HEFENHOFEN: Über 200 Tiere weggebracht

Kantonstierarzt Paul Witzig koordinierte gestern den Abtransport der Tiere vom Hof Ulrich Kesselrings. Ein Hufschmied-Stabsadjutant und vier Rekruten des Kompetenzzentrums für Armeetiere unterstützten die Aktion.

Manuel Nagel
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Während Arbeiter Heu für die Pferde herankarren, sichern Polizeibeamte das Hofgelände. (Bild: Manuel Nagel)

Während Arbeiter Heu für die Pferde herankarren, sichern Polizeibeamte das Hofgelände. (Bild: Manuel Nagel)

Manuel Nagel

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@thurgauerzeitung.ch

In grünen Gummistiefeln stapft Kantonsveterinär Paul Witzig über die Strasse, die am Abend zuvor noch komplett gesperrt war. Nun, am frühen Dienstagmorgen kurz vor sieben Uhr, ist der Hof von Ulrich Kesselring immer noch umzäunt und nicht einsehbar.

«Ich bin persönlich ja längere Zeit nicht mehr auf dem Betrieb gewesen», wird Paul Witzig am späteren Nachmittag an der Medienorientierungen sagen. Wann er das letzte Mal dort war, möchte er jedoch nicht preisgeben, respektive wird die Frage von Bettina Kunz, der Medienbeauftragten des Kantons, rigoros abgeklemmt. Herr Witzig gebe nur Auskunft zum heutigen Tag.

Schon bei seiner Ankunft um halb acht wird er von einer jungen Frau mit Tränen in den Augen abgefangen. Sie hat eine Stute mit einem fünf Monate alten Fohlen bei Kesselring untergebracht, erzählt sie nach dem Gespräch mit Witzig. Verzweifelt versucht sie kurzfristig geforderte Papiere aufzutreiben, die beweisen, dass sie die Besitzerin des Pferdes ist. Diese seien doch «bim Ueli», meint sie, führt ein Telefonat und fährt dann aufgeregt weg.

Danach kann Witzig mit der Arbeit beginnen – dem Abtransport der Tiere. Rund 50 Stück Rindvieh werden zuerst weggebracht. Anschliessend verlassen 25 Schafe den Hof, «alle in einem sehr schlechten Klauenzustand», wie Witzig später in die Mikrofone sagt. Um elf Uhr sind 80 Schweine an der Reihe – alles Tiere, die irgendein Problem gehabt hätten. Fünf Lamas werden über Mittag zu einem Betrieb gebracht, der spezialisiert sei auf solche Tiere.

Ein Kalb und zwei Säue eingeschläfert

Um ein Uhr beginnt der Abtransport der Pferde. Vier Militärpferdetransporter und drei private Lastzüge stehen bereit, um die rund 90 Pferde ins Kompetenzzentrum der Armee nach Bern zu bringen. Dabei sei vor allem der Verlad der jungen Tiere mühsam gewesen, da sich diese teilweise gewehrt hätten. «Es hat sehr viele Pferde, die einen sehr schlechten Hufzustand haben», sagt Paul Witzig. «Zur Freude der anwesenden vier Hufschmiedrekruten, die das nicht jeden Tag sehen.» Diese würden einen Haufen Arbeit haben und dies auch kompetent korrigieren, ist Witzig überzeugt. Unter den Pferden habe es zwar auch magere Tiere gehabt, doch man habe kein akutes Tierleid gesehen, sagt Witzig. Von den über 200 Hoftieren habe man ein Kalb, je zwei Säue und Hühner einschläfern müssen, verrät der Kantonstierarzt.

Auch elf Stuten mit Fohlen, die in diesem Jahr geboren wurden und noch bei den Müttern saugen würden, werden gegen Ende verladen. Die Stute der jungen Frau ist jedoch nicht dabei. «Wir haben das Pferd gesucht, haben es jedoch nicht gefunden», sagt Witzig. Dem werde man jetzt noch nachgehen.