HEIMWEH: Ohne Nüsslisalat im Dschungel

Vor über zehn Jahren wanderten Isabella und Hamish Haslop nach Australien aus. Kennen gelernt haben sie sich in Thailand. Mittlerweile führen sie eine Lodge am Rande eines Nationalparks.

Sabrina Bächi
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Hamish und Isabella Haslop-Höpli im Wohnzimmer von Isabellas Mutter in Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Hamish und Isabella Haslop-Höpli im Wohnzimmer von Isabellas Mutter in Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Sabrina Bächi

redaktion@thurgauerzeitung.ch

Leise und stetig pustet das Dampfgerät weissen Dunst aus. «Ich finde, hier ist es so trocken. Zu Hause haben wir bis zu 90 Prozent Luftfeuchtigkeit», sagt Isabella Haslop-Höpli. Mit «zu Hause» meint sie ihre Lodge im Australischen Dschungel, im Nordosten des Landes. Der Grund, warum es die 48-jährige Thurgauerin dorthin verschlagen hat, heisst Hamish, ist grossgewachsen und Vater ihrer zwei Kinder. Der Weg dorthin war kein einfacher und geprägt von einem Hin und Her, wie sie sagt, und vor allem von Zufällen begleitet.

Eine volle Disco brachte sie zusammen

Mit 20 Jahren wollte die gelernte Papeteristin mit einer Kollegin ihre erste grosse Reise antreten. «Griechenland, dachten wir, das wäre schön», sagt sie. Doch der Reiseberater wusste eine bessere Destination, um drei Wochen lang Aussergewöhnliches zu erleben: Thailand.

Dort angekommen, wollten die beiden jungen Frauen am Abend in eine Disco. Diese war jedoch brechend voll. Die Frauen stellten sich auf die Zehenspitzen und blickten über die Menge. Ausschau haltend nach einem Platz. Plötzlich sahen sie einen Mann, der ihnen zuwinkte. Er bot ihnen einen Platz an. So lernte Isabella Höpli ihren zukünftigen Mann Hamish Haslop kennen. Bald wurden die Adressen ausgetauscht und die Heimreise in die Schweiz angetreten.

Etwa ein Jahr später packte die Schweizerin erneut das Reisefieber. Diesmal wollte sie Neuseeland und Australien entdecken und reiste für vier Monate nach Down Under. Per Fax versuchte sie Hamish darüber zu informieren, dass sie nach Australien kommen würde. Doch der Hotelmanager hatte in der Zwischenzeit die Stelle gewechselt. Nur einer netten Mitarbeiterin des Hotels ist es zu verdanken, dass die Faxnachricht doch noch zu Hamish fand. «Tatsächlich haben wir uns in Australien getroffen und dort hat es dann gefunkt», sagt sie.

Sie schickte ihm viele Bilder

Wieder in der Schweiz angekommen, wollte sie den Kontakt zu Hamish nicht verlieren. Deshalb führte sie eine Faxbeziehung mit Hamish. «Weil ich nicht so gut Englisch konnte, schickte ich ihm viele Bilder und er schrieb mir viel.» Schliesslich kam Hamish auch in die Schweiz, um zu sehen, wie und wo sie wohnt. Gemeinsam entschieden sie dann, nach Australien zurückzukehren. «Die Idee war, dass wir ein Jahr gemeinsam durch Australien reisen – es wurden allerdings fast zwei Jahre daraus», sagt sie. Es sollte ein Test sein, ob es passt zwischen ihnen. «Natürlich waren meine Kollegen ziemlich skeptisch. Die dachten das wäre nur eine Ferienliebe.»

Mit einem Toyota Landcruiser ging es über Stock und Stein. Mit im Gepäck: Hund Chuck. «Weil wir Chuck dabei hatten, konnten wir nicht auf jedem Campingplatz übernachten. Das hatte auch Vorteile, wir haben sehr interessante Leute kennen gelernt», sagt Isabella Haslop. Die Reise sei das beste Erlebnis ihres Lebens gewesen. «Es war einfach und ungezwungen, das hat mir sehr gefallen.» Trotz allem, Isabella Haslop kriegte starkes Heimweh. Nach insgesamt dreieinhalb Jahren in Down Under kehrten Isabella und Hamish 1996 in den Thurgau zurück. Mit dabei: Hund Chuck.

In Gerlikon wurde noch im gleichen Jahr geheiratet. Das Paar machte sich mit einer Sales- und Marketingfirma Pacificdownunder selbstständig, mit der sie Tauchfirmen, Expeditionen oder Safaris an Reisemessen vertraten. Das Geschäft war sehr erfolgreich. 2001 bekamen sie ihre Tochter Janice. Im gleichen Jahr kauften sie sich die Mungumby Lodge in Australien, blieben aber in der Schweiz. Als 2004 Sohn Elliot zur Welt kam, entschieden sich die Haslops, der Kinder wegen nach Australien auszuwandern. «Wir wollen, dass unsere Kinder im Dschungel, in der einzigartigen Natur mit ihren vielen speziellen Tieren aufwachsen, das kann ihnen niemand mehr nehmen», begründet Isabella Haslop ihre Entscheidung zur Auswanderung. So zog die Familie Haslop 2005 zurück nach Australien. Nicht mit dabei: Hund Chuck. «Er war zu alt, deshalb konnten wir ihn nicht wieder zurück nehmen.» Das habe sie sehr geschmerzt. Obwohl sie nun wieder einen Hund haben, sei es nicht mehr dasselbe. «Chuck hat uns von Anfang an begleitet und er war ein toller Hund.» Sogar ­ die Mutter von Isabella Haslop kommt von der Küche ins Wohnzimmer, als sie hört, dass über Hund Chuck gesprochen wird und meint: «Er hat so gut gehorcht und verspielt war er auch, alle hatten ihn gern.»

Dieses Jahr war es das erste Mal seit zehn Jahren, dass ihre ganze Familie zurück in die Schweiz gekommen ist. Vier Wochen waren sie in Frauenfeld. «Die Kinder haben sich unheimlich auf den Schnee gefreut», sagt Haslop.

Aromat und Ittinger Bier fehlen in Australien

Australien ist ihr zweites Zuhause geworden. Ehemann Hamish ist kein Australier, sondern Neuseeländer. Ihre Lodge ist eine Art Schweizerstube mitten im Australischen Dschungel. Seine Frau sei für australischen Verhältnisse sehr pingelig und möge es ordentlich und sauber, erzählt Hamish Haslop. Er selbst liebt es aus den Betty-Bossi-Kochbüchern zu kochen und mit den leckeren Gerichten die Gäste zu verwöhnen. «Ich backe gerne das Bauernbrot oder die Kürbissuppe», sagt er. Obwohl er ein «Bushman» sei, vermisse er Nüsslisalat und das Ittinger Amber in Australien ganz besonders. «Ich vermisse Aromat», sagt Isabella Haslop.

Ob sie jemals wieder in die Schweiz zurückkommen oder nicht, lässt das Paar noch offen. «Ich vermisse meine Familie schon sehr stark, deshalb habe ich auch engen Kontakt zu ihnen, telefoniere viel.» Trotzdem möchten sie Australien nicht ganz verlassen. «Eine Kombination wäre toll», sagt sie und schaut ihren Mann lächelnd an. Er nickt und erwidert ihr Lächeln.