Helikopter kreisen wieder

Thursicht

Rita Kohn
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Jetzt sind sie wieder überall zu sehen: Die Erstgixe mit ihren Leuchtwesten und die Kindergärtler mit dem orangenen «Chindsgistreife». Sie sind aber nicht die einzigen, die vor den Schulhäusern anzutreffen sind. Auch die Helikopter kreisen wieder. Gemeint sind damit jene überbehütenden Eltern, denen das Loslassen schwer fällt – und sei es nur für Stunden. Also wird der Nachwuchs nicht etwa auf den gefahrenvollen Schulweg geschickt. Dafür gibt es ja die komfortable Familienkutsche.

Elterntaxi nennt sich diese Art Schulweg. Bei den Thurgauer Schulbehörden ist das mittlerweile ein Reizthema. Unerwünscht seien diese Elterntaxis, erklärt etwa die Schulbehörde von Bischofszell. Und in Salmsach drohen Bussen. Dafür fehlt den Eltern jedes Verständnis. Der Parkplatz sei zu weit entfernt, monieren sie. Die 200 Meter wollen sie ihrem Kind nach dem anstrengenden Morgen in der Schule nicht zumuten. Also werden Halte- und Fahrverbote ignoriert, geparkt wird kurzerhand auf dem Pausenplatz.

Es liegt auf der Hand, dass die auf diese Weise um ihren Schulweg gebrachten Kinder einen der grossen Vorteile des Thurgaus nie erfahren: Die Möglichkeit, gemeinsam mit den Gspändli den Schul- oder Heimweg zu einer Entdeckungstour zu machen. Viele Kinder, ob nun auf dem Land oder in urbaner Umgebung erleben nämlich nicht nur gefährliche Strassen, Lärm und Hektik, sondern auch das, was den Kanton ausmacht: ein wenig Natur oder ein nettes Grüezi von Menschen, die in ihrem Garten werkeln.

Rita Kohn

rita.kohn@thurgauerzeitung.ch