Halbzeit bei der Semi-Renovation

KREUZLINGEN. Nach den Sommerferien müssen die Schüler der Pädagogischen Maturitätsschule in Kreuzlingen Baulärm während des Unterrichts ertragen. Bei der Sanierung der Guyerbauten hat die umfangreichste Etappe begonnen.

Thomas Wunderlin
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Der PMS-Wissenschaftstrakt (l.) ist zurzeit eine Baustelle: Architekt Marc Ryf, Schulverwalterin Claudia Peyer, Kantonsbaumeister Erol Doguoglu. (Bild: Reto Martin)

Der PMS-Wissenschaftstrakt (l.) ist zurzeit eine Baustelle: Architekt Marc Ryf, Schulverwalterin Claudia Peyer, Kantonsbaumeister Erol Doguoglu. (Bild: Reto Martin)

Bauarbeiter durchlöchern die Betonwände des Physiklabors mit ihren Bohrmaschinen. Der Lärm durchdringt das Haus, auch die Tür des bereits sanierten Bio-Labors. Die neue schallschluckende Decke hilft wenig. «In zwei Wochen wird hier wieder unterrichtet», sagt Claudia Peyer, Leiterin der Schulverwaltung der Pädagogischen Maturitätsschule (PMS) in Kreuzlingen. «Das erfordert Toleranz von allen Seiten; wir sind auf diesen Raum angewiesen.»

Zwischen 2013 und 2017 saniert der Kanton Thurgau für 17,9 Millionen Franken die drei Gebäude des ehemaligen Lehrerseminars. Weitgehend beendet ist der Aula-Musikzimmer-Trakt. Mit neuen Rampen und einem Lift anstelle der ehemaligen Putzräume ist er rollstuhlgängig geworden. Durch die Türen zieht es nicht mehr. Die Fensterrahmen sind jetzt nicht mehr aus Fichte, sondern aus Eiche, und ausserdem isolieren sie besser. Die Aula hat eine neue Beleuchtung und Belüftung erhalten; von der Empore führt ein neuer Fluchtweg nach unten.

Nun ist zwischen Juli und Oktober der Wissenschaftstrakt an der Reihe. Dabei handelt es sich um die umfangreichste und teuerste Etappe der Bauarbeiten, die bei laufendem Betrieb vorgenommen werden.

Säntis, Lilienberg, Seminar

Kantonsbaumeister Erol Doguoglu, der seit Anfang Juni im Amt ist, wies an einer Informationsveranstaltung des kantonalen Informationsdienstes auf die hohe Qualität der sogenannten Guyerbauten hin. Ihren Namen haben sie vom Architektenpaar Esther und Rudolf Guyer, das von 1959 bis 1999 mit ihrem Zürcher Architekturbüro rund 180 Bauten erstellte, darunter die Bergstation auf dem Säntis und das Unternehmerforum Lilienberg in Ermatingen. Die PMS-Bauten wurden zwischen 1969 und 1972 erstellt. Im Unterschied zu andern Bauten aus jener Zeit sind sie laut Doguoglu in sehr gutem Zustand. Sie würden von ihren Benutzern geliebt, was bei Bauten aus den Siebzigerjahren ebenfalls selten sei. Ersatzneubauten waren deshalb kein Thema. Hingegen müssen die Gebäude auf heutige Standards, etwa Minergie, gebracht werden. Der Architekt Marc Ryf, der den Auftrag für die Sanierung gewann, ist zufälligerweise bei Guyers in die Lehre gegangen. Die PMS-Anlage sei nach nordafrikanischen Vorbildern gestaltet, erläuterte Ryf. Sie zähle zu den drei besten Guyer-Werken. Die Gebäude und Fassaden zeichneten sich durch ihre Kargheit aus. Ryf hat es sich zum Ziel gesetzt, dass man von der Sanierung nach ihrem Abschluss kaum etwas merken werde.

Rot gefärbt und gestockt

Dass die Anlage nicht als Betonwüste empfunden wird, liegt an der besonderen Art des Betons. Durch Beimischung von Farbpulver ist er rot gefärbt. Ausserdem ist die Oberfläche gestockt: Das heisst, sie ist mit einem Stockhammer bearbeitet worden, so dass das Kies optisch hervortritt. Ältere Kreuzlinger erinnern sich laut Peyer daran, dass der Lärm der Stockarbeiten längere Zeit rundherum zu hören war. Gemäss Doguoglu dürften zehn Männer drei Wochen gebraucht haben, um die ganze Anlage zu stocken. Bei der Sanierung werden die Fassaden lediglich gereinigt und einige Schäden ausgebessert.

Nächstes Jahr liegt der Sanierungsschwerpunkt auf dem Sporttrakt. Das dazugehörige Hallenbad sollte gemäss ursprünglicher Planung 2017 für den Fitness- und Turnunterricht umgerüstet und der Schwimmunterricht ins neue städtische Egelsee-Bad verlegt werden. Da der Hallenbad-Betrieb teuer ist, liege eine gemeinsame Nutzung nahe, sagte Kantonsbaumeister Doguoglu. Nachdem die Kreuzlinger Stimmbürger das Egelsee-Projekt versenkten, muss der Kanton für das PMS-Bad eine neue Lösung suchen.