Haag weibelt für Holz-Inländervorrang

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Für die einen ist es Lärm, für andere der Soundtrack der Wertschöpfung aus Holz: das Sägen. Was als Baumstamm aus umliegenden Wäldern angeliefert wird, verlässt etwa als Kantholz die Brühwiler Sägewerk und Fensterholz AG in Wiezikon bei Sirnach. Das kantonale Forstamt lud gestern – am Vortag des internationalen Tag des Waldes – zu einer Medienkonferenz in den Hinterthurgau. Kantonsforstingenieur Daniel Böhi skizzierte die Herausforderung der Branche: «Die Probleme der Wald- und Holzwirtschaft sind seit dem Euroschock noch grösser geworden.» Exporte seien fast nicht mehr möglich, die Konkurrenz durch Importe gross. Potenzial sieht er dennoch primär im Inland.

Carmen Haag appellierte an die Bauherren: «Bauen Sie mehr mit Schweizer Holz!» Die Chefin des Departementes für Bau und Umwelt strich die Bedeutung der Branche für den Wirtschaftsstandort hervor: Total über 90000 Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel. Der Kanton baue selber nach Möglichkeit mit hiesigem Holz. Aktuell beim Ausbildungszentrum Galgenholz in Frauenfeld. Auch beim Ergänzungsbau zum Regierungsgebäude sei – im Rahmen des Wettbewerbs – ein urbaner Holzbau vorgeschrieben worden.

Holz als Baustoff boomt – Schweizer profitieren kaum

Maria Brühwiler führt das Hinterthurgauer Familienunternehmen seit 2011. In der laufenden Woche nimmt sie eine neue Produktionshalle in Betrieb. In der 525 m2 grossen Halle steht eine Besäumfräse, eine Maschine, welche die Baumkante abtrennt. 92 Prozent des verbauten Holzes für die Halle stamme aus Schweizer Wäldern, sagte die Chefin. Sie zählte die Vorteile des heimischen Rohstoffes auf: lokale Wertschöpfung, kurze Transportwege und die Sicherung von Arbeitsplätzen.

Markus Krattiger brachte Zahlen mit. Der Präsident der Thurgauer Sektion von Holzbau Schweiz zeigte auf, dass der Holzeinsatz in der Schweiz von 2009 bis 2014 um 30 Prozent gestiegen sei – von 741400 auf 965900 m3. «Bauen mit Holz liegt im Trend», sagte er. Doch profitierten die hiesigen Waldbesitzer und Sägereien kaum davon. «Importholz ist einfach zu günstig.» Um mehr Schweizer Holz auf die Baustellen zu bringen, setzt Krattiger in seinem Ingenieurbüro bei allen Ausschreibungen auf einen Zusatz: «Zuschlag für die Verwendung von Holz mit Schweizer Herkunftsnachweis.» Dieses Vorgehen habe sich positiv auf den Absatz hiesigen Holzes ausgewirkt. «Der Mehrpreis ist gar nicht so hoch», sagte er. Kantonsforstingenieur Daniel Böhi sagte, dass die heimische Waldwirtschaft den gesamten Holzbedarf der Schweiz decken könnte. Auch die Sägereien wären wohl bereit, den Soundtrack der Wertschöpfung lauter zu drehen. (seb.)