Grosses Hallo vor dem «Rhyhof»

Der Hinweis «Bauarbeiten, Ankunftsbereich gesperrt», erschüttert Daniela Schmid nicht mehr. Sie hat am Morgen bereits Gäste am Flughafen für das internationale Jazztreffen Generations14 in Frauenfeld abgeholt. Mit dem Kleinbus gestaltet sich die Anfahrt allerdings wesentlich anspruchsvoller.

Christine Luley
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Kaum in Frauenfeld vor dem Hotel angekommen, schon steht der Chef auf der Matte: Christian Amstätter, Daniel Nösig, Oliver Kent und Mario Gonzi treffen Big-Band–Leader Bert Joris. (Bild: Christine Luley)

Kaum in Frauenfeld vor dem Hotel angekommen, schon steht der Chef auf der Matte: Christian Amstätter, Daniel Nösig, Oliver Kent und Mario Gonzi treffen Big-Band–Leader Bert Joris. (Bild: Christine Luley)

Der Hinweis «Bauarbeiten, Ankunftsbereich gesperrt», erschüttert Daniela Schmid nicht mehr. Sie hat am Morgen bereits Gäste am Flughafen für das internationale Jazztreffen Generations14 in Frauenfeld abgeholt. Mit dem Kleinbus gestaltet sich die Anfahrt allerdings wesentlich anspruchsvoller. Die nötigen Runden um den Flughafen und die Suche nach einem Parkplatz verursachen etwas Herzrasen. Aber als Tanzpädagogin weiss Daniela Schmid damit umzugehen. Sie ist eine von fünf Freiwilligen, welche am Frauenfelder Jazzfestival Musiker und Instrumente transportieren.

Mit Täfeli in Ankunftshalle

Locker steht Daniela Schmid in der Ankunftshalle, das Täfeli «Generations14» in der Hand. «15.43, Wien, flight HG 8586 landed», blinkt es auf der Anzeige. Die Erwarteten sind da: Posaunist Christian Amstätter, Schlagzeuger Mario Gonzi, Pianist Oliver Kent und Trompeter Daniel Nösig. Roman Schwaller, der künstlerische Leiter des «Generations», hat sie eingeladen. Die vier Musiker werden Teil einer international besetzten Festival-Big-Band, die das morgige Abschlusskonzert bestreitet.

Die Musiker verfrachten ihr Gepäck in den Kofferraum und nehmen Platz. Auf der Autobahn ist Feierabendverkehr. Es nieselt. Kein Postkartenwetter. Eine Tafel Schweizer Schoggi mit einem Hauch Meersalz aktiviert das Wohlfühlhormon. Die vier flachsen im Auto herum. Während die drei älteren Kollegen als arrivierte Jazzmusiker gelten, steht Christian Amstätter erst am Anfang der Karriere.

Vom Idol zum Bandkollegen

Der 23-Jährige studiert am Konservatorium Wien und freut sich, gemeinsam mit Grössen wie Ludwig Nuss, Mitglied der WDR-Big-Band, und Professor Jürgen Neudert aus Nürnberg zu spielen. «Es erscheint mir irreal, ist der Weg vom Idol zum Kollegen doch witzig», meint Amstätter. Vor der Begegnung mit den weiteren Grössen der internationalen Jazzszene hat der junge Posaunist keine Bedenken. «Es gibt keine Hierarchien, der Umgang ist locker», ermutigen ihn die Kollegen.

Mario Gonzi, Oliver Kent und Daniel Nösig waren schon am «Generations» vor zwei Jahren dabei. Sie erinnern sich lebhaft an ein Fondue bei Roman Schwaller, und wie sie danach inspiriert in die Session geeilt sind. Die drei wollen wissen, ob die Regel, «das Brot zuerst in den Schnaps einzutauchen und dann in die Käsemasse», schweizweit Gültigkeit hat.

Musik hören und Steaks essen

Als Ziel am Festival definieren sie grinsend: «Musik hören und Steaks essen». Gonzi präzisiert: «Gut spielen als Band. Dass dabei etwas herauskommt, aus der Musik und den Leuten, die spielen.» Die anderen ergänzen: «Den Blick erweitern. Magische Momente auf der Bühne erleben». Ist das kein Stress, kurz in die Schweiz zu kommen, die Musik des Bandleaders Bert Joris einzustudieren und nach dem Auftritt gleich wieder zurückfliegen? «Naja» meinen sie, «so ein kleiner Urlaub wäre zwar nett, aber wir sind schon viel weiter gefahren für einen einmaligen Auftritt.»

Ein Mann mit Einkaufstasche

Frauenfeld kommt näher. Die Runde diskutiert das weitere Vorgehen: «Erst einchecken, etwas Kleines essen und dann chillen?» Vorfahrt vor dem Hotel Rhyhof. Die Truppe steigt aus. Ein Mann mit einer Einkaufstasche nähert sich. Grosses Hallo. Umarmung, Schulterklopfen. Es ist der grosse Meister Bert Joris persönlich. Jetzt kann es losgehen.

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