Gubser macht Balg Arboner Stadtammannamt streitig

ARBON. Beide haben einen technischen Beruf erlernt, sind ausdauernde Naturen und leidenschaftliche Kanuten. Man sieht sie auf dem Velo durch die Stadt radeln. Sie bezeichnen ihre Ungeduld, wenn sie ein Ziel verfolgen, als eine Schwäche.

Max Eichenberger
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Der Herausforderer: Peter Gubser (64; SP), Kantonsrat, Fraktionspräsident im Stadtparlament; war acht Jahre Gemeinde- und acht Jahre Ortsverwaltungsrat. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Der Herausforderer: Peter Gubser (64; SP), Kantonsrat, Fraktionspräsident im Stadtparlament; war acht Jahre Gemeinde- und acht Jahre Ortsverwaltungsrat. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

ARBON. Beide haben einen technischen Beruf erlernt, sind ausdauernde Naturen und leidenschaftliche Kanuten. Man sieht sie auf dem Velo durch die Stadt radeln. Sie bezeichnen ihre Ungeduld, wenn sie ein Ziel verfolgen, als eine Schwäche. Doch damit sind die Gemeinsamkeiten von Stadtammann Andreas Balg (FDP) und seinem Kontrahenten Peter Gubser (SP) erschöpft. Am 8. März stellen sie sich der Wahl.

«Die Mühlen laufen falsch»

Balg hat vor gut zwei Jahren das Amt als Nachfolger des heutigen St. Galler Regierungsrats Martin Klöti angetreten. «Ich habe sogar zwei Leserbriefe für ihn geschrieben», bekennt Gubser am TZ-Podium am Donnerstag im evangelischen Kirchgemeindehaus Arbon unter Leitung von TZ-Redaktor Mario Testa. Jetzt ist der pensionierte Lehrer zum Gegenspieler geworden: «Die Mühlen laufen falsch in Arbon», nimmt Gubser Unmut im Volk auf. Wenn etwas falsch laufe oder unsinnig beschlossen worden sei, wie etwa das Linksabbiegeverbot bei der Rebhaldenstrasse, dauere es lange, bis – wenn überhaupt – reagiert wird. «Projekte müssen mit Betroffenen besprochen werden und allfällige Verbesserungsmöglichkeiten angeschaut werden, bevor sie umgesetzt werden», prangert Gubser die mangelnde Sensibilität der Stadtführung insbesondere in Verkehrsfragen an. «Man muss halt mehr reden mit den Leuten.» Bei Verkehrsbauten wie dem Kreisel Bahnhofstrasse «stehen mir die Haare zu Berge».

«Ein gutes Gefühl»

Andreas Balg hat «ein gutes Gefühl». Er hält der Kritik entgegen, die Fachspezialisten des Kantons hätten die Pläne der Neugestaltung, die öffentlich aufgelegen hätten, sehr wohl auf Gesetzeskonformität hin geprüft. Und bei der neuen Kantonsstrasse habe man auf Einwände der Organisation Pro Velo reagiert und Nachbesserungen vorgenommen. Gubser konfrontierte den Stadtammann postwendend mit der gefährlichen Stahel-Kreuzung, wo die Velofahrer «kreuz und quer geleitet» würden. Er finde die Kreisel-Lösung gut: , sagt Balg: «Es gibt für jeden einen sicheren Übergang. Velofahrer müssten halt «über den Zebrastreifen gehen und dann wieder aufsteigen». Exemplarisch zeige das Verkehrsregime in der Altstadt, wie die Bevölkerung in Workshops in die Planung einbezogen worden sei, wehrt sich Balg gegen eine Pauschalkritik, der Stadtrat handle über den Köpfen hinweg: «Ich freue mich jetzt auf die Vorschläge bei den gestalterischen Massnahmen.» Den hier eingeschlagenen Weg findet Gubser gut. Verkehr und Immissionen seien durch zusätzliche Massnahmen weiter zu reduzieren.

Entwicklung gegen Finanzmisere

In den letzten Jahren sei es nicht gelungen, schuldenfrei zu wirtschaften, räumt Balg ein. Daher müsse Arbon einen «guten Rhythmus» in der Entwicklung beibehalten – und sparen. Das müsse die Exekutive entschiedener vorgeben, fordert Gubser: Jeder Posten sei durchzukämmen und auf unnötige teure Ausgaben wie eine externe Leistungsüberprüfung mit unrealistischen Vorschlägen zu verzichten. Ihr Tafelsilber dürfe die Stadt nicht veräussern. Um das Defizit abzubauen, brauche es Verbesserungen von 3 Millionen und nicht bloss 300 000 Franken, verdeutlicht Balg. Zumal die Investitionen und Abschreibungen noch steigen werden. «Die Stadt muss unternehmerisch agieren.» Die Beiträge für Vereine zu kürzen und diese damit zu torpedieren, kann Gubser nicht goutieren. «Das sind Brosamen.»

Der Kanton soll die «überproportionalen Sozialkosten» ausglätten, ist Arbon Balg zufolge in Frauenfeld vorstellig geworden. «Wenn es darum geht, diese Lasten solidarischer unter den Gemeinden zu verteilen, dann ist es die FDP, die sich mit Händen und Füssen dagegen wehrt», weiss Kantonsrat Gubser.

Kommunikation verbessern

Mit externer Unterstützung wolle die Stadt ihre Kommunikation verbessern, reagiert Balg auf Kritik und einen Ausfall. Gute Kommunikationsarbeit müsse die Stadt selber zu leisten imstande sein, findet Gubser. Die Metropol-Überbauung Riva wird laut Balg dereinst «der Stolz von Arbon». Sowohl die Auflage des Gestaltungsplans wie des Baugesuchs böten Einsprachemöglichkeiten. Gubser glaubt nicht, dass die 40 Meter hohen Türme am See bewilligungsfähig sind.

Der Amtsinhaber: Andreas Balg (51; FDP); ehemaliger Wirtschaftsförderer des Kantons Thurgau, folgte vor gut zwei Jahren auf Martin Klöti. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Der Amtsinhaber: Andreas Balg (51; FDP); ehemaliger Wirtschaftsförderer des Kantons Thurgau, folgte vor gut zwei Jahren auf Martin Klöti. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Steh-Wahlpodium vor hundert Besuchern: Peter Gubser und Andreas Balg liefern sich unter der Leitung von TZ-Redaktor Mario Testa ein Politduell. (Bilder: Nana do Carmo)

Steh-Wahlpodium vor hundert Besuchern: Peter Gubser und Andreas Balg liefern sich unter der Leitung von TZ-Redaktor Mario Testa ein Politduell. (Bilder: Nana do Carmo)

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