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HALINGEN: Uneins über das Herzstück

Noch fehlt die letzte Etappe des Radwegs für die Sicherheit der Thundorfer Schüler auf ihrem Schulweg. Anwohner wehren sich und fühlen sich vom Kanton hintergangen. Dieser droht mit Enteignungen.
Samuel Koch
Im Vordergrund die Sekundarschule, im Hintergrund Vorderhalingen. (Bild: Olaf Kühne)

Im Vordergrund die Sekundarschule, im Hintergrund Vorderhalingen. (Bild: Olaf Kühne)

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Es harzt beim finalen Stück. Noch fehlen mehrere hundert Meter des regionalen Radwegs durch den Matzinger Weiler Halingen. Primär geht es um die Sekundarschüler aus Thundorf, die in der Sek Halingen die Schulbank drücken und sich täglich mit ihren Velos auf den Schulweg machen. Nachdem der Radweg von Matzingen in Richtung Schulhaus schon länger und der erste Teil von Thundorf bis eingangs Halingen seit vergangenem Sommer eröffnet ist, zanken sich die Behörden mit einigen Anwohnern von Halingen.

Letztere fühlen sich einerseits von der zuständigen Gemeinde Matzingen und vom kantonalen Tiefbauamt nicht ernstgenommen. Andererseits würden sie von der Öffentlichkeit in ein falsches Licht gerückt – als Querulanten, die den Radweg torpedieren würden. «Die Halinger wollen einen Radweg», meinen zwei Einwohner, die mit ihren Grundstücken von der jetzigen Projektauflage überhaupt nicht betroffen sind. «Es braucht aber eine Lösung, welche die Sicherheit der Schüler nicht gefährdet.» Der Unmut der Halinger sei schon bei den ersten Plänen für einen Radweg entlang der Thundorferstrasse gross gewesen. «Sie wollten für den Radweg extra die Thundorferstrasse versetzen, was die sonst schon enge Kurve noch gefährlicher gemacht hätte.» Riskant sei nebst der hohen Geschwindigkeit der Auto- und Velofahrer auch die Einfahrt zu einem naheliegenden Haus gewesen. «Von den hohen Kosten ganz zu schweigen», sagen die Anwohner. Bei einem offiziellen Infoabend im Herbst 2015 hätten Gemeinde-, Schul- und Kantonsbehörde zwar informiert, «kritische Fragen sind aber sofort im Keim erstickt worden».

Anwohner entkräften Argumente der Behörden

Auch mit der nun vom kantonalen Tiefbauamt neu projektierten Linienführung freunden sich wieder nicht alle Halinger an. Zuletzt sind die Pläne für den Radweg mit Kosten von 960 000 Franken auf dem Bauamt in Matzingen öffentlich aufgelegen, in welchen sich aus ursprünglich drei Linienführungen eine herauskristallisiert hat. «Wir verstehen nicht, warum sie nicht die Linienführung 2 genauer prüfen», sagen die Gegner. Die Naturstrasse sei übersichtlicher, bereits als Flurstrasse vorhanden und könnte ohne Landenteignungen ihrer Nachbarn gebaut werden. «Beim Kanton entscheidet man aber einfach über die Köpfe der Einwohner hinweg», kritisieren sie und entkräften die Argumente des Tiefbauamts, wonach der Radweg weder wegen einer leichten Steigung noch aufgrund der Abgeschiedenheit von den Velofahrern nicht angenommen werde. Nochmals erinnern die Anwohner daran, dass der Radweg auch für die Halinger ein Segen sei. «Sogar Auswärtige fragen uns, warum der Radweg nicht um den Weiler herum gebaut wird.»

Ins gleiche Sprachrohr ruft ein Halinger, dessen Land von der projektierten Linienführung betroffen wäre. «Ich kann es kaum glauben», sagt er beunruhigt und spricht von einer Frechheit, wie mit ihm umgegangen wird. «Wir kommen uns vor, wie von den Behörden zur Seite gestellt», meint er. Bei der Aussprache 2015 habe man ihm gesagt: «Das geht schon, das kann man alles regeln.» Den Kontakt mit ihm habe man aber nie gesucht.

1400 Quadratmeter stehen im Raum einer Enteignung

Als aktiver Landwirt kommen von seinem Hof jährlich rund 3000 private und berufliche Fahrten für Tierfutter-Transporte von teils schweren Geräten zusammen, die allesamt die Unfallgefahr für die Schüler erhöhen würden. «Es kann und darf nicht sein, dass erkennbare, gravierende Defizite einfach unter den Tisch gewischt werden», sagt er und meint, dass er sein Land unter diesen Umständen nicht hergeben will. Er hat Angst, dass zuerst etwas Schlimmes passieren müsse, ehe die Behörden handelten. Auch er spricht sich für die Linienführung 2 aus.

Gleichzeitig wie die öffentliche Auflage des Projekts lag zuletzt ein Landerwerbs- und Enteignungsplan bei der Enteignungskommission auf. Grünes Licht für eine mögliche Enteignung der benötigten rund 1400 Quadratmeter hat der Matzinger Gemeinderat erteilt. «Die Linienführung 1 ist die richtige Variante», sagt Gemeindepräsident Walter Hugentobler. Die Kurve entlang der Strasse sei lebensgefährlich. Deshalb brauche es den Radweg, «und so, dass er auch gebraucht wird». Grundsätzlich handle es sich aber um ein Projekt mit kantonaler Hoheit.

Beim kantonalen Tiefbauamt zeichnet Marc Rudolf für das Projekt verantwortlich. «Eigentlich sollte der Radweg schon längst gebaut sein», sagt er. Entstanden seien die Pläne aus einem Leistungsauftrag aus dem kantonalen Richtplan. «Das heisst aber nicht, dass wir einfach ohne Umsicht drauflosbauen», sagt Rudolf. Wichtig sei ihm, dass auch die letzte Etappe möglichst breit abgestützt sei. Auch wenn die Linienführung 1 nicht bei allen in Halingen populär sei, «es sind aber auch nicht alle Grundeigentümer dagegen». Entscheidend sei, dass man eine Lösung suche, die möglichst für alle stimmt. Dass der Radweg nicht ganz entlang der Thundorferstrasse geführt werden könne, sei wegen gefährlicher Ausfahrten und grossen Widerstands aus dem Weiler rasch klar geworden.

Mehrere Anläufe lassen Kosten mehr als verdoppeln

Nach einem Austausch mit mehreren Fachspezialisten innerhalb des Tiefbauamtes, der Unterstützung der Politischen und der Schulgemeinde sowie einer Empfehlung von Pro Velo Thurgau, fokussiert Rudolf auf der Linienführung 1. «In Sachen Direktheit schneidet diese Variante am besten ab», sagt er. Es bringe nichts, eine Variante weiterzuverfolgen, wenn die Schüler dort zusätzliche Steigungen und Umwege in Kauf nehmen müssten. Die Variante binde auch den Weiler für Fussgänger und Velofahrer an, «zudem ist die soziale Einsicht deutlich am besten», sagt Rudolf und spricht mögliche Unfälle, Pannen oder Übergriffe an. Wegen der verschiedenen Varianten sowie der umfangreichen Verhandlungen hat sich der Preis für die Projektierungsphase bisher etwas mehr als verdoppelt. «Das heisst aber nicht, dass die gesamte Planung bis dahin um diesen Faktor mehr kostet», sagt Rudolf.

Über mögliche Landenteignungen zeigt auch er sich nicht glücklich: «Wir suchen den Konflikt nicht, und es ist ja nicht unser Ziel, den Leuten ihr Grundstück wegzunehmen, auch wenn wir bei einer allfälligen Enteignung dafür finanziell entschädigen.» Bevor aber allenfalls die Enteignungskommission zum Einsatz kommt, läuft das ordentliche Planauflageverfahren zu Ende. «Fristgerecht sind dabei zwei Einsprachen eingegangen», sagt Rudolf. Solange hat das Landerwerbs- und Enteignungsverfahren aufschiebende Wirkung.

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