Hausbesuch bei Psychischkranken

Die freiberuflichen Psychiatriepflegefachleute im Kanton Thurgau sind unzufrieden mit der Umsetzung der neuen Pflegefinanzierung per Anfang dieses Jahres. Der administrative Aufwand sei zu hoch, die Wertschätzung ihrer Arbeit zu gering.

Brenda Zuckschwerdt
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Depressive Menschen im Thurgau können das Angebot der freischaffenden Psychiatriepflegefachpersonen in Anspruch nehmen. (Bild: ky)

Depressive Menschen im Thurgau können das Angebot der freischaffenden Psychiatriepflegefachpersonen in Anspruch nehmen. (Bild: ky)

Seit zehn Jahren arbeitet Olivia Hasler aus Oberbussnang als freiberufliche Psychiatriepflegefachfrau. Sie war eine der ersten im Kanton, die den Beruf freischaffend ausübte. «Von Anfang an bestand eine riesige Nachfrage nach der Betreuung von psychisch kranken Menschen zu hause», sagt sie. Betreut werden Menschen mit unterschiedlichsten Erkrankungen, von Schizophrenie über Depressionen bis zu Angsterkrankungen. «Unser Wirkungskreis ist einfach riesig.»

Viele dieser Menschen seien vereinsamt und nicht mehr in der Lage, ihr Leben eigenständig zu führen. Psychiatriepflegefachleute bauen Vertrauen zu ihnen auf, helfen ihnen, am Leben teilzunehmen, stellen Kontakte zu Ämtern her. Die psychisch erkrankten Menschen lernen, ihr Leben wieder mehr oder weniger selbständig zu bewältigen, Klinikeintritte können dadurch minimiert werden, was wiederum die Kosten senkt.

250 Psychischkranke betreut

Seit 1996 ist es Psychiatriepflegefachleuten im Thurgau möglich, freischaffend zu arbeiten. Rund 20 Fachleute tun dies und betreuen ungefähr 250 Menschen, eine Tariferhöhung gab es in diesen 15 Jahren nie. Mit Inkrafttreten der neuen Pflegefinanzierung habe man gehofft, mehr verdienen zu können, stattdessen werde es weniger. Denn seit dem 1. Januar herrsche ein riesiges Chaos. «Die Auflagen des Kantons Thurgau und der Gemeinden sind nicht geeignet für die ambulante Psychiatriepflege», sagt Olivia Hasler. Konnten die erbrachten Leistungen früher direkt den Krankenkassen verrechnet werden, müssen heute drei Rechnungen ausgestellt werden. Eine für den Klienten, dessen Anteil pro Tag nicht mehr als 15.95 Franken betragen darf, eine an die Krankenkasse und die dritte an die Gemeinde, die einen Teil übernimmt.

Damit sei der administrative Aufwand viel höher geworden. Durch die Rechnungstellung an die Gemeinden sei zudem gerade in kleineren Dörfern, wo jeder jeden kennt, der Datenschutz nicht mehr gewährleistet.

Unzufrieden mit Software

Auch die für eine Betreuung zu hause notwendige Bedarfsabklärung liegt den Fachleuten schwer auf dem Magen. Seit dem 1. Januar verlangen Kanton und Gemeinden diese in einer anderen Software, die es bis vor kurzem aber noch gar nicht gab. Sie sei nicht brauchbar und erst noch teuer, wehren sich die Psychiatriepflegefachleute.

«Wir brauchen dieses Programm überhaupt nicht», sagt auch Claire Brun aus Sirnach, die im Südthurgau freischaffend tätig ist. Ein Schreiben an Regierungsrat Bernhard Koch blieb erfolglos, die Regierung will daran festhalten. «Für uns ist das eine grosse Herausforderung. Wir werden gegenüber der somatischen Spitex klar benachteiligt», so Claire Brun.

Vapp Thurgau: Katja Engler, Trix Gähler, Mila Fuentes (vorne, v. l.), Urs Greminger, Silvia Künzler, Olivia Hasler, Claire Brun (hinten, v. l.). (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

Vapp Thurgau: Katja Engler, Trix Gähler, Mila Fuentes (vorne, v. l.), Urs Greminger, Silvia Künzler, Olivia Hasler, Claire Brun (hinten, v. l.). (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

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