Hauptsorge gilt dem starken Franken

Die 60. Gottlieber Tagung der FDP Thurgau stand im Zeichen der Wirtschaftskrise. Wenn es Europa nicht schaffe, das Griechenland-Problem zu lösen, habe auch die Schweiz ein Problem, sagte Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch.

Brenda Zuckschwerdt
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Rudolf Minsch (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

Rudolf Minsch (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

GOTTLIEBEN. Er habe ein mulmiges Gefühl, wie die Welt in vier Jahren aussehe. Das sagte Regierungspräsident Kaspar Schläpfer an der traditionellen Gottlieber Tagung zu den knapp 60 erschienenen Mitgliedern seiner FDP. In den letzten vier Jahren habe es weltweit so viele Krisen gegeben wie kaum je, von der Rohstoffkrise über die Banken- und Finanzkrise bis hin zum EU-Debakel. Doch die Schweiz habe sie alle schnell und gut überstanden und sei noch wettbewerbsfähiger geworden.

Der Thurgau stehe dabei etwas besser da als der Durchschnitt der Schweiz, sagte Schläpfer. Trotz der globalen Schwierigkeiten habe der Thurgau vier gute Jahre gehabt, konnte ein Nettovermögen von rund 300 Millionen Franken ansammeln. Grosser Pluspunkt des Kantons seien die vielen KMU-Betriebe. Doch die Thurgauer Wirtschaft sei stark exportorientiert. Deshalb werde die aktuelle Frankenstärke in den nächsten vier Jahren ein grosses Problem darstellen.

In ihrer Existenz bedroht

Zwar hätten sich die Exporte in der Schweiz trotz der Frankenstärke bisher gut gehalten, sagte Rudolf Minsch, Chefökonom und Leiter allgemeine Wirtschaftspolitik bei Economiesuisse. Seit September sei aber ein deutlicher Einbruch zu verzeichnen. Eine Umfrage, die die Economiesuisse im August unter ihren Mitgliedern durchführte, machte deutlich, dass sich ein Fünftel aller Betriebe in ihrer Existenz bedroht fühlen. Dabei sei die Frankenstärke nicht nur für reine Exportbetriebe ein Problem, sondern auch für Zulieferfirmen. Deshalb überprüften immer mehr Betriebe den Standort Schweiz. Das sei problematisch. Nicht nur wegen des damit verbundenen Abbaus von Arbeitsplätzen. «Das Hauptproblem ist der fehlende Aufbau von Arbeitsplätzen in der Schweiz», sagte Minsch.

Subventionen tabu

Die Notenbank habe zwar mit dem Mindestkurs von 1.20 das Schlimmste verhindert, sagte der Economiesuisse-Chefökonom. Viele Exportunternehmen hätten aber keine Marge mehr. Sie bräuchten nun ideale Rahmenbedingungen, um sich wieder aufzurappeln. Wichtig sei deshalb eine aktive Aussenwirtschaftspolitik. Die Schweiz dürfe aber auf keinen Fall Industriepolitik betreiben. Subventionen müssten tabu sein, die Flexibilität des Arbeitsmarktes dürfe nicht eingeschränkt werden.

Die Schuldenkrise in der EU habe die europäische Währungsunion endgültig ins Wanken gebracht. Den Europäern bleibe nun nichts anderes übrig, als Griechenland einen Teil seiner Schulden zu erlassen. «Nur so hat Griechenland eine Chance, aus dem Dilemma herauszukommen.» Er hoffe, Europa schaffe es, das Problem zu lösen. «Sonst haben wir auch in der Schweiz ein Problem.»