Heimatschützer bedauern Entscheid

Im Appenzellerland freuen sich die Baudirektoren über den klaren Ständeratsentscheid zur Standesinitiative «Bauen ausserhalb der Bauzone». Die Heimatschützer fürchten einen Qualitätsverlust in der Streusiedlung.

Johannes Wey
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HERISAU/APPENZELL. Im Ausserrhoder Baudepartement löste der gestrige Ständeratsentscheid zur Standesinitiative «Bauen ausserhalb der Bauzone» (siehe oben) Freude aus: «Wir haben auf diesen Entscheid gehofft», sagt Baudirektor Jakob Brunnschweiler auf Anfrage. «Es erleichtert Lösungen für unsere extreme Streusiedlungsproblematik.» Der Regierungsrat meint damit den hohen Anteil von Bauten ausserhalb der Bauzone – in Appenzell Ausserrhoden sind dies 44 Prozent aller Gebäude. Mit der neuen Regelung werde die Umnutzung dieser Gebäude vereinfacht. Brunnschweiler betont, dass die Streusiedlung mit diesem Entscheid nicht beliebig erweitert werden könne. «Die Häuser bestehen schliesslich bereits. Doch die Gesetzesrevision wird es erlauben, diese Gebäude besser zu pflegen.» Seiner Meinung nach wird der Standort Ausserrhoden davon profitieren.

«Streusiedlung wird gestärkt»

Auch in Appenzell Innerrhoden hat man die Nachricht aus Bern positiv aufgenommen. «Wir sind sehr erfreut über diesen Entscheid», sagt Bauherr Stefan Sutter und versichert, dass man bei der Bewilligung von Ersatzbauten Augenmass anwenden werde. «Durch den Entscheid wird die Streusiedlung gestärkt, die in vielen Teilen der Schweiz eine althergebrachte Lebensform darstellt.»

Nicht erfreut über den Entscheid ist der Heimatschutz Appenzell Ausserrhoden: «Ich bedauere das ausserordentlich», sagt Obmann Heinz Naef. Auch wenn das Bauvolumen gleich bleibe, erhalte die Streusiedlung durch die Ersatzbauten ein völlig anderes Gesicht. «Aus meiner Sicht bedeutet dies einen Qualitätsverlust», so Naef. Er hoffe aber darauf, dass das Ausserrhoder Planungsamt seine strengen Leitlinien weiterhin anwenden könne. Naef attestiert dem Amt eine «gute Praxis», befürchtet aber, dass es seitens der Politik unter Druck gesetzt werden könnte.

Konsequenzen nicht absehbar

Auch Andreas Jung, Präsident des Heimatschutzes St. Gallen/Appenzell Innerrhoden, hat Bedenken. «Um es provokativ zu formulieren: Anscheinend will Bundesbern eine erweiterte Bauzone in der Landwirtschaftszone.» Angesichts des klaren Entscheides müsse man diesen zur Kenntnis nehmen. «Die Zukunft wird weisen, ob der Ständerat klug gehandelt hat. Die Konsequenzen sind noch nicht absehbar.» Jung spricht von einem «Rattenschwanz», den die Neuregelung hinter sich her ziehen könne. Als Beispiele nennt er Mehrkosten für die Infrastruktur oder Konflikte zwischen Hausbesitzern und der Landwirtschaft – etwa dann, wenn Zugezogene das Kuhglockengeläut oder den Güllegeruch nicht mehr ertragen.