Hehre Ziele, aber keine Zeit

Der Jugendkulturpreis wurde in diesem Jahr nur in einer Kategorie verliehen. Eine neues Konzept sollte die Chancengleichheit verbessern. Den damit verbundenen Mehraufwand kann der Vorstand jedoch nicht mehr tragen.

Elisabeth Reisp
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Steht auf der Kippe: Wie es mit dem Jugendkulturpreis weitergehen soll, ist ungewiss. (Archivbild: Stefan Schaufelberger)

Steht auf der Kippe: Wie es mit dem Jugendkulturpreis weitergehen soll, ist ungewiss. (Archivbild: Stefan Schaufelberger)

FRAUENFELD. Der Verein Jugendkulturpreis hat sich viel vorgenommen. Wie sich herausgestellt hat, zu viel. Der Vereinsvorstand hat den Wettbewerb dieses Jahr nur in einer von neun Sparten durchgeführt. Unter anderem berufliche Veränderungen bei einzelnen Vorstandsmitgliedern liessen es zeitlich nicht zu, alle Preise zu verleihen, sagt Präsidentin Jael Mühlemann.

Preis nur alle zwei Jahre

Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen. Bis anhin gab es für jede Kategorie eine Qualifikationsrunde. Die Finalisten der Bühnenkünste traten in einem grossen Final gegeneinander an.

Dieses System schaffte nicht die gleichen Voraussetzungen für alle Teilnehmer. In diesem Jahr sollte deshalb alles anders werden. Der Vereinsvorstand hat ein neues Konzept erarbeitet; die Kategorien haben eine eigene Qualifikationsrunde und einen eigenen Final. Einige Sparten haben nur einen Endanlass.

Teilnehmer nicht enttäuschen

Dies bedeutet aber Mehraufwand für die Organisatoren, da vier zusätzliche Veranstaltungen anfallen. Bereits im Mai nach der ersten Qualifikationsrunde, derjenigen der Solosänger, haben die Veranstalter gemerkt, dass sie keine Zeit mehr haben. Den Final für die Solosänger am 2. November haben sie noch durchgeführt, um die Teilnehmer nicht zu enttäuschen. Für die anderen vier Kategorien fand nicht einmal eine Vorrunde statt.

Das war's mit dem Jugendkulturpreis 2012/13? Noch-Präsidentin Jael Mühlemann will den Wettbewerb für diesen Lauf noch nicht aufgeben. «Die ganze Planungsarbeit ist gemacht. Wir brauchen nur Leute, welche die Anlässe durchführen.»

Die Veranstalter hoffen, Nachfolger zu finden. Dann könnten die restlichen Wettbewerbe des diesjährigen Jugendkulturpreises doch noch durchgeführt werden.

Geld gibt's nicht mehr einfach so

Ein weiterer Grund für das Nichtzustandekommen waren die dazugekommenen Auflagen der Stadt. Mit dem neuen Stadtrat Ruedi Huber weht ein neuer Wind. Der Stadtrat ist seit 16 Monaten im Amt. Mit dem Jugendkulturpreis hat er sich jetzt zum erstenmal auseinandersetzen müssen. Die Stadt zahlt pro Durchführung des Preises 22 000 Franken. Huber forderte deshalb eine Leistungsvereinbarung.

Jael Mühlemann findet eine Vereinbarung sinnvoll. Der Zeitpunkt für die Erstellung eines Konzeptes sei jedoch sehr ungelegen gekommen. Der ganze administrative Aufwand habe die Planung verzögert. Dies habe die Durchführung verzögert.

Nicht Aufgabe der Stadt

Das Thema Jugendkulturpreis war auch an der letzten Gemeinderatssitzung ein Thema. Gemeinderat Christoph Keller nutzte die Fragestunde, um nach dem weiteren Vorgehen des stockenden Wettbewerbs zu fragen. Und ob die Stadt die Institution nicht noch mehr stärken sollte. Der Stadtrat sieht aber keinen Handlungsbedarf von seiner Seite.

Die Stadt unterstütze den Preis mit finanziellen und personellen Ressourcen – gemeint ist der Jugendarbeiter –, sagte Stadtrat Ruedi Huber. Es sei nicht Aufgabe der Stadt, den Wettbewerb durchzuführen. Der Preis soll von Jungen für Junge sein.

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