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Heftiger Widerstand gegen Poststellen-Schliessungen

FRAUENFELD. Zwei von drei Poststellen sind im Kanton Thurgau seit 2001 verschwunden. Jetzt regt sich Widerstand. Der Leiter des Amts für Öffentlichen Verkehr und Tourismus spricht von einem "Kahlschlag" und empfiehlt den Gemeinden, sich gegen Schliessungen zu wehren.
Der Kanton Thurgau muss immer wieder einen Abbau von postalischen Dienstleistungen verkraften. (Bild: Reto Martin)

Der Kanton Thurgau muss immer wieder einen Abbau von postalischen Dienstleistungen verkraften. (Bild: Reto Martin)

Amtsleiter Werner Müller fand letzte Woche im Mitteilungsblatt "direkt" der Thurgauer Gemeinden deutliche Worte: "Ganze Regionen im Thurgau − wie der Seerücken, das Gebiet südlich der Thur und der Hinterthurgau − verkommen zu postalischem Ödland." Seit 2001 wurden im Thurgau laut Müller 92 der 132 Poststellen geschlossen.

Beschränktes Angebot
Teilweise wurden die Poststellen durch Agenturen ersetzt. Diese seien aber "nicht das Gelbe vom Ei", bemängelt der Kanton. Agenturen in Volg-Läden und Gemeindeverwaltungen hätten zwar längere Öffnungszeiten, aber nur ein beschränktes Angebot. So können zum Beispiel keine Bareinzahlungen gemacht werden.

Eine weitere Alternative zur Poststelle, der Haus-Service, könne für ältere Menschen von Vorteil sein, bringe aber dem Grossteil der übrigen Bevölkerung keinen Nutzen, schreibt Müller. In Tat und Wahrheit gehe es "um den Abbau des Service public".

Weitere Poststellen auf "Abschussliste"
Der Leiter des Amts für Öffentlichen Verkehr und Tourismus befürchtet, dass dieser weitergeht: Auf der "Abschussliste" stünden derzeit Poststellen in Altnau, Dussnang, Erlen, Eschenz, Freidorf, Pfyn, Uttwil und Wigoltingen, sagte Müller der Nachrichtenagentur sda.

Nicht nur kleine Landpoststellen seien betroffen, sondern Poststellen "in zentralen Orten in Entwicklungsräumen und im ländlichen Raum". Das Departement für Inneres und Volkswirtschaft empfiehlt den Gemeinden, sich bei der unabhängigen Regulierungsbehörde PostCom zu wehren. Mehrere Gemeinden haben dies bereits getan. Das Departement will bei der nächsten Aussprache mit der Post einen Marschhalt beim Abbau und mehr Transparenz fordern. Der Thurgauer Nationalrat Christian Lohr hat eine Interpellation "Kahlschlag bei Poststellen" eingereicht und Fragen zur unterschiedlichen Betroffenheit der Kantone gestellt.

Rückläufige Nachfrage
Die Post gibt keine Zahlen zu Poststellen und Schliessungen nach Kantonen bekannt, wie Mediensprecherin Nathalie Dérobert auf Anfrage erklärte. Schweizweit gebe es heute 3500 "Zugangspunkte". Die Nachfrage der Postkunden sei rückläufig, vor allem bei der Briefpost, aber auch bei den Paketen und den Einzahlungen.

Die postalische Grundversorgung stehe nicht zur Disposition, sagte Dérobert. Im übrigen besitze kein anderes Land in Europa ein so dichtes Poststellennetz wie die Schweiz.

Abbau auf dem Land
Detaillierte Zahlen besitzt der Schweizerische Verein der Poststempelsammler, der eine Poststellenchronik seit 1849 führt. Laut dieser Quelle hat die Post in den Kantonen Thurgau und beiden Appenzell seit 2001 rund zwei Drittel der Poststellen geschlossen. Im Bergkanton Graubünden sind sogar drei Viertel der Poststellen verschwunden.

Weniger stark betroffen ist St.Gallen, wo seit 2001 gut die Hälfte der 179 Poststellen geschlossen und dafür 44 Agenturen eingerichtet wurden. Schweizweit hat die Post im gleichen Zeitraum rund 1800 Poststellen geschlossen, das sind 55 Prozent. (sda)

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