«Hausi hat mir heute morgen eine Kuh geschenkt»

100. Kranz für den Thurgauer Schwinger Stefan Burkhalter

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Andere Schwinger in seinem Alter sind schon lange in Pension. Doch Stefan Burkhalter (43), Landwirt aus Homburg und Teilzeit-Bodyguard von Hausi Leutenegger, denkt nicht ans Aufhören. Wie er gern abtreten würde, weiss er dennoch.

Stefan Burkhalter, am 1. Mai 1994 haben Sie Ihren ersten Kranz gewonnen. Erinnern Sie sich?

Das war eine Geschichte.

Erzählen Sie.

Ich musste am gleichen Abend noch in die Grenadier-Rekrutenschule einrücken. Eine Stunde zu spät war ich sowieso schon. Da stand ich also da, mit meinem gewonnenen Kranz auf dem Kopf und der Kuhglocke in der Hand. Der Kadi, ein Welscher, verstand wohl nichts vom Schwingen – lustig fand er es jedenfalls nicht (lacht). Der wollte mich sogar «id Chischtä» stecken.

Hat er das?

Nein. Mit Worten und Gesten habe ich es in einer Stunde irgendwie geschafft, das Ganze zu erklären. Er hat mich dann nur zu einer Strafaufgabe verdonnert.

Sie sind 43 Jahre alt und haben 100 Kränze gewonnen. Ist es nicht langsam an der Zeit, aufzuhören?

Wir sind mitten in der Saison, Aufhören macht jetzt keinen Sinn.

Denken Sie nicht manchmal: Ich bin doch zu alt, meinen Körper so zu schinden?

Die Zweifel habe ich schon ab und zu. Aber solange ich Freude am Sport habe, höre ich auch nicht auf. Und Freude empfindet, wer Erfolg hat. Und den hast du, wenn du trainierst.

Talent gibt es nicht im Schwingsport?

Gibt es schon. Ich gehöre aber nicht zu denjenigen, die Talent haben. Ich habe mir alles mit Biss erarbeitet.

Hat Ihr Sohn Talent?

Ja, Thomas ist talentiert. Zudem hat er super Voraussetzungen: Erst 14 Jahre alt, 179 Zentimeter gross und hat Schuhgrösse 47.

Will er Schwinger werden?

Ich zwinge ihn zu nichts. Das soll er selber entscheiden. Nächstes Jahr darf er bei den Männern antreten. Wenn er sich fürs Eidgenössische 2019 in Zug qualifiziert, könnten wir zusammen in die Arena einlaufen. Das wäre für mich das Grösste.

Ein Grund, abzutreten?

Ja, dann würde ich aufhören.

Hat Ihnen Hausi Leutengger eigentlich schon gratuliert?

Der hat mich soeben angerufen, gratuliert und mir eine Kuh versprochen.

Eine Kuh?

Das ist nicht das erste Mal. Ich habe rund sechs Kühe im Stall, die mir Hausi geschenkt hat. Er sagte, ich solle mir die beste aussuchen. Und die Rechnung an ihn schicken. (don)