Handys rauben Kindern die Kraft

Klare Tagesstrukturen mit wenig Programm helfen Kindern mit Konzentrations- schwächen zu besseren Schulleistungen, sagt Schulpsychologe Frank Ruthenbeck.

Ruth Bossert
Drucken
Teilen
Schulpsychologe Frank Ruthenbeck rät zu einer gesunden Ernährung mit möglichst wenig Zucker. (Bild: rb)

Schulpsychologe Frank Ruthenbeck rät zu einer gesunden Ernährung mit möglichst wenig Zucker. (Bild: rb)

ESCHLIKON. Im Saal in der evangelischen Kirche Eschlikon blieb kein einziger Stuhl leer. 72 Personen, darunter ungefähr die Hälfte aus dem Thurgau und die andere Hälfte aus den angrenzenden Kantonen, wollten den Vortrag des Psychologen Frank Ruthenbeck aus Neftenbach nicht verpassen. «Für das Kinder- und Jugendnetz Eschlikon ein Riesenerfolg», sagt Katja Peer, Kommissionsmitglied und zuständig für die Veranstaltungen. Das Kinder- und Jugendnetz habe mit den verschiedenen Elternbildungsveranstaltungen eine grosse Ausstrahlungskraft erhalten. «Eltern, Lehrkräfte und weitere Personen, die sich mit Erziehungsfragen beschäftigen, wissen heute, dass sie in unseren Vorträgen von kompetenten Referentinnen und Referenten profitieren können.»

Vorbild für andere Gemeinden

Auch die alltägliche Arbeit der Beratungsstelle hat sich in der Gemeinde gut etabliert. Dass das Kinder- und Jugendnetz ein zukunftsversprechendes Modell ist, zeigt der Aufbau von ähnlichen Angeboten in den Gemeinden Bichelsee-Balterswil und Wängi. Beide Gemeinden haben sich für den Aufbau einer solchen Beratungsstelle entschieden. Frank Ruthenbeck führt eine eigene Beratungsstelle und arbeitet als Schulpsychologe. Er weiss nur zu gut, wie es ist, wenn sich Kinder im Schulalltag nicht oder nur ungenügend konzentrieren können. Die negativen Auswirkungen auf Leistungsfähigkeit und Ausdauer beim Arbeiten belasten oft die ganze Familie und stören den Schulunterricht – ein Teufelskreis beginnt.

Es muss nicht Ritalin sein

Wenn die Diagnose AD(H)S mal gefällt ist, entspannt sich die Situation oft. Der Vorwurf der «Schuld» verschwindet. Als Schulpsychologe weiss Ruthenbeck hingegen, dass die Folge nicht automatisch Ritalin, das unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, heissen muss. Er rät den Eltern, nebst einer gesunden Ernährung mit möglichst wenig Zucker drei wichtige Punkte im Alltag unbedingt einzuhalten: Kinder mit Konzentrationsproblemen brauchen eine klare, regelmässige und einfache Tagesstruktur, eine konsequente Haltung ihres Gegenübers und möglichst wenig bis gar kein Programm. Fernseher, Computer, Games und Handys rauben dem Kind viel Kraft und sollten nur punktuell und kontrolliert erlaubt werden.

Der Psychologe schloss den Vortrag mit dem Worten: «Wenn es uns als Eltern in einer authentischen Art gelingt, innerlich Ruhe zu bewahren, bei uns zu bleiben, Kraft zu haben und ein ehrliches Vorbild zu sein, haben wir den wichtigsten Teil für eine positive Veränderung unserer Kinder schon getan.»