Heidi soll die Touristen verführen

Noch besteht die neue Erlebniswelt am Flumserberg nur auf dem Papier. Der touristische Ausbau ist aber breit abgestützt und der Weg für Investoren vorbereitet. 2017 könnte mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Christoph Zweili
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Auf diesem Hügel auf der Molseralp soll ein Dutzend Heidi-Erlebnishäuser entstehen – die bestehenden Alpbetriebe werden integriert. (Bild: pd)

Auf diesem Hügel auf der Molseralp soll ein Dutzend Heidi-Erlebnishäuser entstehen – die bestehenden Alpbetriebe werden integriert. (Bild: pd)

FLUMSERBERG. Klar, dass im Heidiland ein «Heidi» her muss, wenn es darum geht, einen neuen Traum zu verkaufen, der das alte Tourismusbild ablösen soll. «Heidi» heisst eigentlich «Eva». Im roten Kleidchen mimt sie im Hotel Cristal die unschuldige Romanfigur. Auch in der neuen Heidi-Erlebniswelt am Flumserberg sollen Schauspieler nicht nur japanischen Touristen ab 2019 für einen Tag die Welt mit Heidis Augen zeigen.

Projektentwickler Otto Steiner schwärmt von einem grossen Eingangstor, von einem Heukino mit Heidifilmen, «einem Abbild der Gesellschaft», von der blinden Welt der Grossmutter, vom einsiedlerischen Alpöhi, dem liebenswerten Geissenpeter und dem «bösen Frankfurt mit den bedrohlichen Häusern», die Heidi in Johanna Spyris Roman so Angst machten. Diese Welt will er auf der Molseralp neu inszenieren. «Wir wollen Leute berühren und verführen, heranführen an die Geschichte, eintauchen lassen.» Die Steiner Sarnen AG hat schon vielen solcher Erlebniswelten Leben eingehaucht, in Zermatt, in Südtirol, in Wien – und Otto Steiner glaubt, dass es auch am Flumserberg funktionieren kann. Und jährlich bis zu 300 000 Besucher bringt.

Molseralp weiterentwickeln

In der Intensiv-Erholungszone in der Nähe der Talstation der Maschgenkammbahn soll diese Erlebniswelt entstehen. Vorläufig gibt es erst Skizzen von dem Dutzend Themenhäuser auf dem «Hundshügel» auf der Molseralp. Jedes wird rund eine Million Franken kosten. Der Boden gehört der Alpkorporation Mols, deren Bürger am Montag über die Projektpläne informiert wurden. Die mit Nachwuchsproblemen kämpfenden Alpbetriebe werden ins Konzept eingebunden, was neue Perspektiven eröffnet. «Ich hatte mit Widerstand gerechnet», sagt Verwaltungsratspräsident Markus Hug. «Stattdessen habe ich gespürt, die Landwirtschaft will den neuen Weg gehen.» Steiner findet die Botschaft interessant: «Es gab Korporationsmitglieder, die sagten, wir wollen das Investment selber machen, weil das hilft, den Flumserberg neu zu positionieren, und unsere Zukunft sichert.» Wer den touristischen Ausbau am Flumserberg dereinst finanziert, ist heute noch weitgehend offen. Geplant sind auch zwei neue Hotels mit rund 180 Zimmern und angrenzender Parkgarage mit rund 400 Parkplätzen. «Die genannten 100 Millionen Franken Investitionsvolumen sind nur ein Platzhalter», sagte gestern Peter Kuratli, Leiter Amt für Wirtschaft und Arbeit im Kanton St. Gallen, vor den Medien. «Wir rechnen aber mit einem dreistelligen Millionenbetrag.»

Bergbahnen am konkretesten

Am weitesten fortgeschritten mit ihrer Planung sind die Bergbahnen Flumserberg. Sie haben in den letzten Jahren 20 Millionen Franken in die Gebietserweiterung Panüöl investiert. «Wir glauben an einen touristischen Flumserberg», sagt Heinrich Michel, Vorsitzender der Geschäftsleitung. 85 Prozent des Umsatzes würden zwar noch immer im Winter erwirtschaftet, «dank Rodelbahn und Kletterturm haben wir in den letzten Jahren das Sommergeschäft aber verdoppelt».

Der Zubringer vom Tannenboden auf den Maschgenkamm ist in die Jahre gekommen. Im Sommer 2018 soll nun eine neue Zehner-Gondelbahn die heutige Vierer-Gondelbahn sowie die Vierer-Sesselbahn Chrüz ersetzen und stündlich bis zu 4000 Gäste auf den Berg befördern. Das Patchwork-Betriebsgebäude wird saniert und zum Aufenthalts- und Treffpunkt ausgebaut. Gesamthaft resultieren Kosten von 25 Millionen Franken. Der Kanton St. Gallen hat den Prozess am Flumserberg moderiert und sich während zweier Jahre am Entwicklungskonzept beteiligt. «Allfällige Finanzierungslücken» liessen sich über das Impulsprogramm des Bundes zur Neuen Regionalpolitik decken. «Das Ziel ist aber die Eigenwirtschaftlichkeit», sagt Kuratli. Bis Ende Jahr wird nun ein Investorenwettbewerb ausgeschrieben, ab dem Jahr 2017 könnten die Bauarbeiten beginnen. Wenn bis dahin Geldgeber gefunden worden sind.