Gründächer statt Kies lohnen sich

FRAUENFELD. Die Stadt Frauenfeld steht begrünten Flachdächern positiv gegenüber. Auf Industrie- und Gewerbebauten rechnet sich Begrünung. Denn Gründächer halten doppelt so lange dicht wie bekieste Flächen und isolieren zudem besser.

Mathias Frei
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Das Beispiel einer Dachbegrünung auf einer Wohnsiedlung in der Stadt Zürich. (Bild: pd)

Das Beispiel einer Dachbegrünung auf einer Wohnsiedlung in der Stadt Zürich. (Bild: pd)

Dachbegrünung ist nicht nur etwas für Ökofreaks. Das steht für Tobias Schmid fest. Der Agronom ist Spezialist für grüne Dächer. Und als der Referent am Frauenfelder Architektentreff auf die vielfältigen Vorteile eines grünen Flachdachs zu sprechen kommt, werden die zwei Dutzend Architekten und Planer hellhörig. Auf dem Allmendcenter in Frauenfeld-Ost ist beispielsweise eine gross angelegte Dachbegrünung geplant.

Was für eine Bepflanzung mit Moosen und anderen Kleingewächsen spricht: Ein bekiestes Dach hält 20 Jahre lang dicht, ein begrüntes 40 Jahre lang. Dazu kommt die Energieersparnis, weil Grünflächen besser isolieren als Kies. Und Schmid hat die positiven ökologischen Aspekte einer Dachbegrünung noch gar nicht angesprochen.

Stadt informiert Bauherren

Auch die Stadt Frauenfeld stehe Flachdach-Begrünung positiv gegenüber, erklärt Stadtbaumeister Christof Helbling. Gleichwohl gibt es im städtischen Baureglement keine Auflagen, etwa im Sinne einer Begrünungspflicht. «Wenn ein Flachdach projektiert ist, informieren wir den Bauherrn über die Möglichkeit einer Dachbegrünung», sagt Helbling.

Der Stadtbaumeister stellt in Frauenfeld fest, dass bei Industrie- und Gewerbebauten das Dach immer mehr als Teil der Fassade aufgefasst werde und deshalb visuell etwas hermachen müsse. «Je grösser ein Dach, desto schöner kommt eine Dachbegrünung daher.» Bei Einfamilienhäusern seien vermehrt begrünte Autounterstände festzustellen. Aber auch für Kleinflächen am Haus sei Begrünung interessant. Gegenüber einem Kiesdach kühle im Sommer eine Grünfläche vor dem Fenster die aufsteigende Luft um drei bis vier Grad, sagt Helbling. Für Eigenheimbesitzer gelte: Man muss sich die Begrünung leisten wollen. Bei grossen Industrie- und Gewerbebauten hingegen stünden wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund. «Es muss sich rechnen», sagt Helbling.

Keine Gebührenreduktion

In Frauenfeld werden die Abwassergebühren zwar nicht reduziert, wenn das Dach begrünt ist und so als natürlicher Filter für das Regenwasser dient. In anderen Städten, etwa Zürich oder St. Gallen, ist dies der Fall und stellt so weiteres Einsparpotenzial dar. Wenn der generelle Entwässerungsplan für ein Gebiet jedoch eine Wasser-Rückhaltung vorschreibe, so sei eine Dachbegrünung eine wirtschaftliche Lösung, sagt Helbling.

Eine Liegenschaft stehe in der Gebührenpflicht, wenn sie an die Kanalisation angeschlossen sei, sagt Helbling. Die Abwassermenge könne jedoch reduziert werden, wenn das Regenwasser in der Dach-Humusschicht gefiltert werde und dann auf der eigenen Parzelle über eine unterirdische Versickerungsanlage abgeführt werde.

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