Grosse Visitation ist umstritten

Bereits die lange Eintretensdebatte an der Synode der Evangelischen Landeskirche Thurgau liess die Spannweite der Meinungen zur Visitationsverordnung erahnen.

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KREUZLINGEN. Mit seiner Vorlage zur revidierten Visitationsverordnung will der Kirchenrat der Evangelischen Landeskirche Thurgau die regelmässige Beziehung zu den Kirchgemeinden institutionalisieren und ein Instrument zur Früherkennung und Prävention von Konflikten schaffen. Die Vorlage sieht drei Visitationsformen vor:

• Die kleine Visitation soll der Beziehungspflege zwischen Kirchenrat und Kirchgemeinde dienen, den Verantwortlichen sowie haupt- und ehrenamtlich tätigen Personen Bestätigung und Anregungen geben und Anliegen der Gemeinde aufnehmen. Sie ist im Sechs-Jahres-Turnus geplant.

• Die Fachvisitation soll Sachfragen im Religions- und Konfirmandenunterricht nachgehen.

• Die grosse Visitation dagegen soll nur bei Bedarf zur Anwendung kommen. Der Kirchenrat und mehrere Votanten sehen in ihr ein Mittel zur Konfliktbewältigung, andere möchten sie gestrichen sehen. Susanne Dschulnigg, Kreuzlingen, unterlag knapp mit ihrem entsprechenden Antrag.

Pfarrer Peter Kuster, Lustdorf, sieht in der revidierten Verordnung kein Kriseninterventionsinstrument, sondern ortet darin zusätzliches Konfliktpotential. «Kein Kirchenratsmitglied hat die Fachausbildung für Konfliktberatung und -begleitung.» Kirchenratspräsident Wilfried Bührer betonte, dass Konfliktbegleitung nicht Zweck, sondern Folge der Visitation sei, falls überhaupt erforderlich: «Die Visitationsverordnung ist bewusst nicht defizitorientiert angelegt. Mit der Streichung der grossen Visitation würde der Visitationsverordnung ein wichtiger Zahn gezogen.»

Mehrere Synodale berichteten von Erfahrungen mit kirchenrätlicher Vermittlung. «Der Diskussionsbedarf ist gross, noch fehlt uns Transparenz», fasste Pfarrer Johannes Bodmer, Weinfelden, zusammen. Im November wird die erste Lesung fortgeführt. Die Detailberatung zur Teilrevision der Verordnung Kirche, Kind und Jugend wurde an der Sommersitzung der Synode in Kreuzlingen im dritten Anlauf abgeschlossen. Sie tritt am 1. August 2013 in Kraft.

Von der Antwort des Kirchenrats auf ihre Interpellation zum Sexualkundeunterricht zeigte sich die Kreuzlinger Synodale Kathleen Schwarzenbach grundsätzlich zufrieden, wollte aber wissen, wie der Kirchenrat die Organe der Schule ermuntern wolle, christliche Grundsätze im vorliegenden Themenbereich spürbar sein zu lassen. (pd/red.)

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