Herber Zucker

Thurgauer Rüben leiden unter Pilzbefall – viele Bauern erwarten Ertragsausfälle. Experten sprechen gar von einem «Extremjahr».

Donat Beerli
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Die Türme der Zuckeri in Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Die Türme der Zuckeri in Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Was Thurgauer Landwirte in den letzten Monaten befürchtet hatten, ist nun Tatsache. Der Zuckergehalt ihrer Rüben liegt deutlich unter dem vom letzten Jahr. Bei der letzten Messung sogar 0,5 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Verantwortlich dafür sind kleine braune Punkte, welche die Pflanzen angegriffen haben – sogenannte Blattflecken. «Für viele Landwirte ist es brutal», sagt Andreas Bertschi von der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau. Einen derartigen Befall habe er in seiner 30jährigen Karriere noch nie erlebt.

Dabei hatte das Jahr für die Bauern gut begonnen. Die trockenen Saatbedingungen im Frühling liessen auf eine überdurchschnittliche Zuckerrübenernte hoffen. Nur: Die heftigen Niederschläge im Mai und Juni zerstörten die Vorfreude schnell. Wegen der fehlenden Luft im Boden wuchsen die Rüben nur langsam und waren deutlich weniger widerstandsfähig. «Dann kam der feuchtwarme Sommer», so Bertschi. «Ideale Bedingungen für Blattflecken.» Dazu die bis zuletzt warmen Nächte, die die Ausbreitung des Pilzes ebenfalls begünstigt hätten.

Zuckergehalt entscheidet über Erlös

Die Rechnung ist einfach: Bauern werden nach Rübenmenge und Zuckergehalt bezahlt. Von Blattflecken stark befallene Blätter haben kein Chlorophyll mehr, um Sonnenlicht einzuholen und damit Zucker zu produzieren. Ertragsverluste können bis zu 40 Prozent betragen. So pessimistisch ist Bertschi nicht. Noch bleibt ein Monat, bis die Landwirte ihre Rüben in die Frauenfelder Zuckerfabrik führen. «Bis dann könnte der Zuckergehalt sicher noch steigen.»

Trotz schlechter Prognosen gibt es einige, die von Blattflecken weniger betroffen sind. Einer davon ist Thomas Meier aus Frauenfeld, der auf 6,5 Hektaren Zuckerrüben anbaut. Er rechnet mit einer guten Ernte. Fungizid hat Meier dieses Jahr dreimal gesprüht – das scheint sich gelohnt zu haben. Warum klappt das bei anderen nicht? Er könne nur mutmassen. «Vielleicht haben einige zu lange abgewartet.» Und er den richtigen Moment erwischt. Denn darauf komme es beim Spritzen auch an. Zudem gebe es zwei verschiedene Rübensorten. «Meine ist weniger anfällig.»