Groppmatingen im Endspurt

Nach Aschermittwoch geht der Fasnachtsstress erst richtig los – jedenfalls in Ermatingen. Das ganze Dorf schuftet, damit am 10. März der grosse Groppenumzug für die bis zu 20 000 Zuschauer wieder etwas ganz Besonderes wird.

Gudrun Enders
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ERMATINGEN. Ein riesiger Frosch aus Styropor hängt am Haken. Wagenbauer und Gropp Armin Ribi zieht ihn in die Höhe, Kollege Werner Stör dirigiert mit einer Stange, bis der Frosch auf seiner Kugel sitzt. Gestern werkelten die beiden an ihrem Wagen, mit dem sie am grossen Groppenumzug teilnehmen. Das Gefährt ist ein Kunstwerk, das oberhalb von Ermatingen in Hans Kellers Scheune entsteht. Der Froschkönig-Wagen wird mehr als fünf Meter in die Höhe ragen und die traditionelle Fischküche beherbergen. Während des Umzugs am 10. März stehen auf diesem Wagen allein fünf Männer hinter Fritteusen und backen 70 Kilogramm Felchenknusperli, um sie frisch abgepackt an die Zuschauer zu verteilen.

Einmalig nur für den Umzug

Insgesamt 17 solcher gigantischer und einmaliger Wagen entstehen zurzeit in der Fasnachtshochburg Ermatingen. Sie werden eigens für den grossen Groppenumzug gebaut und danach zerstört. Auch in der Scheune von Landwirt Matthias Stähli aus Salenstein entsteht so ein Fasnachtswagen. Der Bauer stellt seine Scheune sowie seinen Traktor samt Anhänger für drei Monate kostenlos zur Verfügung. «Ohne solches Entgegenkommen ginge es gar nicht», sagt Wagenbauer Hans Raschle. Er montiert in dieser Scheune zusammen mit seinem Team den Wagen «Lance Armstrongs Spritzen-Power». Auf dem Wagen surren Velos über einen Berg, Raschle wird selbst auf dem Gipfel in die Pedalen eines goldenen Rennvelos treten. Zurzeit malt seine Frau am Triumphbogen, der von Armstrongs Konterfei durchstossen wird. Der Allerwerteste des ehemaligen Profisportlers ragt aus der Rückseite inklusive Dopingspritze. Das Gesicht des gefallenen Helden modelliert Vaclav Elias, Bühnenbildner am Theater St. Gallen.

Der Aufwand für den grossen Groppenumzug ist immens. «700 Arbeitsstunden braucht es durchschnittlich nur für einen Wagen», sagt Gropp und Wagenbauer Hans Raschle. Würde die Arbeit eine Firma erledigen, müssten die Groppen 65 000 Franken berappen. Tatsächlich kostet sie laut OK-Leiter Rico Thurnheer der gesamte Umzug 100 000 Franken. Das erklärt den Eintrittspreis über 15 Franken an der Tageskasse. Allerdings müssen nur die Erwachsenen zahlen, Kinder bis 16 Jahre sind frei, damit der Umzug für Familien erschwinglich bleibt. Der Vorverkauf läuft ab 23. Februar in allen wichtigen Ermatinger Geschäften an. Für Kurzentschlossene gibt es am Umzug genug Eintrittskassen vor Ort.

Die Dorffasnacht lebt

Das Groppenkomitee muss nicht nur den grossen Umzug stemmen, es muss auch den Tod seines langjährigen Präsidenten und Obergroppen Kurt Hausammann verkraften. Einen neuen Obergroppen gibt es nicht: «Ich kann und will Kurt Hausammann nicht ersetzen», sagt Ehrengropp Rico Thurnheer. Er ist ein Angeschwemmter und zugleich ein Urgestein der Ermatinger Fasnacht. Er leitet das OK Fasnacht 2013. Besonders die Dorffasnacht am Mittwochabend lebte vom Obergroppen Hausammann. «Wir machen einen Neuanfang», sagt Thurnheer. Der gesamte Abend mit Schnitzelbänken, Musik und Sketchen bekommt einen roten Faden. «Wir treten dieses Jahr den Beweis an, dass unser Dorf ein einziger Zirkus ist.» In der Manege von Zirkus Gropp treten bekannte Künstler wie der Schofseckel auf, aber auch etliche neue Artisten. Dazu spielt die Zirkuskapelle auf, die Gangbang zeigt ihre Performance, und der Nachwuchs ist «nöd ganz suuber».

www.groppenfasnacht.ch