Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Helfen statt das Handy zücken!

Ein Pflästerli reicht nicht, um Leben zu retten. Und einhändig geht es auch nicht. Kantonsrat Martin Stuber kniet auf dem Boden und hält seine beiden Hände übereinander. Mit ihnen drückt er im Sekundentakt auf den Brustkorb, der vor ihm liegt. «Tack, tack, tack...». 30 Stösse.
Silvan Meile
Kantonsrat Martin Stuber übt unter den Augen von Samariterlehrer Achim Holzmann und jenen von Amtskollege Peter Dransfeld (links) eine Herzmassage an der Übungspuppe. (Bild: Reto Martin)

Kantonsrat Martin Stuber übt unter den Augen von Samariterlehrer Achim Holzmann und jenen von Amtskollege Peter Dransfeld (links) eine Herzmassage an der Übungspuppe. (Bild: Reto Martin)

Ein Pflästerli reicht nicht, um Leben zu retten. Und einhändig geht es auch nicht. Kantonsrat Martin Stuber kniet auf dem Boden und hält seine beiden Hände übereinander. Mit ihnen drückt er im Sekundentakt auf den Brustkorb, der vor ihm liegt. «Tack, tack, tack...». 30 Stösse. Eine Herzmassage, um Blut aus dem Herz zu pressen und dadurch den Kreislauf wieder in Bewegung zu setzen. Dann hat Stuber eine kurze Verschnaufpause, während Amtskollege Peter Dransfeld tief Luft holt und sich vorbeugt, um mit der Beatmung weiterzufahren.

Mit Knochenjob Rippen brechen

Bei den Thurgauer Politikern ging es gestern ausnahmsweise einmal um Leben und Tod. In der Frauenfelder Konvikthalle war im Anschluss an die Grossratssitzung «Leben retten» traktandiert. Mehr als 30 Kantonsräte sind gekommen. Der kantonale Samariterverband hat zur Auffrischung des Wissens um die Erste Hilfe eingeladen.

Strenger als man denkt, sagt Stuber, sei eine Herzmassage. Einige Kantonsräte mussten die Krawatte lockern, damit ihnen nicht selber die Luft wegblieb, während sie die Puppen des Samaritervereins abwechslungsweise beatmeten und rhythmisch auf ihre Brustkörbe drückten. Eine Herzmassage ist ein richtiger Knochenjob. Und wer ihn richtig macht, bricht der Person, die wiederbelebt werden muss, ungeniert einige Rippen.

Üben bis zur Bewusstlosigkeit

«Das ist nicht schlimm, Knochen verheilen wieder», sagt Hedi Helg, Präsidentin des Thurgauer Samariterverbandes. Regelrecht überwältigt sei sie, wie aktiv die Politiker mitmachten, wird Helg zum Schluss der Veranstaltung sagen, wenn die Teilnehmer schon längst beim Apéro auf den Festbänken sitzen. Die Samariter wollten auf ihre heutige Arbeit aufmerksam machen. Nicht mehr alles ist gleich wie damals, als die heute graumelierten Kantonsräte ihren Samariterkurs machten, um zur Autoprüfung zugelassen zu werden. Auch bei den Lebensrettern habe eine Modernisierung stattgefunden, sagt Astrid Ziegler. Die CVP-Kantonsrätin ist auch als Samariterin aktiv. Vorbei sind die Zeiten, als die Teilnehmer von Samariterkursen fast bis zur Bewusstlosigkeit den Druckverband übten. Heute ist es wichtig, dass die Gesellschaft darauf sensibilisiert wird, rasch zu handeln, wenn eine Person Hilfe braucht.

«Nur wegschauen und weglaufen ist falsch», sagt Tanýa Bauer, Instruktorin im Thurgauer Samariterverband. Das ist aber nicht ganz alles. Heute gibt es auch jene, die nicht wegschauen, sondern als erstes an die Freunde auf Sozialen Medien denken und deshalb einen Unfall zu filmen beginnen. «Helfen statt Handy zücken», ist deshalb tatsächlich eine Ermahnung, die heutzutage der Jugend offensichtlich eingebläut werden muss.

Der Defibrillator hilft

Auch damit sich die Menschen getrauen, auf einer Unfallstelle zu handeln, finden die Kurse der Samariter statt. «Wir wollen Leben retten leicht machen», sagt Bauer. Auch wer kein Blut sehen kann, kann sich jederzeit nützlich machen. Schliesslich muss sofort die Sanität verständigt und die Unfallstelle gesichert werden.

Statt den Druckverband anzulegen, lernen heute die Kursteilnehmer zusätzlich zur Herzmassage einer Person mit Herzflimmern die Elektroden des Defibrillators anzuschliessen, um sie mit Stromstössen zurück ins Leben zu holen. «In einer hitzigen Grossratsdebatte könnte es schon sein, dass einer …», scherzt ein Kantonsrat, während einer seiner Amtskollege weiter die Herzmassage übt. «Tack, tack, tack.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.