GROSSER RAT: Thurgau will bei den Fachhochschulen «echtes Mitspracherecht»

Im Thurgauer Kantonsparlament wurde am Mittwoch über die künftige Struktur der Fachhochschulen im Nachbarkanton St.Gallen diskutiert. Der Tenor: Eine gute Zusammenarbeit ist wichtiger als die Organisationsform.

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Der Kanton St.Gallen muss seine Fachhochschulen neu strukturieren: Der Thurgau bevorzugt eine Lösung ohne Rapperswil. (Bild: Ralph Ribi)

Der Kanton St.Gallen muss seine Fachhochschulen neu strukturieren: Der Thurgau bevorzugt eine Lösung ohne Rapperswil. (Bild: Ralph Ribi)

Der Kanton St.Gallen muss seine Fachhochschulen neu strukturieren − und die Nachbarkantone reden kritisch mit: So am Mittwoch bei der Debatte im Thurgauer Rat über eine Interpellation von Stephan Tobler (SVP).

Anlass ist der Plan der St.Galler Regierung, die drei Fachhochschulen FHS St.Gallen, NTB Buchs und HSR Rapperswil unter einem Dach zusammenzuführen. Druck macht der Bund, der über die Bundessubventionen als Hebel grössere Zusammenschlüsse forciert.

Mitsprache gefährdet

Der Thurgauer Regierungsrat hat sich in der Interpellationsantwort gegen den Vorschlag der St.Galler Kollegen ausgesprochen. Bevorzugt wird eine Lösung, bei der nur die Schulen in St.Gallen und Buchs zusammengeschlossen würden und Rapperswil selbständig bliebe. Nur dann sei noch eine echte Mitsprache des Kantons Thurgau möglich, lautete das Argument.

Zum Thema gehört auch die Frage der finanziellen Beteiligung an der Fachhochschule Ostschweiz. Bisher engagierte sich der Thurgau neben den Beiträgen für seine ausserkantonalen Studierenden mit jährlich 1,69 Millionen Franken.

Die Debatte am Mittwoch wurde vom Regierungsrat als «geeigneten Rahmen zur politischen Meinungsäusserung des Parlaments» bezeichnet. Den Entscheid, ob sie bei der bald neu organisierten Fachhochschule Ostschweiz beteiligt bleibt, wird sie dann voraussichtlich alleine fällen.

Filiale im Thurgau gewünscht

In der Diskussion im Grossen Rat wurde unter anderem auf den Kanton Zürich verwiesen. Dort sei die Führung verschiedener Fachhochschulen unter einem Dach bereits umgesetzt worden und funktioniere gut. Der Regierungsrat solle sich unter anderem dafür einsetzen, dass ein künftiger Ausbau der Fachhochschule in St.Gallen im Kanton Thurgau geplant werde, hiess es in mehreren Voten.

Ein zielführendes Angebot sei weniger von den Strukturen abhängig, als vom Willen zur Zusammenarbeit, mahnte der Sprecher der CVP/EVP-Fraktion − auch an die Adresse des als Gäste anwesenden Präsidiums des St.Galler Kantonsrats.

Die FDP-Fraktion erklärte, die Rolle des Kantons Thurgau solle «mitbestimmend sein». Dies forderten unter anderem auch die SVP− oder die glp/BDP-Fraktion. Beim Entscheid über die Thurgauer Beteiligung dürfe es nicht um Einsparungen gehen, verlangte der Sprecher der SP-Fraktion.

St.Galler Kantonsrat entscheidet

Das gemeinsame Ziel seien starke Fachhochschulen, nahm Regierungsrätin Monika Knill (SVP) Stellung. Es gehe darum, wie der Weg dahin aussehe. Dazu gebe es unterschiedliche Meinungen. Der Kanton Thurgau wolle «weiterhin eine echte Mitwirkung», betonte sie. Man werde nun abwarten, welches Modell im Nachbarkanton letztlich beschlossen werde.

Der St.Galler Kantonsrat wird in der Septembersession über die neue Struktur der Fachhochschulen beraten. Die zuständige Kommission hat dazu auch die Stellungnahmen der Nachbarkantone eingeholt. Am Mittwoch wurde bekannt, dass sich die Kommission grundsätzlich für die Variante mit drei Fachhochschulen unter einem Dach ausgesprochen hat. (sda)