Hemmerswiler Käser: Vermisst oder untergetaucht?

Als Hanspeter Jörg aus Frauenfeld die Rubrik «In der TZ von 1915 – Hemmerswiler Käser in Frankreich vermisst» in der Dienstag-Ausgabe gelesen hatte, kam er ins Grübeln. Der historische Artikel handelt von einem Jaques Schmid, der im südfranzösischen Allanche eine Käserei betreibt.

Perrine Woodtli
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Als Hanspeter Jörg aus Frauenfeld die Rubrik «In der TZ von 1915 – Hemmerswiler Käser in Frankreich vermisst» in der Dienstag-Ausgabe gelesen hatte, kam er ins Grübeln. Der historische Artikel handelt von einem Jaques Schmid, der im südfranzösischen Allanche eine Käserei betreibt. Als er eines Tages vom Thurgau nach Allanche reist, verschwindet er. Alle Nachforschungen waren vergebens – berichtete die TZ vor 100 Jahren. Eine Mutmassung besagt, dass sich der Vermisste eventuell durch irgendetwas verdächtig gemacht habe und vielleicht von den Franzosen verhaftet worden sein könnte – der erste Weltkrieg war bereits voll entbrannt.

Ein pensionierter Käser

Auch Hanspeter Jörg lernte einen Schweizer Käser namens Jaques kennen – 1960 in Allanche. In diesem Jahr verbrachte der damals 20jährige Jörg in der Käserei Vernols par Allanche einen Auslandaufenthalt. Die Käserei wurde betrieben von einem Schweizer namens Guillaume Kaiser. «Sein Sohn Jean war damals der Geschäftsführer der Käserei», erinnert sich Jörg.

Bei einem Ausflug lud ihn Jean Kaiser zu einem Besuch bei einem alten Schweizer Käser namens Jaques ein. Dieser war etwa 70 Jahre alt, wie Jörg vermutet. Er besass in Allanche eine kleine Wohnung. «Seine Herkunft wurde nicht zur Sprache gebracht, aber er hatte in der grösseren Käserei in Allanche gearbeitet und war damals bereits pensioniert.» Die drei fachsimpelten ein wenig und genossen ein gutes Stück alten Gruyère aus der Schweiz, bevor sie sich wieder verabschiedeten.

Nicht unglücklich

Als Hanspeter Jörg nun den Zeitungsartikel über den vermissten Käser aus Hemmerswil las, überlegte er sich, ob es sich bei diesem Jaques um denselben Menschen handelt, den er Jahrzehnte später getroffen hat.

«Er ist mir sofort in den Sinn gekommen, auch wenn es schon lange her ist», sagt Jörg. Dass er von Franzosen «eingesteckt wurde», glaubt er eher nicht. «Vielleicht ist er ja aus freien Stücken dort geblieben und hat den Kontakt mit den Eltern abgebrochen.» Jaques habe auf ihn einen glücklichen Eindruck gemacht. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass er ein Problem mit den Franzosen hatte. Er äusserte sich nicht über Frankreich», sagt Hanspeter Jörg. Er könne sich dagegen gut vorstellen, dass er eine Frau kennengelernt hatte und darum wegging. «Er ist mir als zufriedenen, alten Mann in Erinnerung geblieben.»

Hanspeter Jörg räumt ein, dass er damals nicht alles verstanden hätte. «Ich war sehr jung und mein Französisch nicht perfekt», sagt Jörg. Er habe zwar gewusst, dass Jaques ein Schweizer war, gesprochen habe man aber französisch miteinander. «Vielleicht hatte er Schweizerdeutsch irgendwann verlernt.» Falls er bereits in jungen Jahren ausgewandert sei, wäre das gut möglich. «Wenn es tatsächlich dieser Jaques war, wanderte er 1915 aus, also etwa im Alter von 25.» Passen würde das.

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