HarmoS-Gegner sind für Harmonisierung der Schulstufen

Ein Thurgauer Elternkomitee spricht sich gegen das HarmoS-Konkordat aus. Im gleichen Atemzug wird eine Harmonisierung der Schulstufen und Lehrmittel befürwortet.

Stefan Borkert
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Kinder dabei: Das Elternkomitee gegen HarmoS: (v. l.) Mirella Kirchmeier, Priska Bühler, Andreas Altwegg, Katja Altwegg und Alexandra Kolb.

Kinder dabei: Das Elternkomitee gegen HarmoS: (v. l.) Mirella Kirchmeier, Priska Bühler, Andreas Altwegg, Katja Altwegg und Alexandra Kolb.

Frauenfeld. Von der Politik hintergangen, so fühlen sich die Mitglieder des Elternkomitees, das das HarmoS-Konkordat ablehnt. Zahlreiche Bestimmungen seien «hintenherum» eingeführt worden, sagt Priska Bühler an einer Medienkonferenz in Frauenfeld. Sie befürchtet, dass der Staat mit HarmoS den Eltern ihre Kinder immer früher wegnehmen wolle. Als Beweis führt sie das Kindergartenobligatorium im Thurgau mit vier Jahren an. So würden Möglichkeiten geschaffen, dass Eltern zu reinen «Sonntagseltern» degradiert werden. Sie betont aber, man werde nach wie vor eine Harmonisierung im eigentlichen Sinn etwa bei den Lehrmitteln und den Schulstufen in der Schweiz begrüssen.

Christliche Werte

Andreas Altwegg kritisiert, dass HarmoS-Gegner oft als Hinterwäldler dargestellt würden. Er tritt für christliche Werte in der Erziehung ein und fürchtet, dass HarmoS diesen entgegenstehe. Diese Ansicht teilt auch seine Frau, Katja Altwegg. Kleinkinder seien nicht dafür geschaffen für schrankenloses Beladen mit Schulstoff. Vielmehr sollten die Kleinen, begleitet von ihren Eltern, ihre Umwelt erkunden, Rücksichtnahme lernen, spielerisch in den Reichtum der eigenen Sprache vordringen und sich alltägliche Fertigkeiten aneignen. Ihrer Ansicht nach sollte die Schweiz keine Systeme aus dem Ausland übernehmen, die nichts taugen, wie Erfahrungen gezeigt hätten. Sie spielt damit auf das amerikanische Schulsystem an, das sicher nicht besser sei als das hiesige.

Kinder aus intakten Familien sieht Alexandra Kolb bei HarmoS im Nachteil. Es sei absolut falsch, dass der Besuch des Kindergartens bereits mit 4 Jahren beginnen müsse. Über den Besuch des Kindergartens sollten die Eltern entscheiden und nicht ein Schulpsychologe oder Heilpädagoge. Chancengleichheit gebe es in dem System HarmoS nicht. Die Lösung, dass Kinder mit 4 Jahren schon in den Kindergarten gehen müssten, könne vielleicht für alleinerziehende Mütter oder Familien, bei denen ein Einkommen des Ehepartners nicht ausreiche, hilfreich sein. Aber was sei mit all jenen Familien, welche das Erziehen ihrer Kinder als Beruf und Berufung anschauen? Mit der frühen Einschulung könne der Kontakt zu den jüngeren Geschwistern nicht mehr geknüpft werden.

In eine ähnliche Richtung argumentiert Mirella Kirchmeier. Mit HarmoS werde den mündigen Eltern viel Verantwortung für ihre Kinder weggenommen. Sie würden durch dieses System disqualifiziert.

Eltern fehlt Zeit mit Kindern

Für jedes Problem gebe es einen Therapeuten. Den Eltern werde immer mehr Zeit, die sie mit ihren Kindern verbringen wollten, genommen. Demzufolge fehle den kleinen Kindern vor allem Wärme, Geborgenheit und Halt. Sie wolle selbst über ihre Kinder entscheiden, pflichtet Priska Bühler bei.

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