Harte Zeit für Schnäppchenjäger

Nach 22 Jahren schliesst Adrian Rösch sein Brockenhaus an der Gerlikonerstrasse in Frauenfeld auf Anfang April. Der Laden weicht einer Überbauung. Das Internet hat die Secondhand-Branche gehörig verändert, weiss Rösch.

Stefan Hilzinger
Drucken
Teilen
Adrian Rösch sortiert in seinem Brockenhaus an der Gerlikonerstrasse die Auslage. (Bild: Stefan Hilzinger)

Adrian Rösch sortiert in seinem Brockenhaus an der Gerlikonerstrasse die Auslage. (Bild: Stefan Hilzinger)

FRAUENFELD. Zu gerne hätte Adrian Rösch noch seinen 60. Geburtstag in seinem Brockenhaus an der Gerlikonerstrasse gefeiert. Denn schon zu seinem 40. und seinem 50. Geburtstag fand das Fest in den Räumen der einstigen Billard-Halle statt. Doch bevor im Mai sein rundes Wiegenfest stattfindet, hat er den Laden für Gebrauchtes geräumt. «Am 9. April ist Schluss, nach 22 Jahren an diesem Standort», sagt Rösch. Bei der Kasse weisst ein Schild auf die baldige Schliessung hin.

Ein Neubau ist geplant

Rösch wusste schon länger, dass die Zeit für sein Brockenhaus abläuft. Die Firma Vetter aus Lommis plant an der Ecke Zürcherstrasse/Gerlikonerstrasse eine neue Überbauung (siehe Zweittext). Die meisten Liegenschaften an der Kreuzung verschwinden, darunter das geschlossene Restaurant Bierquelle und eben das ehemalige Fabrikgebäude, wo Rösch seit 1994 sein Brockenhaus betreibt. Ed heisst «neues», weil Rösch sich damals nach 14 Jahren beim Frauenfelder Heilsarmee-Brocki selbständig machte.

Anpacken und verkaufen

«Morgens zügeln, nachmittags verkaufen», so gestaltete sich Röschs Arbeitsleben, der sich – die Zeit bei der Heilsarmee eingerechnet – seit mehr als 36 Jahren in der Second-Hand-Branche bewegt. Besonders die vormittägliche Schlepperei von Möbelstücken oder Bücherkisten habe ihre Spuren hinterlassen, sagt Rösch und zeigt auf seinen Rücken. Doch die körperliche Plackerei ist nur eine Seite seiner Arbeit. Die schönere Seite ist der Kontakt mit der Kundschaft. «Ich bin überzeugt, dass ich etwas Sinnvolles tue, weil ich verhindere, dass Brauchbares einfach weggeschmissen wird», sagt er. Rösch, Vater von vier Kindern und mehrfacher Grossvater, ist sein eigener Chef und sein einziger Angestellter. In all den Jahren machte er kaum Ferien. «Wenn es gut lief, konnte ich keine Ferien machen, und wenn es schlecht lief, erst recht nicht.» Rückblickend würde er hier vielleicht etwas ändern, doch die Faszination am Geschäft mit alten Möbeln, Kleidern, Schallplatten und Büchern war stärker.

Für Möbel zum Schweden

Angebot und Kundschaft haben sich verändert über die Jahre, besonders unter dem Einfluss des Internets, sagt der «Doktor der Brockologie», wie er von manchen scherzhaft genannt wird. «Ich erinnere mich daran, wie Saisonniers sich bei mir mit Hausrat eingedeckt haben.» Er habe damals Möbel verkauft «wie verrückt». Wer heute günstige Möbel suche, gehe zu einem der einschlägigen Möbelhäuser. Heute sind es besondere Einzelstücke, die gefragt seien. Viel hat auch das Internet verändert. Die Preise in den verschiedenen Sparten sind heute transparenter. Für Schnäppchenjäger sind harte Zeiten angebrochen. «Wirkliche Schnäppchen zu machen, wird immer schwieriger.»

Einen neuen Standort zu suchen, kommt für Rösch nicht in Frage. In Frauenfeld finde er nichts, und anderswo neu zu beginnen, sei sehr schwierig. «Ich bin in Frauenfeld aufgewachsen. Die Leute kennen mich. Das ist einer der Gründe, weshalb ich so lange im Geschäft blieb.»

Etwas bleibt im Internet

Nun ist in gut vier Wochen Schluss mit «Nützlichem und Schönem». Dann wird der Laden geräumt. Einen speziellen Abverkauf macht Rösch nicht. Er nimmt sogar noch Ware entgegen. Mit einem Teil des Brocki-Bestandes wird er im Internet weiter geschäften. Doch vieles, was am Ende übrig bleibt, werde er wohl wegwerfen. «Jetzt bin ich mal damit an der Reihe.»