Heissersehnte Abkühlung

Die Äschen brauchen kühleres Wasser. Die Kursschiffe brauchen mehr Wasser unterm Kiel. Die landwirtschaftlichen Kulturen brauchen Wasser und weniger Hitze. Ein richtiger Wetterumschwung würde manche Sorgenfalte glätten.

Gudrun Enders
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Die Insel Werd gewinnt an Land, das Ufer fällt zunehmend trocken. Im Hintergrund sind der Untersee und das Eschenzer Ufer zu sehen. (Bild: Gudrun Enders)

Die Insel Werd gewinnt an Land, das Ufer fällt zunehmend trocken. Im Hintergrund sind der Untersee und das Eschenzer Ufer zu sehen. (Bild: Gudrun Enders)

Seit Tagen werden Regen und Abkühlung heiss ersehnt. Am Donnerstag war das Rheinwasser über 24 Grad warm und überschritt damit den kritischen Wert für die Äschen. Was das heissen kann, zeigte der Hitzesommer 2003, der etwa 97 Prozent des national bedeutenden Äschenbestandes im Hochrhein auslöschte. Die Tiere halten aber zurzeit trotz fallenden Pegels und steigender Wassertemperatur noch durch.

«Wir beobachten nicht, dass Fische verstärkt sterben», sagt der Thurgauer Jagd- und Fischereiaufseher Roman Kistler. Das könnte laut Kistler auch daran liegen, dass es nachts doch etwas abkühle. Zudem hofft Kistler auf Regen und kühlere Temperaturen am Wochenende. «Es sieht so aus, als kommen die Äschen mit einem blauen Auge davon.»

Hoffnung auf zehn Zentimeter

Nach Regen sehnt sich auch die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh). «Wir hoffen, dass wir ab Montag wieder zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein fahren können», sagt Lukas Reimann als Leiter Betrieb. «Wir brauchen noch zehn Zentimeter mehr Wasser unterm Kiel, damit wir die ganze Strecke dauerhaft befahren können.» Zurzeit bewege sich der Pegel am absoluten Minimum. Die Weisse Flotte könnte theoretisch fahren. Doch das wäre rasch wieder vorbei, wenn der Pegel weiter fiele.

Hitze setzt den Kulturen zu

Auch die Landwirte hoffen auf ein Ende der Hitze und auf Regen. Kantonsrat und Landwirt Daniel Vetterli aus Rheinklingen kann und darf wie seine Kollegen die Kulturen weiterhin mit Rheinwasser beregnen. «Fällt der Pegel weiter, brauchte es noch drei Wochen, bis unsere Pumpen trockenfallen», sagt Vetterli. Sein Vater gehörte zu den drei Initianten, die 1985 eine grosse Pumpstation am Rhein bauten.

Inzwischen gibt es auf Gemeindegebiet von Wagenhausen zwei grosse Stationen mit jeweils drei Pumpen sowie eine kleinere Pumpe rheinabwärts. Insgesamt sieben Regenmaschinen können die Bauern dieser Gemeinde betreiben. Die Bewässerung verhindere das Schlimmste, sagt Daniel Vetterli. «Wir haben aber trotzdem Ertragseinbussen, denn die Hitze setzt den Kulturen zu.» Spezialkulturen wie Kartoffeln, Rüebli oder Gemüse seien auf gemässigtes Wetter angewiesen und kämen mit Temperaturen über 30 Grad nicht gut zurecht. Doch wenn es jetzt regnen und abkühlen würde, könnten etwa die Zuckerrüben ihren Rückstand noch ganz gut aufholen. Auch das Gras würde wieder wachsen. Vetterli setzt auf den Regen. Er hat deshalb die letzten Tage nicht bewässert.