verzichte ich lieber darauf», sagt Christine Stalder aus Herdern. Zu unsicher und gefährlich sei die Sache. Ende September entschied die 51-Jährige in Charkow in der Ukraine die Europameisterschaften im Modernen Vierkampf für sich. Sie trat in der Kategorie Masters Ü50 gegen rund 25 Konkurrentinnen an. «Masters» heissen die Kategorien mit Teilnehmern ab 30 Jahren, die statt im Fünf- im Vierkampf wettstreiten. Der Sport mit traditionell militärischem Hintergrund (siehe Kasten) sei gerade in den Ländern des ehemaligen Ostblocks gut vertreten. Bei ihrem Sieg verwies sie zwei Teilnehmerinnen aus Ungarn auf die Plätze. Schon 2014 gewann sie an der EM in Budapest Gold, damals noch in der Ü40-Kategorie.

Von der Leichtathletin zur Fünfkämpferin

Zum Modernen Fünfkampf kam Stalder über ihren Ehemann Georges Stadler. Auch er war bis vor wenigen Jahren ein begeisterter Moderner Fünfkämpfer. In ihrer Jugend in Österreich hatte es Christine Stalder vorerst die Leichtathletik angetan, wo sie als Jugendliche Wiener Stadtmeisterin über 400 und 800 Meter war. Später zog die Tochter einer Schweizer Mutter und eines österreichischen Vaters in die Schweiz. Ab Anfang Dreissig begann sie mit Modernem Fünfkampf. «Ich bin jeweils zu den Trainings meines Mannes gegangen und habe mittrainiert.» Laufen lag ihr im Blut, die anderen Disziplinen musste sie sich noch aneignen. «Da habe ich angefangen Crawl zu trainieren. Und im Fechtclub Frauenfeld machte ich mich mit dem Degen vertraut», berichtet sie. Technisch Anspruchsvoll und herausfordernd sei auch die Umstellung von Luft- auf Laserpistole und auf den kombinierten Lauf-Schiess-Wettbewerb ab 2009 gewesen.

Nächstes Ziel ist die WM in Halle

Trotz mancher Erfolge in den vergangenen Jahren bleibt der Sport das grosse Hobby, das sie nahezu gänzlich aus der Privatkasse bestreitet. «Bis vor kurzem gab es einen Zustupf aus dem Sport-Toto-Fonds. Doch das ist leider Geschichte», sagt sie. Sie arbeitet als Schulische Heilpädagogin und Fachlehrerin in Schönholzerswilen. Für den Besuch der Wettkämpfe muss sie von Fall zu Fall unbezahlte Urlaubstage beziehen. Glück hat sie diesbezüglich im nächsten Jahr. Denn die Masters-Weltmeisterschaften in Halle an der Saale (D) finden vom 10. bis 15 Juli 2018 und damit in den hiesigen Sommerferien statt. «Der Anlass wird mit 140 bis 150 Teilnehmern ein paar Nummern grösser werden», sagt sie. Wegen der Sicherheitslage in der Ukraine hätten verschiedene Athleten auf eine Reise nach Charkow verzichtet.