GROSSERFOLG: Getrübte Siegesfreude

Kein Ballon fuhr beim Gordon Bennett Race, der wichtigsten internationalen Wettfahrt, weiter als jener der Thurgauer Kurt Frieden und Pascal Witprächtiger. Nun machen sie sich Sorgen um einen US-Ballon, der über der Adria vermisst wird.

Daniel Walt
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Über den Wolken...: Wunderbarer Ausblick aus dem Ballon. (Bild: pd)

Über den Wolken...: Wunderbarer Ausblick aus dem Ballon. (Bild: pd)

Abheben, geniessen, frei sein wie ein Vogel: Für den 41jährigen Kurt Frieden aus dem thurgauischen Hohentannen gibt es seit bald 20 Jahren nichts Schöneres als Ballonfahren. Nun haben er und sein Kollege Pascal Witprächtiger aus Schlatt TG bei der härtesten und traditionsreichsten Ballonsportveranstaltung der Welt über 59 Stunden im Ballonkorb verbracht.

In Bristol gestartet, landeten die beiden erst wieder an der rumänischen Schwarzmeerküste. Damit haben sie das Gordon Bennett Race 2010 gewonnen.

Das grosse Warten
Die Freude über den Erfolg ist gross bei Kurt Frieden, der in seinem Leben insgesamt schon 1300 Stunden im Gasballonkorb verbracht und dabei rund 33'000 Kilometer zurückgelegt hat. «Als erstes haben wir uns nach der Landung hingesetzt und einfach Freude gehabt, dass wir so weit gekommen und wieder gut gelandet sind», blickt er zurück.

Dann begann das grosse Warten, bevor klar war, dass kein anderer Ballon weiter gefahren war. Zwischen Bristol und dem Ort in Rumänien, wo die beiden landeten, liegen 2435 Kilometer. Dies bedeutete den Sieg mit über 100 Kilometern Vorsprung vor den Zweitplatzierten. Effektiv zurückgelegt haben die beiden aber eine noch wesentlich grössere Fahrstrecke, nämlich rund 3300 Kilometer.

Bis minus 13 Grad
Die Fahrt von Kurt Frieden und Pascal Witprächtiger verlief ohne grosse Probleme. «Wir mussten einzig schauen, dass wir den italienischen Luftraum rechtzeitig wieder verliessen, weil dieser nur am Tag befahren werden durfte», sagt Kurt Frieden. Das Wetter sei gut gewesen, die meiste Zeit habe es Sonne gehabt – «wir wurden richtig braun», lacht er.

Die Temperaturen auf einer Höhe von 4000 bis 5000 Metern lagen tagsüber bei 5 bis 6 Grad und fielen nachts auf minus 13 Grad. Ein spezielles Regendach und Anzüge, die ansonsten in Kühlhäusern zum Einsatz kommen, sorgten dafür, dass Frieden und Witprächtiger nicht froren. Zudem waren sie mit einer Sauerstoffanlage für die Fahrt über 3500 Meter ausgerüstet.

«Wunderbar geschlafen»
Alle vier Stunden wechselten sich Kurt Frieden und Pascal Witprächtiger beim Steuern des Ballons ab. Auch nachts. Schlaf fanden die beiden auf einer speziellen Matratze. Durch das Öffnen einer Klappe konnten die Ballonfahrer die Beine, eingepackt in einen Stoffsack, jeweils aus dem Korb strecken. «Ich schlief wunderbar und fühlte mich gut erholt», sagt Kurt Frieden. Vom Sieg habe er allerdings nicht geträumt, lacht er. Er habe diesen aber immer vor Augen gehabt.

Keine grundsätzlichen Bedenken
Bereits zum 13. Mal hat Kurt Frieden am Gordon Bennett Race teilgenommen. Gewonnen hat er den Wettbewerb zum ersten Mal. Getrübt wird seine Freude von der Tatsache, dass ein US-Ballon über der Adria vermisst wird. «Das macht mich sehr nachdenklich», sagt Kurt Frieden. Trotzdem ist dieser Vorfall für ihn kein Anlass, sich zu fragen, ob er weiterhin Ballonfahren will: «Das Risiko ist klar abschätzbar», sagt Frieden, der für die Wettfahrt auf die Dienste eines Meteoteams zählte.

Erfolgreiche Ballonfahrer: Kurt Frieden (l.) und Pascal Witprächtiger. (Bild: pd)

Erfolgreiche Ballonfahrer: Kurt Frieden (l.) und Pascal Witprächtiger. (Bild: pd)