Gutes Pflaster für Kultur-Netzwerker

Auch die Internationale Bodenseekonferenz (IBK) entdeckt die Kulturvermittlung: Sie hat in St. Gallen acht Förderpreise von je 10 000 Franken vergeben. Sechs bleiben in der Ostschweiz.

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Sie bringen Kultur zu den Leuten: Die IBK-Preisträgerinnen und -Preisträger in der Lokremise, links Regierungsrat Martin Gehrer. (Bild: Luca Linder)

Sie bringen Kultur zu den Leuten: Die IBK-Preisträgerinnen und -Preisträger in der Lokremise, links Regierungsrat Martin Gehrer. (Bild: Luca Linder)

ST. GALLEN. Die diesjährigen Förderpreise zeichneten Personen aus, die «auf überzeugende Art und Weise mehr kreative Momente in unseren Alltag bringen», sagte der St. Galler Regierungsrat und IBK-Vorsitzende Martin Gehrer bei der Feier in der Lokremise. Ihre jährlich für eine andere Sparte ausgeschriebenen Preise vergibt die Bodenseekonferenz damit erstmals an Personen und Institutionen der Kulturvermittlung. Die Ostschweiz gewann sechs der acht Preise, während etwa Vorarlberg oder Baden-Württemberg leer ausgingen.

Musik und Kunst, anders

Das Thurgauer «forum andere musik» biete, so die Jury, «in unkonventioneller Weise, an unerwarteten Orten unvergleichliche spartenübergreifende Begegnungen». Es verführe zu zeitgenössischer Musik, aber auch zu Literatur oder Kino, stets aussergewöhnlich und mit aktuellen Themen.

Thurgau zum zweiten: Das Künstlerduo Alex Meszmer und Reto Müller betreibt in Pfyn den «Zeitgarten». Seine «Art und Weise, Kunst und Kultur in das Leben der Menschen zu integrieren», wirke identitätsstiftend und sei vom demokratisch angelegten Vermittlungsansatz her wohl einzigartig, befand die Jury. Bekannt geworden ist unter anderem ihr «transitorisches Museum», welches weit über die Grenzen von Pfyn ausstrahlt.

Gut besaitet und vernetzt

Brigitte Kemmann, nominiert vom Kanton St. Gallen, erhält einen Förderpreis für ihre Vernetzungsarbeit mit zahlreichen Projekten, darunter die Kulturzentrale, der «Kulturbeutel» für Neuzuzüger, das Atelier-Grossprojekt «5ünfstern» oder die Internetplattform «an wen vererben». All diese Projekte seien «ausgesprochen niederschwellig und demokratisch angelegt» und erreichten so neue Publikumskreise.

Das Magazin «Saiten» wird ebenfalls für seine Vernetzungswirkung als Anlaufstelle für viele Kulturschaffende ausgezeichnet. Das «Saiten»-Team habe sich seit den Anfängen konsequent einem engagierten Kulturbegriff verschrieben: «Kultur, Gesellschaft und Politik sind für <Saiten> keine fein säuberlich getrennten Begriffe, sondern gehören untrennbar zusammen.»

Sprache und Kunst in AR und AI

Lisa & Richi Küttel, nominiert von Appenzell Ausserrhoden, betreiben in Trogen die Agentur Wirkpunkt mit Literatur und Spoken Word. Zu ihren Aktivitäten gehören etwa die Autorenlesungen in Schulen oder das Projekt U20 Poetry-Slam. Die Jury hebt die «hohe Qualität und Nachhaltigkeit aller Vermittlungsaktivitäten» hervor.

Höchste Qualität gilt auch für die Arbeit von Agathe Nisple, nominiert von Appenzell Innerrhoden. Die Kunstvermittlerin gestalte «im Spannungsfeld zwischen appenzellischer Tradition und aktuellem Zeitgeschehen Aktivitäten, Ausstellungen, Publikationen und Biennalen, die sich durch Originalität und Qualität in gleichem Masse auszeichnen». Sie schrecke dabei auch vor unbequemen Themen nicht zurück, wie etwa die Ausstellung «Kleiner Frühling 2011» zum 20-Jahr-Jubiläums des Frauenstimmrechts in Innerrhoden gezeigt habe.

Weitere Preisträger sind der Künstler und Grafiker Wilhelm Koch und der Dirigent und Komponist Peter Stangel, Gründer der «Taschenphilharmonie», beide aus Bayern. (Su.)

www.bodenseekonferenz.org