Heimatschutz geht auch mit Solarpanels

Bei Solaranlagen auf denkmalgeschützten Bauten ziehen die kantonale Denkmalpflege und die Abteilung Energie seit drei Jahren gemeinsam an einem Strang. Eine neue Fachkommission beider Amtsstellen lehnte nur ganz wenige Gesuche ab.

Mathias Frei
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Kaum abgelehnte Gesuche: Was Solaranlagen (im Bild: Panels in Hohentannen) betrifft, fand in den letzten Jahren ein Kulturwandel statt. Nur sieben Projekte stiessen seit 2009 auf Ablehnung. (Bild: Reto Martin)

Kaum abgelehnte Gesuche: Was Solaranlagen (im Bild: Panels in Hohentannen) betrifft, fand in den letzten Jahren ein Kulturwandel statt. Nur sieben Projekte stiessen seit 2009 auf Ablehnung. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Solarpanels auf historischen Bauten: Diese Kombination sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Kontroversen. Anliegen des Denkmal- und Ortsbildschutzes prallten auf zukunftsträchtige energiepolitische Aspekte. Vor rund drei Jahren veröffentlichten das Amt für Denkmalpflege und die Abteilung Energie des Kantons Thurgau deshalb gemeinsam den Leitfaden «Solaranlagen richtig gut».

Eine erste Zwischenbilanz präsentiert sich erfreulich. Solaranlagen würden sich mit dem Natur- und Heimatschutz gut vertragen, heisst es.

Nur 89 heikle Gesuche

Von August 2009 bis Ende 2012 behandelte die Abteilung Energie 2257 Fördergesuche für Solaranlagen. Gerade einmal 89 Gesuche erwiesen sich als heikel, weil sie Kulturobjekte von kantonaler oder nationaler Bedeutung betrafen. Deshalb wurden diese Projekte von einer zweiköpfigen Fachkommission der Denkmalpflege und der Energieförderung genauer unter die Lupe genommen. 67 dieser Gesuche, also 75 Prozent, hiess dieses Gremium gut.

Entscheidungskompetenz bei der Baubewilligung hat zwar weiterhin die entsprechende politische Gemeinde. «Wir erwarten jedoch, dass sich die Gemeindebehörden am Entscheid der Fachkommission orientieren», sagt Andrea Paoli, Leiter der Abteilung Energie. Es sei ihm jedenfalls kein Fall bekannt, bei dem der Kommissionsentscheid nicht umgesetzt worden sei. Lediglich sieben Gesuche lehnte die Kommission ab, bei 15 weiteren machte sie Vorschläge für Standorte auf anderen Gebäudeteilen.

Diese Zahlen würden zeigen, dass man immer Lösungen finde, auch bei geschützten Kulturobjekten, sagt Paoli. Er spricht von einem Kulturwandel in der öffentlichen Wahrnehmung von Solaranlagen. Stellvertretend dafür sieht er den in der Verwaltung von den zwei Ämtern gemeinsam initiierten Prozess, wenn es um die Beurteilung eines Gesuchs geht. Die Solaranlagen-Richtlinien würden beispielhaft und anhand sachlicher Kriterien dazu beitragen, relativ emotionslos entscheiden zu können, sagt Paoli.

Am besten unsichtbar

Die kantonale Denkmalpflegerin Beatrice Sendner verweist auf die nur knapp vier Prozent Gesuche, welche überhaupt der Beurteilung der Fachkommission bedürfen. Zudem finde man auch bei geschützten Objekten ganz häufig Lösungen, die einfach weniger plakativ seien. «Die beste Solaranlage in historischem Umfeld ist jene, die man nicht sieht», sagt Sendner. Dass die kantonale Denkmalpflege mit der Energieförderung zusammenarbeite, zeichne das Thurgauer Erfolgsmodell aus.

Gianni Christen, Geschäftsstellenleiter des Thurgauer Heimatschutzes, unterstützt das gemeinsame Anliegen. Einerseits stelle historische Bausubstanz einen grossen Wert dar. Andererseits müsse die Solartechnologie weiter gefördert werden. Wenn es um die Notwendigkeit einer Anlage gehe, sei das stets ein Abwägen. Auch für ihn spielen wenig oder unsichtbare Anlagen eine grosse Rolle.