Harte Zeiten für die Spitex

Die Spitex-Organisationen im Kanton Thurgau werden nicht darum herumkommen, sich in naher Zukunft zu grösseren Gebilden zusammenzuschliessen. Das ist mitunter eine Folge der neuen Pflegefinanzierung.

Marina Winder
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Den Eintritt in ein Heim zögern immer mehr Menschen möglichst lange hinaus. Die Spitex macht's möglich. (Archivbild: Urs Jaudas)

Den Eintritt in ein Heim zögern immer mehr Menschen möglichst lange hinaus. Die Spitex macht's möglich. (Archivbild: Urs Jaudas)

Frauenfeld. Nicht nur im Thurgau stehen die Spitex-Organisationen vor einschneidenden Veränderungen. Der Kanton Schaffhausen beispielsweise hat kurzen Prozess gemacht. Wegen der laufend steigenden Anforderungen entschied sich der Schaffhauser Regierungsrat, die Spitex kurzerhand in nunmehr fünf Versorgungsregionen zusammenzulegen. Ziel des Eingriffs: Bessere Voraussetzungen dafür, dass die pflegebedürftigen Menschen länger zu Hause bleiben können.

Das wiederum soll einen weiteren Ausbau der Heime vermeiden – trotz wachsendem Anteil der betagten Bevölkerung.

Die neue, von oben befohlene Organisation führte vor allem in den schaffhausischen Landgemeinden zu einer umfassenden Reorganisation. Die betroffenen Spitex-Gemeinden wurden verpflichtet, für jede Region eine verantwortliche Organisation zu bezeichnen. Am 1. Januar haben die neuen Spitex-Regionen ihre Arbeit aufgenommen.

Ambulant vor stationär

Im Thurgau ist man noch nicht so weit. Ein ähnliches Schicksal zeichnet sich aber ab: Zusammenschlüsse werden in naher Zukunft wohl kaum zu vermeiden sein. Die Anforderungen an die Spitex-Organisationen nehmen laufend zu, der finanzielle Druck wird immer grösser. Das hat verschiedene Gründe: Immer mehr alte Menschen wollen so lange wie möglich zu Hause bleiben. Gleichzeitig wollen die Spitäler ihre Patienten so schnell wie möglich wieder draussen haben.

Der Leitsatz «ambulant vor stationär» macht die Spitex zwar zu einem unverzichtbaren Dienstleistungspartner, setzt sie aber auch sondergleichen unter Druck. Denn erst mit einer gewissen betriebswirtschaftlichen Grösse können die erhöhten Anforderungen an Pflege, Qualität, Finanzen, Personal und Führung gemeistert werden. «Die Leiterinnen der Spitex-Vereine, meist Krankenschwestern, müssen zu professionellen Managerinnen werden», beschreibt eine Insiderin die anstehenden Herausforderungen.

Die neue Pflegefinanzierung macht die Situation nicht besser. Vielmehr wurde die Spitex damit ein Stück weit in den freien Markt katapultiert. Die Finanzierung beispielsweise funktioniert rein leistungsbezogen, die bisherigen Defizitgarantien entfallen. Auch die Konkurrenzsituation mit den privaten Anbietern hat sich verschärft. Diese machen viel Werbung und arbeiten stundenweise auf Abruf.

Kanton wünscht grössere Gebilde

Eine Reorganisation wie im Nachbarkanton strebt man im Thurgau nicht an. «So etwas braucht seine Zeit», sagt Susanna Schuppisser, Leiterin des Thurgauer Gesundheitsamtes. «Die Grösse der Spitex-Vereine im Kanton ist allerdings kritisch», gibt sie zu bedenken. An die Spitex würden Ansprüche gestellt, die längerfristig wohl nur in grösseren Organisationen gelöst werden können. Wie gross diese Gebilde sein sollen, lasse sich nicht grundsätzlich festlegen.

«Das ist kein Thema, das jetzt der Kanton regulieren muss». Man habe die Vereine aber gemeinsam mit dem Gemeindeverband für das Problem sensibilisiert und an einer Versammlung mögliche zukünftige Organisationsformen angedacht. Christoph Tobler, Präsident des Thurgauer Spitex-Verbandes, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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